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Gipfeltreffen in Mekka Saudi-Arabien will Krieg mit Iran abwenden

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Die USA schickten einen Flugzeugträger. Der saudische Außenminister sieht einen "heiklen Moment".

(Foto: dpa)

Seit mehreren Jahren führen Saudi Arabien und der Iran einen Stellvertreterkrieg im Jemen. Weitet sich der womöglich zur offenen Konfrontation aus? Das will zumindest Riad unbedingt verhindern, wie der saudische Außenminister sagt.

Saudi-Arabien will nach eigenen Angaben trotz aller Rivalität keinen Krieg mit dem schiitischen Erzfeind Iran. "Ein Krieg wäre für alle in der Region schädlich, und wir wollen ihn um jeden Preis vermeiden", sagte der saudische Staatsminister für Auswärtiges, Adel al-Dschubair, in einem Interview mit der BBC. Die Region befinde sich in einem "heiklen Moment" ihrer Geschichte, erklärte er. Die Iraner müssten aber einhalten, wenn sie eine Normalisierung der Lage wollten. Al-Dschubair gilt als eines der wichtigsten Sprachrohre Saudi-Arabiens im Ausland.

Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind. Riad hatte zusammen mit seinem Verbündeten USA in den vergangenen Wochen den Ton gegenüber dem Nachbarn deutlich verschärft und so Sorgen vor einem neuen Krieg in der ohnehin von Krisen geplagten Region geweckt. Washington entsandte zudem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten.

In Mekka trafen am Donnerstag zahlreiche Führer der Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) und der Arabischen Liga zu Krisengipfeln ein. Auf dem Programm der von Saudi-Arabien einberufenen Treffen standen Debatten über iranische "Aggressionen" im Nahen Osten. Die Gipfel galten als Versuch des Königreiches, die anderen Länder der Region gegen den Iran in Stellung zu bringen.

Bolton beschuldigt Iran der Sabotage

Saudi-Arabien und seine Verbündeten werfen dem Rivalen vor, im Nahen Osten Unruhe zu stiften, und machen ihn für zahlreiche Angriffe verantwortlich. So hatten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe vor ihrer Küste gemeldet. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, erklärte, dahinter stecke "beinahe sicher" der Iran. Die Führung in Teheran bestreitet das jedoch. "Das sind lächerliche Behauptungen, die wir kategorisch zurückweisen", erklärte Außenamtssprecher Abbas Mussawi in dieser Woche.

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Trumps Sicherheitsberater John Bolton gilt als Scharfmacher in der Iran-Frage.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beweise hatte Bolton nicht vorgelegt. Er gilt als treibende Kraft hinter dem konfrontativen Kurs der USA gegenüber dem Iran. Die Spannungen in der Region sind massiv gestiegen, seitdem die USA unter Verweis auf eine "Bedrohung" durch den Iran ihr Militär in der Golfregion verstärkt haben. Verbündete Staaten äußerten Zweifel, dass es eine erhöhte Bedrohung gebe. Trump will den Iran mit seiner Strategie des "maximalen Drucks" zu neuen Verhandlungen über sein Atomprogramm und seine Regionalpolitik zwingen. Teheran lehnt Gespräche aber ab.

Huthis greifen wichtige Pipeline in Saudi-Arabien an

Al-Dschubair wiederum sagte der BBC, derartige Dementis seien "zum Lachen". In regionalen Konflikten stehen die beiden Länder auf unterschiedlichen Seiten. So ist der Iran im syrischen Bürgerkrieg einer der wichtigsten Verbündeten von Präsident Baschar al-Assad, während Saudi-Arabien die Opposition unterstützt und bewaffnete. In Jemens Bürgerkrieg bekämpft die saudische Armee die Huthi-Rebellen, in denen sie einen Verbündeten der Regierung in Teheran sieht.

Die Huthis hatten in den vergangenen Wochen mehrfach Ziele in Saudi-Arabien mit Drohnen angegriffen. Sie nahmen unter anderem eine der wichtigsten Pipelines des ölreichen Landes ins Visier. Auch dafür machte Saudi-Arabien den Iran verantwortlich.

Beim sunnitischen und schiitischen Islam handelt es sich um die beiden größten Strömungen im Islam. Sie entwickelten sich einst aus einem Streit über die Frage, wer der rechtmäßige Nachfolger des im Jahr 632 gestorbenen Propheten Mohammed ist. Allerdings geht es beim aktuellen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran nicht um religiöse Fragen, sondern um Macht und Einfluss im Nahen Osten.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/AFP

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