Politik

"Praktisch ein Bürgerkrieg" Putin: Ankara kooperiert mit Terroristen

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Putin sendet klare Worte in Richtung Ankara. Die Türkei sei gut, die Regierung schlecht.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Ungewöhnlich deutlich distanziert sich der russische Präsident Putin von der türkischen Regierung, die einen Krieg gegen das eigene Volk führe. Die Türkei betrachte er als Freund, nur die Regierung verhalte sich unangemessen - unter den Augen der Welt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich im Staatsfernsehen erneut den Fragen von Zuschauern gestellt. Darunter waren auch Fragen zum Krieg in Syrien und zur Lage in der Ukraine. Dabei stellte Putin heraus, dass er die Türkei nach wie vor als Freund betrachte – allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung. "Wir haben nur Probleme mit einigen türkischen Politikern, deren Verhalten wir als unangemessen werten", sagte Putin, ohne konkret Namen zu nennen. Er warf jedoch der türkischen Führung vor, sie kooperiere mit Terroristen, anstatt sie zu bekämpfen.

Die Auseinandersetzungen mit den Kurden im Süden der Türkei bezeichnete er als "Bürgerkrieg", zu dem die internationale Gemeinschaft schweige. "Aber Russland kann darüber nicht hinwegsehen", sagte Putin. Seine Landsleute warnte er vor Reisen in die Türkei. Dort gebe es fast jede Woche Terrorakte. Die Sicherheit russischer Urlauber könne daher nicht garantiert werden. "Auch wenn die Türkei um die Sicherheit der Touristen bemüht ist, bleibt ein Urlaub in der Türkei jetzt gefährlich."

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien Ende November extrem angespannt. Als eine Folge hatte Russland Charterflüge in das Reiseland Türkei eingestellt - ein schwerer Schlag für das bei Russen beliebte Urlaubsziel.

"Wir würden jeden retten - wenn er das will"

Als ein Mädchen fragte, wen er vor dem Ertrinken retten würde, den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko oder den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan, kam Putin ins Stottern: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll: Wenn jemand sich entschlossen hat, zu ertrinken, dann kann man ihn nicht mehr retten." Aber natürlich sei Russland bereit, "die Hand der Freundschaft jedem zu reichen, sofern er das will".

Der sogenannte Heiße Draht dauert traditionell mehrere Stunden. Die Show wird live von Fernsehkanälen und Radiosendern übertragen. Bürger konnten per Telefon und über eine Internetseite Themen einreichen. Im Zentrum standen die schwere Wirtschaftskrise, die zu Entlassungen, Lohnkürzungen und Rubelverfall geführt hat. Es ist Putins insgesamt 14. TV-Sprechstunde dieser Art. Die Sendung steht auch im Zeichen der Parlamentswahl Mitte September.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/rts

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