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Sexismus-Debatte in der CDU Tauber stolpert über Mails zur Frauenunion

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CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

picture alliance / dpa

Nach den Sexismus-Vorwürfen einer Berliner CDU-Politikerin ergreift Peter Tauber das Wort: Er finde es wichtig, dass es die Debatte gebe. Doch nun tauchen E-Mails auf, die den Generalsekretär in einem eher frauenfeindlichen Licht erscheinen lassen.

Die Aufforderung von CDU-Generalsekretär Peter Tauber an seine Partei, über Sexismus in den eigenen Reihen zu diskutieren, hat in seinem Wahlkreis bei einigen CDU-Frauen Erstaunen ausgelöst. Dort ist der Generalsekretär bisher nicht allen als Vorkämpfer für einen adäquaten Umgang mit Frauen in der Politik aufgefallen.

Der "Süddeutschen Zeitung" liegt ein Mailverkehr Taubers vor, der zeigt, dass in seinem Umfeld zumindest in diesem Fall kaum anders über Frauen gesprochen wurde, als es Frank Henkel im Fall Jenna Behrends getan haben soll, den Tauber jetzt zum Anlass für seine Aufforderung genommen hat.

Der Mailverkehr stammt aus dem Jahr 2012. Tauber saß bereits im Bundestag, außerdem war er der CDU-Vorsitzende im Main-Kinzig-Kreis. Tauber schreibt damals an fünf männliche Parteifreunde: "Hallo Jungs, wir haben ein neues Problem: die Frauen Union. Es gibt derzeit niemanden, der den Vorsitz übernehmen will. Die Frage ist: Ist das verzichtbar? Auf jeden Fall sollten wir das nicht an die große Glocke hängen. Sollten wir neben den offenen Kandidatenfragen mal darüber reden. Es grüßt, Peter."

Hintergrund der Mail ist, dass die Männer vermeiden wollen, dass eine ihnen nicht genehme Frau Chefin der Frauen-Union wird - und ihnen dann mit dieser eigenen Machtposition in die Quere kommen könnte.

"Srita Heide, die ist doch so pseudoengagiert"

Tauber erhält auf seine Mail von den Parteifreunden zwei Vorschläge. Der damalige Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion antwortet ihm, verzichtbar seien die Frauen "allemal". Er macht dann aber trotzdem einen Vorschlag: "Was ist denn mit Srita Heide, die ist doch so pseudoengagiert..."

Taubers damaliger Bundestagsbüro-Mitarbeiter empfiehlt seinem Chef dagegen Katja Leikert. Das "wäre ein guter Einstieg für sie. Die würde vielleicht auch mal was auf die Reihe bekommen", schreibt Taubers Mitarbeiter. Es bestehe dann "natürlich" die Gefahr, dass Leikert "in der Schlangengrube" Frauen-Union so schnell totgebissen werde, dass sie die Lust für alles andere verliere. Aber: "Rein optisch wäre sie ein Gewinn."

Tauber distanziert sich nicht von dieser Wortwahl. Stattdessen antwortet er seinem Mitarbeiter: "Super! Kläre das mit Katja (Leikert)". Sie sei "eine junge Frau, die super passen würde!". Das war am 1. März 2012. Leikert hatte damals in der CDU noch keinerlei Erfahrung, sie ist der Partei erst 2012 beigetreten. Doch die Absprache von Taubers "Jungs" funktionierte. Leikert zog bereits 2013 in den Bundestag ein. Sie vertritt dort Taubers Nachbar-Wahlkreis und gilt erwartungsgemäß nicht gerade als Gegnerin des Generalsekretärs. Taubers Mitarbeiter, der 2012 vom "optischen Gewinn" sprach, ist inzwischen Leikerts Büroleiter im Bundestag.

Demnächst könnte auch die zweite damals vorgeschlagene Frau Karriere machen. Die "pseudoengagierte" Srita Heide soll im kommenden Jahr Landratskandidatin der CDU werden - Tauber hat sie gerade erst als "die richtige Frau für den Main-Kinzig-Kreis" gepriesen.

Quelle: n-tv.de, kpi

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