Politik

"Ich liebe die EU!" Tausende Briten demonstrieren gegen Brexit

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(Foto: REUTERS)

Die Mehrheit der britischen Wähler hat sich für den Austritt des Königreichs aus der EU entschieden. Zehntausende Demonstranten beknien das Parlament, das Votum vom 23. Juni zu übergehen. Die Queen richtet derweil einen Appell an die Öffentlichkeit.

Zehntausende Demonstranten haben in London gegen das britische Brexit-Votum protestiert. Die zumeist jungen Leute trugen bei ihrem Marsch durch die Innenstadt Europaflaggen mit sich und riefen: "Ich liebe die EU!". Der Sender BBC sprach von schätzungsweise 40.000 Teilnehmern. Die Polizei machte bisher keine Angaben zum Umfang der Demonstration.

Die Veranstalter fordern unter anderem, das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aus der vergangenen Woche aufheben, die Zukunft Großbritanniens liege in der Europäischen Union. Die derzeit entscheidenden Politiker in London betonen, es gebe kein Zurück, das Votum von 17 Millionen Briten (rund 52 Prozent) für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden. In London hatten rund 60 Prozent gegen den Brexit gestimmt.

"Wir können den Brexit verhindern, indem wir das Referendum nicht als das letzte Wort akzeptieren und den Finger vom Selbstzerstörungsknopf nehmen", sagte der Organisator des Protestmarschs, Kieran MacDermott.

Queen mahnt zu Besonnenheit

"Ich bin zutiefst verunsichert über meine Zukunft", sagte ein 25-Jähriger Demonstrant aus Hertfordshire. "Ich akzeptiere das Ergebnis, aber das hier soll zeigen, dass wir es nicht stillschweigend hinnehmen." Eine 37-jährige Demonstrantin, die gelbe und blaue Blumen - die Farben der EU-Flagge - im Haar trug, sagte: "Ich denke, die 'Leave'-Kampagne hat die Menschen in die Irre geführt. Ich möchte die EU nicht verlassen." Ein weiterer in den EU-Farben gekleideter Demonstrant sagte: "Wir können noch etwas tun, solange Artikel 50 noch nicht aktiviert ist."

Artikel 50 der EU-Verträge regelt den Austritt eines Landes aus der EU. Damit er zum Tragen kommt, muss die britische Regierung aber erst einmal offiziell einen Austrittsantrag stellen. Wann das nach dem Referendum vom 23. Juni geschieht, ist aber noch unklar. Inzwischen haben rund vier Millionen Briten eine Online-Petition für ein zweites Referendum unterschrieben. Allerdings hat das zuständige Komitee im Unterhaus Zweifel geäußert, ob alle Unterschriften gültig seien.

Königin Elizabeth II. rief zu Ruhe und Besonnenheit in schwierigen Zeiten auf. Ohne das Thema Brexit beim Namen zu nennen, betonte die Queen bei der feierlichen Eröffnung des neugewählten schottischen Parlaments in Edinburgh die Notwendigkeit, "ruhig und gefasst zu bleiben". Gerade in Zeiten schneller Entwicklungen brauche es "genügend Raum für ruhiges Denken und Überlegen". Das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs hält sich traditionell aus der Tagespolitik heraus.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa/rts/AFP