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"Weil wir stärker sind" Putin rechtfertigt Krim-Annexion

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Wladimir Putin macht dem Westen Vorwürfe.

(Foto: REUTERS)

Alles eine Frage der Perspektive: Russlands Präsident Putin äußert sich äußerst kritisch über den Westen. Verhalte sich Moskau nicht nach dessen Vorstellungen, werde sein Land denunziert. Sein Vorgehen im Ukraine-Konflikt nennt er "strategische Lösung".

Im Ukraine-Konflikt hat Kremlchef Wladimir Putin dem Westen in scharfem Ton "Heuchelei" gegen Russland vorgeworfen. Moskau werde von den USA und der EU nur als Partner akzeptiert, wenn es "brav" sei. "Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort", sagte er in einem Interview mit der Agentur Tass. Als Beispiel nannte Putin den ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin. "Jelzin wurde vom Westen zunächst mit Hurra aufgenommen. Kaum erhob er aber (1999) die Stimme zum Schutz Jugoslawiens, verwandelte er sich in westlichen Augen in einen Alkoholiker", meinte er.

Russland wolle sich durch die Ukraine-Krise nicht in die Isolation drängen lassen. "Ein Eiserner Vorhang würde uns zum Verhängnis werden", sagte Putin. Putin verwies auf Erfahrungen in anderen Ländern, die zeitweise versucht hätten, sich vom Rest der Welt abzuschotten - diese hätten "einen sehr hohen Preis dafür bezahlt". Russland wiederum brauche aus seiner Sicht "nicht den Wettbewerb mit dem Westen zu suchen", sondern sollte vielmehr "friedlich seinem eigenen Programm folgen".

Putin: Westen misst mit zweierlei Maß

Das Land werde seine Interessen weiter verteidigen. Dies gelte auch bei dem völkerrechtlich umstrittenen Beitritt der Halbinsel Krim zu Russland. "Weil wir stärker sind. Weil wir im Recht sind. Die Kraft liegt in der Wahrheit. Wenn ein Russe sich im Recht fühlt, ist er unbesiegbar", sagte der Präsident. Die Annexion der Krim bezeichnete er als "strategische Lösung". In der Ukraine-Krise messe der Westen mit zweierlei Maß, meinte Putin.

In den Tschetschenien-Kriegen sei Russland dafür kritisiert worden, im Nordkaukasus schwere Waffen gegen Terroristen einzusetzen. In der Ukraine dürfe die Armee aber mit Kampfflugzeugen und Artillerie gegen Separatisten vorgehen, und der Westen schweige dazu. "Geht es also wirklich um die Ostukraine? Keinesfalls." Der Westen finde immer einen Grund zur Kritik an Russland. "Das war immer so."

Weniger konziliante Töne schlug der Präsident mit Blick auf seine persönliche Isolation beim jüngsten G-20-Gipfel im australischen Brisbane an, den er vorzeitig verlassen hatte. "Völlig nutzlos" sei es, "sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, einander Freunde zu nennen, sich gegenseitig zu besuchen und an G-8-Treffen teilzunehmen", solange die anderen Staats- und Regierungschefs "Russlands Interessen vernachlässigen".

Für ihn bedeute das dann eben, "dass wir sie nicht besuchen werden, sondern in einem anderen Rahmen treffen, in eher geschäftsmäßiger Atmosphäre", sagte er. In Brisbane war er wegen der russischen Haltung im Ukraine-Konflikt von einigen Kollegen distanziert empfangen worden. Putin sagte dazu: "Ich bin nicht Präsident eines Landes geworden, um meine persönlichen Ambitionen zu befriedigen."

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa/AFP

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