Politik

Ende einer diplomatischen Krise? Putin und Erdogan kündigen Neuanfang an

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Kreml-Chef Putin und der türkische Präsident Erdogan bemühen sich in Sankt Petersburg um entspannte Mienen.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Nach langem Streit setzen Kreml-Chef Putin und der türkische Präsident Erdogan auf Deeskalation - auch aus wirtschaftlichem Interesse. Nicht nur die russischen Sanktionen sollen aufgehoben werden. Auch ein tot geglaubtes Projekt wird wiederbelebt.

Bei ihrem ersten Treffen seit dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs im türkisch-syrischen Grenzgebiet vergangenen November haben Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan ihren Willen bekräftigt, die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder auszubauen. Putin sagte, die Gespräche seien zwar schwierig gewesen, dennoch werde mit dem Staatsbesuch Erdogans der Dialog zwischen beiden Lämdern wieder aufgenommen. Für den türkischen Präsidenten war es die erste Auslandsreise seit dem gescheiterten Putschversuch am 15. Juli.

Erdogan sagte, der Besuch sei "ein neuer Meilenstein" und markiere den Eintritt in eine "sehr veränderte Phase" der bilateralen Beziehungen zu Russland. Zudem dankte er dem Kreml und seinem "guten Freund" Putin für die Unterstützung nach dem Umsturzversuch in der Türkei. Mit Blick auf das teilweise bestehende Handelsembargo gegen die Türkei kündigte Putin an, die "Sanktionen gegen türkische Unternehmen schrittweise aufheben" zu wollen. Russland hatte unter anderem den Import türkischer Lebensmittel verboten.

Im Zuge der Entspannungspolitik wird zudem ein tot geglaubtes Projekt wiederbelebt. Erdogan kündigte an, dass die Schwarzmeer-Pipeline TurkStream nun doch gebaut werden soll. Das Projekt werde zügig umgesetzt, so der Präsident. Die ursprünglichen Pläne sehen vor, dass eine Leitung von der südrussischen Stadt Anapa unter dem Schwarzen Meer bis nach Kiyiköy im europäischen Teil der Türkei führt. Die Pipeline soll eine Kapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr haben. Die Auswirkungen auf Europa sind noch nicht klar.

Viele Politiker in der EU fordern schon länger, dass die Union von russischem Gas unabhängiger werden müsse. Wenn künftig über TurkStream Gas nach Europa fließt, würde allerdings sowohl die Abhängigkeit von Russland als auch von der Türkei steigen.

Quelle: ntv.de, jgu/dpa/rts/AFP

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