Politik

Brutaler Mord an Ehepaar Schwere Krawalle erschüttern Westjordanland

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Nach dem Mord an einem Siedler-Ehepaar im Westjordanland kommt es zu Ausschreitungen.

(Foto: dpa)

Nach dem Mord an einem Ehepaar schickt Israel Soldaten ins Westjordanland. Es kommt es zu Ausschreitungen. Am Vorabend schießen wohl Männer mit Schnellfeuerwaffen auf das Auto einer Familie. Die Kinder werden Zeuge der Hinrichtung.

Israels Armee und Geheimdienst haben mit Hochdruck nach den Mördern eines jüdischen Ehepaares gefahndet. Die beiden israelischen Siedler waren am Vorabend im Norden des besetzten Westjordanlands vor den Augen ihrer Kinder erschossen worden.

Tausende Trauernde nahmen in Jerusalem an der Beisetzung der Opfer teil. Aus dem rechten israelischen Regierungslager wurde Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Geheimdienst eingeschaltet

"Die Fahndung läuft intensiv. Mehrere hundert Soldaten, aber insbesondere auch der Inlandsgeheimdienst sind beteiligt", erklärte Armeesprecher Arje Schalikar auf Anfrage. Am Tatort östlich von Nablus auf der Straße zwischen den Siedlungen Itamar und Elon More wurde jedes Fahrzeug intensiv kontrolliert, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

"Wir werden nicht ruhen, bis wir die Täter und ihre Hintermänner gefasst haben", erklärte Verteidigungsminister Mosche Jaalon am Ort des Anschlags. Zugleich rief er die Siedlerführer auf, "verantwortungsvoll zu handeln", damit sich die "nächtliche Gewalt" nicht wiederholt. Siedler hatten an einigen Stellen Straßen blockiert und palästinensische Fahrzeuge mit Steinen beworfen.

Die Opfer Eitam und Naama Henkin, beide rund 30 Jahre alt, wohnten in der Siedlung Neria nahe Ramallah. Ihre Kinder im Alter von vier Monaten bis neun Jahren saßen bei dem Anschlag auf das fahrende Familienauto auf dem Rücksitz; sie erlitten einen Schock, aber keine äußeren Verletzungen.

Tausende kommen zur Bestattung

"Uns bot sich ein grauenhafter Anblick", berichtete Rettungssanitäter Boas Malka der Presse. "Das Auto stand mitten auf der Straße, daneben lag der Fahrer mit Wunden im Oberkörper, auf dem Beifahrersitz saß die Frau, ebenfalls mit schweren Schusswunden. Wir konnten nur noch den Tod feststellen." Laut ersten Augenzeugenberichten war das Auto aus einem langsam überholenden Fahrzeug mit Schnellfeuerwaffen beschossen worden.

Tausende nahmen Donnerstagmittag an der Bestattung des Ehepaars auf einem Friedhof am Westrand von Jerusalem teil, unter ihnen Staatspräsident Reuven Rivlin. Die Trauergemeinschaft brach in Tränen aus, als der neunjährige Sohn Matan ein Gebet für seine toten Eltern sprach.

Hamas begrüßt den Anschlag

International wurde die Tat scharf verurteilt, so vom US-Außenministerium, dem deutschen Auswärtigen Amt, der EU und der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die Palästinenserführung gab zunächst keine Erklärung ab. In einem Bekennerschreiben, dessen Echtheit nicht überprüfbar war, bekannte sich eine Organisation zu dem Anschlag, die sich als Untergruppe der Fatah-Partei von Präsident Abbas bezeichnete. Die islamistische Hamas begrüßte die Attacke auf die Siedlerfamilie.

Vertreter der rechtsgerichteten israelischen Regierung griffen Abbas wegen des Anschlags persönlich an. "Jede Rede von Abu Masen ist eine Ermunterung zur Ermordung von Juden", sagte Kulturministerin Miri Regev unter Verwendung des Beinamens des Palästinenserpräsidenten. Bildungsminister Naftali Bennett verkündete, die Zeit der Gespräche mit den Palästinensern sei nun vorbei. "Ein Volk, dessen Anführer Mord unterstützen, wird niemals einen Staat haben."

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern hatten in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. In Jerusalem gab es schwere Auseinandersetzungen, die anlässlich einer Abfolge mehrerer religiöser Feiertage durch Konflikte um die Nutzung des Tempelbergs ausgelöst wurden. Es kam am Löwentor zur Altstadt wiederholt zu Zusammenstößen, weil die israelische Polizei Männer unter 40 Jahren am Zugang zur Al-Aksa-Moschee hinderte.

Quelle: n-tv.de, Andrea Bernardi, Jonah Mandel, afp

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