Politik

Streit um Homöopathie Rösler will Wahltarife prüfen

Homöopathie gilt in der Wissenschaft als wirkungslos. Forderungen, die alternative Behandlungsmethode auf Kassenkosten deshalb zu verbieten, lösen Empörung aus. Denn Millionen Menschen nehmen homöopathische Mittel.

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Zählt der Glaube? Die Wirkung homöopathischer Mittel ist umstritten.

(Foto: dpa)

Angesichts des Finanzdrucks der Krankenversicherung ist ein hitziger Streit über Homöopathie auf Kassenkosten entbrannt. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will daran festhalten. Die CDU zeigt sich uneins. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte gefordert, gesetzlichen Kassen die Bezahlung von Homöopathie zu verbieten.

"Grundsätzlich spricht nichts gegen Wahltarife, auch nicht bei der Homöopathie", sagte Rösler der "Passauer Neuen Presse". "Wenn eine Krankenkasse diesen Weg geht, kann und sollte ihr das nicht verwehrt werden." Die Allgemeinheit dürfe aber nicht belastet werden. Man werde die Wahltarife insgesamt überprüfen.

Mehrere Meinungen in der Union

Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) warnte vor der Streichung einzelner Leistungen. "Die Krankenkassen können wählen, ob sie ihren Mitgliedern die Homöopathie anbieten oder nicht", sagte sie. Das sei ein Wettbewerbselement. "Wir sollten nicht immer versuchen, alles gleich zu machen." Homöopathie könne eine gute kostengünstige Ergänzung sein. Der CSU-Sozialexperte Max Straubinger nannte die Diskussion fehlgeleitet: "Wir stehen für einen umfassenden Leistungskatalog."

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn betonte in der "Bild"-Zeitung hingegen, entsprechende Wahltarife seien unter Rot-Grün eingeführt worden. "Wenn die SPD will, können wir das sofort streichen, da es keinen wissenschaftlichen Nachweis für den Nutzen gibt."

Grüne und Linke an der Seite der Kassen

Homöopathische Mittel sind von der Erstattung in der Regel ausgeschlossen, außer eine Kasse bietet dafür Wahltarife an. Viele Kassen haben zudem haben Verträge mit den Ärzten abgeschlossen, die die Erstattung der Therapien möglich machen. Wissenschaftlich nachweisbar ist die Wirkung homöopathischer Mittel nicht.

Grüne und Linke lehnen eine Herausnahme von Naturheilverfahren aus der Krankenversicherung ab. "Die pauschale Kritik an der Homöopathie verkennt, dass selbst die Schulmedizin in vielen Fällen auf die industrielle Nachahmung von Heilmitteln zurückgreift, die es in der Natur kostenlos gibt", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der "Berliner Zeitung". Grünen-Parteichefin Claudia Roth sagte, ein Verbot würde gerade Patienten treffen, die auf gesunde Lebensführung achten. Die Linke-Expertin Martina Bunge sagte, auch ganzheitliche Ansätze seien nötig.

Die Kassen verteidigte Homöopathie-Angebote. Angesichts der diskutierten Mehrausgaben für die Ärzte und Kliniken dürften jetzt nicht Leistungskürzungen für die Versicherten diskutiert werden, sagte der Sprecher ihres Verbands, Florian Lanz. "Hier beginnt eine Debatte in die völlig verkehrte Richtung zu laufen." Einer Allensbach-Studie zufolge haben 57 Prozent der Bürger schon solche Mittel genommen.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte betonte, "dass die Homöopathie in der Praxis effektiv und kostengünstig ist". Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller kritisierte Verbotsforderungen als "Oppositionspopulismus". Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warnte vor Rationierung und einer Einheitskasse statt Wettbewerb.

Quelle: ntv.de, dpa