Politik

Massen-Downloads von Dating-App Trump-Anhänger strömen zu Parlor

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Parler oder Parlor: Hat natürlich alles irgendwie mit Sprechen zu tun.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Buchstabe kann einen wichtigen Unterschied machen: Auf der Suche nach der bei Rechten beliebten App Parler, laden Nutzer vermehrt die zehn Jahre alte App Parlor herunter. Doch Randale lassen sich damit wohl nicht planen - das Tool funktioniert wie eine Dating-Plattform.

Der Bann von Google, Apple und Amazon gegen die von Rechtsradikalen genutzte App Parler verhilft einer anderen Plattform zu unverhofften Download-Rekorden: Die "Social Talking App" Parlor schnellte an die Spitze der App-Charts in den USA. Zwischenzeitlich lag die App in den Stores von Google und Apple sogar auf Platz 2, wie Screenshots auf Twitter zeigen. Das ist aber wohl ein Missverständnis: Nutzer, die mutmaßlich auf der Suche nach "Parler" sind, laden wohl reihenweise versehentlich "Parlor" herunter und katapultieren die App so in die Bestenliste.

Die App soll Fremde vernetzen, damit diese über "verschiedene Themen" sprechen können. Die nach Aussage der Entwickler seit etwa zehn Jahren existierende App Parlor bringt Nutzer per Zufall mit Fremden ins Gespräch zu verschiedensten Themen. Das Prinzip ähnelt dem einer Dating-App. Laut Sensor Tower hatte Parlor bis Dezember 2020 lediglich 40.000 Downloads, wie die Tech-Plattform Futurzone.at schrieb. Die Webseite - ohne Impressum oder Informationen über den Entwickler - verrate nur wenig über die App, sie werde sowohl im App-Store (2,6) als auch Googles Play Store (2,9) sehr schlecht bewertet.

Amazon zieht den Stecker: Parler offline

Der Online-Dienst Parler war bereits am Montag nicht mehr erreichbar, nachdem Amazon als technischer Dienstleister die Zusammenarbeit eingestellt hatte. Der weltgrößte Online-Händler ist auch ein führender Anbieter von Infrastruktur im Netz, auf die viele Startups und etablierte Unternehmen zurückgreifen. Parler bezeichnete sich als auf Redefreiheit fokussierte Online-Plattform. In der Realität war es eine Art Twitter, wo alles erlaubt ist. Die noch verhältnismäßig kleine Plattform verzichtete auf jegliche Regulierung von Inhalten und unternahm damit auch nichts gegen Hassrede, Drohungen und die Verbreitung falscher Informationen.

Angesichts eines zunehmend härteren Vorgehens von Twitter und Facebook gegen Gewaltaufrufe und Verschwörungstheorien wanderten zuletzt zunehmend Anhänger des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump zu Parler ab. Doch nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington wurde die Luft für das neue Online-Netzwerk dünner. Apple und Google verbannten die Parler-App unter Hinweis auf die fehlende Inhalte-Regulierung aus ihren App-Stores. Sie konnte damit nicht mehr neu auf die Smartphones geladen werden, funktionierte aber noch.

Da sich Parler aber auf die Cloud-Server von Amazon verließ, fiel mit dem Abgang des Dienstleisters auch der Dienst aus. Firmenchef John Matze hatte bereits am Sonntag gesagt, dass die Plattform für mindestens eine Woche ausfallen werde. Unklar ist allerdings, ob sich Anbieter finden, die Parler als Kunde haben wollen.

Merkel kritisiert dauerhafte Sperre

Trumps Accounts bei Twitter und Facebook waren nach dem Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol in Washington bis auf Weiteres gesperrt worden. Die Plattformen verweisen auf das Risiko, dass der Präsident mit seinen Äußerungen weitere Gewalt anzetteln könne. Personen in Trumps Umfeld hatten Parler immer wieder als Alternative zu Twitter oder Facebook beworben, die angeblich konservative Ansichten unterdrückten.

An den Maßnahmen der Plattformen gibt es auch Kritik: Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die Sperrung des Twitter-Kontos von Trump für problematisch. In das Grundrecht auf Meinungsfreiheit könne nur eingegriffen werden "innerhalb des Rahmens, den der Gesetzgeber definiert, nicht nach dem Beschluss der Unternehmensführung von Social-Media-Plattformen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Quelle: ntv.de, mau