Politik

"Es muss cool werden" Regierung pumpt Geld in die Pflege

Pflegekräfte in Deutschland haben mit den stressigsten Job, dazu ist die Bezahlung mager und die Verantwortung groß. Mit mehr Geld und mehr Personal soll der Beruf nun attraktiver werden. Die Bundesregierung erklärt, wie das gelingen soll.

Mehr Personal, mehr Geld und zehn Prozent mehr Auszubildende: Die Bundesregierung will die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte "schnell und spürbar" verbessern. Ein Ziel der "Konzertierten Aktion Pflege", deren Ergebnisse in Berlin vorgestellt wurden, sind bundesweite Tarifverträge für Pflegekräfte und die gleiche Bezahlung in Ost und West. Bisher werden Pflegekräfte sehr unterschiedlich und eher niedrig entlohnt. In der Alten- und Krankenpflege arbeiten rund 1,6 Millionen Menschen, fast 40.000 Stellen sind aber unbesetzt.

"Pflegekräfte verdienen Anerkennung und eine gute Bezahlung", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Das soll mithilfe differenzierter Mindestlöhne gelingen. Der SPD-Politiker kündigte an, dass die rechtlichen Grundlagen dafür noch vor der Sommerpause von der Bundesregierung beschlossen werden sollen. Dann sei die Pflegebranche am Zug. "Sie muss entscheiden, ob sie für bessere Löhne einen flächendeckenden Tarifvertrag abschließen kann, oder Mindestentgelte - wie bisher - über die Pflegekommission festgelegt werden sollen", erklärte Heil.

Heil hatte gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im vergangenen Jahr die "Konzertierte Aktion Pflege" gestartet, um dem Mangel an Fachkräften in der Branche entgegenzuwirken.

Mehr Auszubildende, mehr Weiterbildung

Dazu soll die Zahl der Auszubildenden in der Pflege sowie die Zahl der Ausbildungseinrichtungen bis 2023 im Schnitt um jeweils zehn Prozent gesteigert werden. Zudem sollen die Pflege-Verbände mindestens 5000 Weiterbildungsplätze für Pflegehelfer bereitstellen. "Wir sorgen für mehr Nachwuchs in der Pflege - ohne Schulgeld und mit fairer Ausbildungsvergütung", betonte Giffey.

"Es muss klar werden: Pflege ist ein Zukunftsberuf, eine Ausbildung in der Pflege lohnt sich und eröffnet Möglichkeiten für verschiedene Berufswege", sagte Giffey. "Es muss cool werden, Pflegekraft zu sein." Geplant ist eine neue Pflegeausbildung ab 2020 - dann soll bundesweit dafür auch kein Schulgeld mehr fällig werden, Azubis sollen vielmehr Vergütungen bekommen. Geplant sind außerdem 5000 Weiterbildungsplätze.

Angesichts Zehntausender fehlender Pflegekräfte soll auch die Anwerbung von ausländischen Fachkräften forciert werden, unter anderem durch eine Fach- und Sprachausbildung in den Herkunftsländern. Spahn hat dabei besonders Balkanländer wie Kosovo oder Albanien im Blick.

Zudem soll ein Verfahren für verbindliche Personalschlüssel für Pflegekräfte in Krankenhäusern erarbeitet werden. Ein ähnliches Verfahren läuft bereits für Pflegeeinrichtungen, dessen Umsetzung müsse nun "zügig" angegangen werden. Die Digitalisierung im Pflegebereich soll vorangetrieben werden, die elektronische Pflegeakte und auch digitale Verordnungen sollen mittelfristig Standard sein. Die Telepflege, etwa Beratungen über das Netz, soll ausgebaut werden.

Beitrag soll bis 2022 stabil bleiben

Für mehr Personal und mehr Lohn ist aber auch mehr Geld erforderlich. Das ist allen Beteiligten klar. Die Rücklagen der gesetzlichen Pflegeversicherung waren im vergangenen Jahr drastisch geschrumpft. Anfang 2019 war der Beitragssatz um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 Prozent (3,30 Prozent für Kinderlose) gestiegen. Das Gesundheitsministerium hofft, dass der Beitrag möglichst bis 2022 stabil bleiben kann.

"Pflege muss wieder attraktiver werden. Das geht nur mit mehr Personal", sagte Spahn. Das entlaste nicht nur die einzelne Pflegekraft, sondern lasse auch mehr Zeit für die Betreuung der Pflegebedürftigen.

Quelle: n-tv.de, vpe/AFP/dpa