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Dienstag, 31. Oktober 2017

Terrorverdacht in Schwerin: "Schwerer Anschlag" in Schwerin verhindert

In Schwerin nehmen Sondereinheiten der Polizei einen Syrer fest. Er soll einen Bombenanschlag mit vielen Toten geplant haben. Nach den Worten von Innenminister de Maizière wurde ein "schwerer Terroranschlag" verhindert. Unklar ist, ob der Syrer Kontakt zum IS hatte.

Die Festnahme eines terrorverdächtigen Syrers in Schwerin hat nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen "schweren Terroranschlag in Deutschland" verhindert. "Nach allem, was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen", erklärte de Maizière. Alle Beteiligten hätten "hervorragende Arbeit" geleistet, lobte der Minister.

Spezialkräfte der Polizei hatten den Mann wegen des Verdachts auf Vorbereitung eines islamistisch motivierten Bombenanschlags festgenommen. Der 19-jährige Yamen A. soll laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe seit Juli einen Bombenanschlag mit hochexplosivem Sprengstoff in Deutschland geplant und bereits konkret vorbereitet haben. Sein Ziel sei es gewesen, dabei möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen. Demnach gab der Verfassungsschutz erste Hinweise auf den Mann.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hatte der Syrer über das Internet Kontakt zu einer Person, die sich selbst als "Soldat des Kalifats", also als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), bezeichnete. "Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn (den Festgenommenen) in seinen Plänen bestärkt hat", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, in Karlsruhe.

Es gebe keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an der Anschlagsvorbereitung beteiligt waren. Deshalb werde gegen den Syrer zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, sagte Köhler. "Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für seinen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatte, ist derzeit noch unklar."

Bestandteile von TATP besorgt

Der 19-Jährige habe sich elektronische Bauteile und Chemikalien beschafft - darunter über einen Internetversandhändler Schwefelsäure- und Wasserstoffperoxid enthaltende Oxidatorlösungen. Beide Chemikalien sind neben Aceton, das in der Wohnung gefunden wurde, Bestandteile des hochexplosiven Sprengstoffs TATP. Dieser sollte offenbar als Initialsprengstoff für eine größere Sprengladung dienen.

Es seien auch Handy-Bauteile für eine Fernzündung gefunden worden. Da Chemikalien und Handy-Teile bereits aus der Verpackung genommen worden seien, gehe man davon aus, dass A. erste Versuche zum Bau der Zündung gestartet habe. Vermutlich für den Hauptsprengsatz habe er ferner Ende September zehn Kilo Wasserstoffperoxid bestellt, dies aber später storniert. Der Grund dafür sei noch unklar, sagte die Sprecherin.

Laut de Maizière hatte die Überwachung der Internetkontakte im Sommer auf die Spur des jungen Syrers geführt. Er habe dort alles bestellt, was man zum Bau einer Bombe benötigt, sagte der Minister. Spezialkräfte der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes und der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommerns nahmen den Verdächtigen gegen 6.00 Uhr in einem Plattenbau im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf fest, in dem zahlreiche Flüchtlinge untergebracht sind. An der Festnahme und an Wohnungsdurchsuchungen in Schwerin und Hamburg waren dem Vernehmen nach etwa 150 Beamte beteiligt.

Zudem wird ein Zeuge aus Hamburg verhört. Bei einem Einsatz des Bundeskriminalamtes in Hamburg-Wandsbek habe es am frühen Morgen aber keine Festnahme gegeben, hieß es aus Polizeikreisen. Es handele sich um einen Zeugen, der vernommen werde.

Die Gefährdungslage in Deutschland sei unverändert hoch, sagte Minister de Maizière. Angesichts der anhaltenden Bedrohung Europas durch islamistischen Terrorismus arbeiteten die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, national und international, eng und gut zusammen und handelten "wenn nötig entschlossen und konsequent", betonte der Minister.

Quelle: n-tv.de

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