Politik

"Regionen in Sippenhaft" Rechte Krawalle belasten Wirtschaft

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Polizisten sichern am Ende August in Heidenau die Zufahrt zu einer Flüchtlingsunterkunft.

(Foto: dpa)

Arbeitgeber und Politiker sind alarmiert: Fremdenfeindliche Ausschreitungen schaden der ostdeutschen Wirtschaft, so ihr Tenor. Schon jetzt sorgen sich offenbar ausländische Fachkräfte um ihre Sicherheit.

Führende Landespolitiker und Unternehmer aus Ostdeutschland haben vor schwerwiegenden Folgen der Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte für die regionale Wirtschaft gewarnt. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig sagte der "Super Illu" mit Verweis auf die Ausschreitungen in Heidenau, es sei eine "wirtschaftliche Katastrophe, wenn durch Fremdenhass das moderne, weltoffene Bild Sachsens ins Gegenteil verkehrt wird". Die kritischen Fragen von Investoren und ausländischen Fachkräften, die um ihre Sicherheit besorgt seien, nähmen zu.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sagte der Zeitschrift, auch die Pegida-Demonstrationen hätten dem heimischen Standort geschadet. Bundesländer, die auf Auslandsinvestitionen und Exporte angewiesen seien, bräuchten ein weltoffenes, internationales Klima, in dem dumpfer Fremdenhass keinen Platz habe. Dies sei umso wichtiger, da allein Thüringen bis zum Jahr 2025 rund 280.000 Fachkräfte benötige.

Unter Berufung auf das Dresdner Ifo-Institut berichtet "Super Illu" weiter, dass in Ostdeutschland wegen des Bevölkerungsrückgangs bis 2025 bis zu zwei Millionen zusätzliche Arbeitskräfte benötigt würden. Diese Lücke könne nur durch Zuwanderung geschlossen werden, sagte der Vizepräsident des Instituts, Joachim Ragnitz, der Zeitschrift. Dafür sei eine Willkommenskultur notwendig.

Dieter Weidlich von der Verbundinitiative Sachsen sieht laut der Zeitschrift durch die rechtsradikalen Krawalle inzwischen ganze "Regionen und Unternehmen in Sippenhaft genommen". Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Ostdeutschen Unternehmerverbände und Berlins, Hartmut Bunsen, warnte der Zeitung zufolge vor irreparablen Imageschäden.

In der sächsischen Kleinstadt Heidenau hatten vor anderthalb Wochen Hunderte Rechtsextreme vor einer Flüchtlingsunterkunft randaliert. Mehr als 30 Polizisten wurden verletzt. Auf der anderen Seite demonstrierten viele Menschen ihre Solidarität mit den Asylbewerbern; sie veranstalteten vergangene Woche unter anderem ein Willkommensfest für die Flüchtlinge.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP

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