Politik

"Das ist urkomisch" Republikaner helfen Kanye West

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Kanye West Mitte Juli in South Carolina bei seiner bisher einzigen Wahlkampfveranstaltung.

(Foto: AP)

Eine Chance auf einen Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen hat Kanye West nicht einmal theoretisch - dafür tritt er nicht in genügend Bundesstaaten an. Das ist wohl aber auch gar nicht das Ziel seines Wahlkampfes.

In einigen US-Bundesstaaten erhält Rapper Kanye West Unterstützung von Personen, die der Republikanischen Partei angehören oder mit ihr in Verbindung stehen. Das ergab eine Recherche der "Washington Post". West tritt bei den Präsidentschaftswahlen in den USA an, die am 3. November stattfinden.

West hat bislang in zehn der fünfzig Bundesstaaten die notwendigen Papiere eingereicht. In einigen davon steht die Zulassung noch aus. Um auf dem Wahlzettel zu stehen, muss der Musiker diverse Hürden nehmen. Dabei helfen ihm der "Washington Post" zufolge in wenigstens fünf Bundesstaaten Aktivisten und Mitarbeiter der Republikanischen Partei.

Unter anderem will West in Wisconsin antreten, einem der Staaten, in denen US-Präsident Donald Trump 2016 knapp gegen die damalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gewonnen hatte. Auch in diesem Jahr gehört Wisconsin zu den Staaten, die für den Ausgang der Wahl entscheidend sein dürften.

"Nein, ich mache keine Witze"

Die Bewerbung in Wisconsin wurde von einer Anwältin eingereicht, die bereits für die Republikaner gearbeitet hat. Wer in diesem Bundesstaat antreten will, muss zehn Personen benennen, die im Falle eines Sieges als seine Wahlmänner und -frauen dienen würden. Nach Informationen der "Washington Post" haben mindestens sechs dieser zehn Personen Verbindungen zu den Republikanern.

Schon vor ein paar Tagen hatte die Nachrichtenseite Vice berichtet, dass Rachel George, eine hochrangige Strategin der Republikaner in Colorado, daran beteiligt war, West in ihrem Bundesstaat als Kandidaten anzumelden. Vice zitiert aus einer Mail, in der George einen Kollegen bittet, sich als Wahlmann für West zur Verfügung zu stellen. "Nein, ich mache keine Witze, und mir ist klar, dass das urkomisch ist", schreibt sie.

Trump sagte in der vergangenen Woche, er habe nichts damit zu, dem Rapper bei der Zulassung zur Wahl zu helfen. Zugleich sagte er, er möge West sehr.

Eine Chance auf den Wahlsieg hat weder West noch ein anderer der Kandidaten, die ohne die Unterstützung der beiden großen Parteien antreten. Anfang August hatte bereits die Zeitschrift "Forbes" berichtet, es sehe danach aus als sei es Wests Ziel, dem Wahlkampf des demokratischen Kandidaten Joe Biden zu schaden.

Eigentlich ein Trump-Fan

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Auf eine entsprechende Frage in einem schriftlich geführten Interview habe West geantwortet, er wolle gewinnen. Auf den Hinweis, dass er die notwendigen 270 Wahlmänner und -frauen nicht gewinnen könne, weil er nicht in genügend Bundesstaaten antrete, schickte West diese Nachricht: "Ich werde nicht mit Ihnen streiten. Jesus ist König."

Kanye West galt lange als Trump-Fan. 2018 besuchte er den Präsidenten im Weißen Haus und trug dabei eine "Make America Great Again"-Mütze. Als er in diesem Jahr dann seine eigene Präsidentschaftskandidatur erklärte, teilte West mit: "Ich lege die rote Mütze ab".

Für die Republikaner könnte Wests Kandidatur hilfreich sein, weil die meisten Schwarzen niemals Trump ihre Stimme geben würden. Das Wahlkampfteam des Präsidenten scheint daher auch weniger darauf zu setzen, schwarze Wähler zu gewinnen, als vielmehr darauf, sie davon abzubringen, Biden zu wählen.

Zuletzt griff Trump Biden an, weil der in einem Interview gesagt hatte, die afroamerikanische Gemeinschaft sei weniger vielfältig als die Latino-Gemeinschaft in den USA. Trump kommentierte auf Twitter, jetzt sei Biden der Stimmen der Schwarzen "nicht mehr würdig".

Quelle: ntv.de, hvo