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Desaströse Nacht für May Tories müssen nach Parlamentswahl zittern

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Kurz vor Sonnenaufgang zeigt die neueste BBC-Hochrechnung 318 Stimmen für die Konservativen an.

(Foto: REUTERS)

Premierministerin May wird mit ihren Konservativen zwar auch weiterhin die stärkste Kraft in Großbritannien stellen, verliert aber nach Prognosen die absolute Mehrheit im Unterhaus. Damit steht dem Land eine Hängepartie bevor - und auch die Brexit-Verhandlungen könnten komplizierter werden.

Bei der Parlamentswahl in Großbritannien steht Regierungschefin Theresa May Prognosen zufolge völlig überraschend vor dem Verlust der absoluten Mehrheit. Ihre Konservativen können laut einer Nachwahlbefragung nur noch mit 314 der 650 Sitze rechnen. Berechnungen etwa der BBC am frühen Freitagmorgen zeichneten nur ein unwesentlich freundlicheres Bild - sie sagten 318 Sitze für die Tories und 267 für die oppositionelle Labour-Partei voraus. Damit droht ein "Hung Parliament" und ein politisches Patt, was die anstehenden Brexit-Verhandlungen verzögern und enorm erschweren könnte. Auch Mays politische Zukunft stand in der Nacht in Frage. So forderte Labour-Chef Jeremy Corbyn ihren Rücktritt.

Eigentlich wollte May durch die vorgezogene Wahl ihre absolute Mehrheit im Unterhaus ausbauen und sich Rückendeckung für ihre harte Linie bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU holen. Bislang hatten die Tories 330 Sitze im Unterhaus, für eine absolute Mehrheit sind mindestens 326 Sitze nötig. Wenn sie diese tatsächlich einbüßen, könnten sie versuchen, eine Koalition zu bilden oder eine Minderheitsregierung zu stellen.

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Die britischen Liberaldemokraten schlossen unterdessen eine Koalition aus. "Wir bekommen eine Menge Anrufe, um ganz klar zu sein: Keine Koalition, keine Deals", hieß es auf der Twitter-Seite der Liberaldemokraten. Dagegen zeigte sich die Partei der nordirischen Protestanten der DUP (Democratic Unionist Party) zu Koalitionsverhandlungen mit den Konservativen bereit. Das deutete der DUP-Politiker Jeffrey Donaldson an. "Natürlich werden wir mit ihnen (den Konservativen) über ihren Wunsch sprechen, eine Regierung zu bilden", sagte Donaldson.

Eine Koalitionsregierung gab es in der britischen Nachkriegsgeschichte bislang erst einmal: Von 2010 bis 2015 schlossen sich die Tories unter Mays Amtsvorgänger David Cameron mit den Liberaldemokraten zusammen. In Großbritannien üblicher ist eine Minderheitsregierung. Angesichts der bevorstehenden Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens wäre es allerdings riskant, wenn die Regierung sich wechselnde Mehrheiten suchen müsste.

May: Land braucht Stabilität

May sagte am frühen Morgen zunächst nur, sie wisse, dass das Land eine Periode der Stabilität brauche. Wenn die Prognosen richtig seien und ihre Konservativen die meisten Stimmen gewinnen würden, würden die Tories Stabilität liefern. Labour könnte ebenfalls auf Partnersuche gehen und versuchen, eine Mehrheit zu schmieden. Sie könnte mit den schottischen Nationalisten und den Liberaldemokraten paktieren. Diese haben sich gegen einen Brexit ausgesprochen. Damit wäre auch nicht ausgeschlossen, dass es ein zweites Referendum zu dieser Frage gibt. 

Das britische Pfund gab nach Bekanntgabe der Prognose zum Dollar um bis zu zwei Prozent nach. Der Aktienmarkt-Future deutete auf fallende Kurse in London zu Handelsbeginn hin.

"Sehr große Erschwernisse für Brexit-Verhandlungen"

Der frühere Finanzminister George Osborne sagte, die Prognose sei für May "komplett katastrophal". Das tatsächliche Ergebnis muss allerdings nicht unbedingt der Prognose entsprechen, da diese in der Vergangenheit den Ausgang nicht immer korrekt wiedergab. Labour käme der Prognose zufolge auf 266 Abgeordnete im neuen Parlament, die schottischen Nationalisten der SNP auf 34 und die Liberaldemokraten auf 14 Sitze. Dazu kämen drei Sitze für die walisischen Nationalisten und ein Sitz für die Grünen. Am frühen Freitagmorgen waren 550 der 650 Sitze ausgezählt. Bei dem Zwischenstand kamen die Tories auf 256 Abgeordnete und Labour auf 231.

May hatte im April überraschend die Neuwahl angekündigt. Zu dem Zeitpunkt hatten die Konservativen in Umfragen einen Vorsprung auf Labour von etwa 20 Prozent. Die letzten Umfragen vor der Wahl hatten zwar auf einen geringeren Vorsprung hingedeutet, allerdings nicht auf einen Verlust der absoluten Mehrheit. Regulär hätte in Großbritannien erst 2020 gewählt werden müssen.

Elmar Brok, Brexit-Beauftragter der EVP im Europaparlament, sagte unmittelbar nach der ersten Prognose im ZDF, er erwarte bei einem solchen Ausgang erschwerte Brexit-Gespräche. "Dieses Ergebnis bedeutet, dass überhaupt keiner Kompromisse machen kann, Das wird für die Brexit-Verhandlungen sehr große Erschwernisse mitbringen." Ab Freitag werde es zudem bei den Konservativen einen heftigen Kampf um Mays Nachfolge geben.

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Quelle: n-tv.de, ghö/jve/dpa/rts

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