Politik

"Will nichts mit ihnen zu tun haben" Trump distanziert sich von Rassisten

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Trump-Empfang zum Interview bei der "New York Times". Den künftigen Präsidenten und die Zeitung verbinden eine lange gegenseitige Abneigung und mehrere Prozesse.

(Foto: REUTERS)

Rechte Extremisten erhalten in den USA Auftrieb. Gewalttaten gegen Minderheiten nehmen zu. Im Wahlkampf will sich Trump nicht von radikalen Rassisten distanzieren. Nachdem Neonazis seinen Sieg mit "Heil Trump" feiern, äußert er sich erstmals.

Der designierte US-Präsident Donald Trump bestreitet, rechte Gruppierungen in den USA zu unterstützen. "Ich gebe ihnen keinen Auftrieb und ich will mit ihnen nichts zu tun haben", sagte Trump in einem Interview der "New York Times". Es war das erste Mal, dass er das Thema nach seinem Wahlsieg offen angesprochen hat. Bürgerrechtler zeigten sich von seinen Worten allerdings nicht sehr überzeugt. 

Trump verteidigte auch seinen künftigen Strategiechef im Weißen Haus, Stephen Bannon, gegen Kritik, dieser sei ein Rassist. "Wenn er Rassist oder ein Rechter oder was auch immer in dieser Richtung wäre, würde ich überhaupt nicht darüber nachdenken, ihn zu beschäftigen." Die Ernennung des radikalen Provokateurs war von vielen Seiten kritisiert worden.

Nach einer Konferenz von Neonazis am Wochenende in Washington gefragt, sagte Trump, er verdamme das und wolle nichts damit zu tun haben. Bei dem Treffen hatten Anwesende den Hitlergruß gezeigt und "Heil Trump" gerufen, wie Videoaufzeichnungen belegen. Falls diese Gruppe jüngst Auftrieb erhalten haben sollte, werde er sich das genauer anschauen "und herausfinden, warum", sagte Trump weiter.

Bürgerrechtler: Trump tut, als hätte er keine Ahnung

Die Bürgerrechtsorganisation "Southern Poverty Law Center" verzeichnete in den Tagen nach der Wahl einen deutlichen Anstieg von Übergriffen gegen Einwanderer, Muslime, Schwarze und andere Gruppen. Der Präsident der Organisation, Richard Cohen, erklärte am Dienstag: "Während seines Wahlkampfes hat Herr Trump vorgegeben, er wisse rein gar nichts über den langjährigen Rassisten David Duke. Jetzt tut er so, als habe er keine Ahnung, wieso seine Wahl eine neue Verkörperung weißer Nationalisten hervorgebracht hat, die sogenannte Alt-Right-Bewegung."

Die Gründe dafür seien aber offensichtlich, fügte Cohen hinzu. "Er hat von Beginn an ihren Ton getroffen, als er seine Kandidatur bekannt gab und mexikanische Einwanderer Vergewaltiger nannte."

Dem Interview mit der "New York Times" war ein heftiger Streit zwischen Trump und Vertretern mehrerer US-Zeitungen und Fernsehsender vorausgegangen. Vor allem den Fernsehsender CNN soll Trump wüst beschimpft haben. Einen ersten Termin zum Interview mit der "Times" sagte Trump kurzfristig per Twitter ab und warf der Zeitung vor, in letzter Minute die Bedingungen für das Treffen geändert zu haben - was diese bestreitet. Die "New York Times" hatte im Wahlkampf offen Trumps Konkurrentin Hillary Clinton unterstützt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa