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Französische Präsidentenwahl Stürzt Fillon über "Penelope-Gate"?

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Präsidentschaftskandidat François Fillon mit seiner Frau Penelope.

(Foto: AP)

Drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist der konservative Kandidat François Fillon beschädigt. Der Skandal könnte den Ausgang der Wahl massiv entscheiden - auch zugunsten von Marine Le Pen.

Sogar die Anleger sind schon unruhig. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Frankreich kletterten am Mittwoch deutlich, das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die angebliche Ursache: François Fillon und "Penelope-Gate", wie französische Medien spöttisch titeln. Der konservative Spitzenkandidat hat Riesenärger und das ausgerechnet so kurz vor der Präsidentschaftswahl Ende April.

Vor ein paar Tagen war bekannt geworden, dass seine Frau jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin ihres Mannes angestellt war. Insgesamt soll Penelope Fillon fast 900.000 Euro brutto verdient haben. Und das, ohne jemals in der Nationalversammlung gearbeitet zu haben. Die Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Mittel. Laut einer Umfrage von Harris Interactive fordern 69 Prozent der Franzosen, dass Fillon seine Kandidatur aufgeben soll.

Dabei galt er bis vor Kurzem als Favorit für die Nachfolge von Präsident François Hollande. In den Vorwahlen im Herbst hatte sich Fillon souverän gegen Ex-Premier Alain Juppé und den durch Affären belasteten Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy durchgesetzt. "Wenn man nicht tadellos ist, kann man keine Autorität ausstrahlen", sagte Fillon bei einer Veranstaltung im Vorwahlkampf der Konservativen. Er galt als sauber und glaubwürdig, zumindest bis vor einigen Tagen.

"Wir sind dabei, unterzugehen"

Fillon selbst wittert ein Komplott und will an seiner Kandidatur festhalten. "Ich habe keine Angst, vor nichts, ich habe eine dicke Haut", sagte er am Wochenende. Der 62-Jährige weist die Vorwürfe der Scheinbeschäftigung zurück und behauptet, seine Frau habe wirklich für ihn gearbeitet. In dieser Woche strahlte der französische Sender France 2 Auszüge eines Interviews von 2007 aus. Darin erklärte seine Frau Penelope: "Ich bin niemals seine Assistentin gewesen oder was auch immer in der Art."

Zwei Monate nach der Kür wackelt Fillons Kandidatur also merklich. Was, wenn die französische Justiz ein Verfahren einleitet? Der Abgeordnete Philippe Gosselin rief Juppé dazu auf, als möglicher Ersatzkandidat bereitzustehen. Dieser lehnt bislang ab. Ganz abwegig ist das Szenario aber offenbar längst nicht mehr. In dieser Woche gab es sogar die ersten Rücktrittsforderungen von französischen Konservativen. "Ich denke, unser Kandidat muss aufhören", sagte der Senator Alain Houpert. "Wir können nicht mit einem Kandidaten weitermachen, der sich in extremen Schwierigkeiten befindet", sagte der Abgeordnete Georges Fenech. "Wir sind dabei, unterzugehen." Nun müsse ein neuer Präsidentschaftskandidat gefunden werden. "Wir müssen dringend eine Entscheidung treffen."

Viel Zeit bleibt nicht. Bald geht der Wahlkampf in seine heiße Phase. Am 23. April ist die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen, zwei Wochen später die Stichwahl. Fillon hat innerhalb der vergangenen vier Wochen fünf bis sechs Prozentpunkte verloren. Nach jetzigem Stand würde es nicht mal mehr für die Stichwahl reichen. Die Konstellation der französischen Präsidentschaftswahl könnte sich durch die Affäre entscheidend verändern: Sollte es so kommen, wie die Umfragen vorhersagen, müssten sich die konservativen Wähler nach dem ersten Wahlgang entscheiden - zwischen der rechten Kandidatin Marine Le Pen und dem parteilosen Linksliberalen Emmanuel Macron.

Quelle: n-tv.de

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