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Gespräche mit den Taliban Trump lässt 8600 US-Soldaten in Afghanistan

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Derzeit sind in Afghanistan etwa 14.000 US-Soldaten stationiert - das soll sich möglichst bald ändern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zukunft Afghanistans entscheidet sich in Katar. Dort sitzen derzeit Delegationen der USA und der Taliban zusammen und beraten ein Friedensabkommen. US-Präsident Trump prescht nun mit einem ersten Ergebnis aus den Verhandlungen vor.

US-Präsident Donald Trump will nach einem Friedensabkommen mit den radikalislamischen Taliban zunächst weiterhin 8600 US-Soldaten in Afghanistan stationiert lassen. Die Truppenpräsenz solle nach dem anvisierten Abkommen zunächst auf diese Zahl reduziert werden, danach werde weiter gesehen, sagte Trump in einem Interview mit dem Radionetzwerk von Fox News. Derzeit sind in Afghanistan etwa 14.000 US-Soldaten stationiert.

Der Präsident betonte, er werde nicht den gleichen Fehler machen wie die vorherige US-Regierung im Irak und die Truppen komplett abziehen. Die USA würden immer eine gewisse Truppenpräsenz in Afghanistan behalten, um terroristische Gefahren einzudämmen. Beobachter waren bislang davon ausgegangen, dass Trump vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 die meisten der in Afghanistan stationierten Soldaten abziehen und damit ein Versprechen des vergangenen Wahlkampfes erfüllen wolle.

Der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham, der große Nähe und viel Zugang zum Präsidenten hat, hatte Trump am Sonntag aufgerufen, die Truppenpräsenz in Afghanistan nicht auf weniger als 8600 zu reduzieren. Andernfalls drohten desaströse Konsequenzen.

Taliban sehen Fortschritte

Am Mittwoch hatten die radikalislamischen Taliban mitgeteilt, dass sie die Gespräche mit den USA über eine Friedensvereinbarung kurz vor dem Ziel sehen. "Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Wir stehen kurz vor einem Abkommen", teilte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid mit.

Bereits am Dienstag war seitens der Taliban von Fortschritten in den Verhandlungen gesprochen worden. Es würden nun die "restlichen Punkte" geklärt, sagte Sprecher Suhail Schahin nach Gesprächen mit der US-Delegation in der katarischen Hauptstadt Doha. Anschließend könne ein Abkommen geschlossen werden.

Die USA und die Taliban verhandeln seit Juli 2018 über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Rückzugsort für Terroristen wird. Die Gespräche sollen in innerafghanische Friedensgespräche münden. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, mit der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Auch ein Waffenstillstand ist Thema.

Gefechte im Land dauern an

Die mittlerweile neunte Gesprächsrunde im Golfemirat Katar, wo die Taliban ein halboffizielles politisches Büro betreiben, hatte am vergangenen Donnerstag begonnen. Kurz vor Gesprächsbeginn hatte der US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad angekündigt, man werde versuchen, die verbliebenen Themen nun abzuschließen. "Wir sind bereit. Lasst uns sehen, ob die Taliban auch bereit sind."

Khalilzad plant nach den Gesprächen in Doha nach Kabul zu reisen, um die afghanische Regierung über die Ergebnisse zu informieren. Bereits bei der vorangegangenen Gesprächsrunde Anfang bis Mitte August hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, bald zu einer Einigung zu kommen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte beide Seiten dazu auf, in das Abkommen Vereinbarungen zu Menschenrechtsfragen aufzunehmen. Das Abkommen dürfe die "Stimmen der Opfer" nicht übergehen und müsse ihren Forderungen nach "Gerechtigkeit und Rechenschaft für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und andere ernsthafte Menschenrechtsverletzungen" Genüge tun.

Die Gefechte im Land gehen derweil weiter. Bei einem Überfall von Taliban-Kämpfern auf einen Kontrollposten in der westlichen Provinz Herat in der Nacht zu Mittwoch wurden Behördenvertretern zufolge mindestens 14 Sicherheitskräfte getötet. In der südlichen Provinzhauptstadt Kandahar wurden am Mittwochmorgen zwei Polizistinnen von Taliban-Kämpfern auf ihrem Weg zur Arbeit erschossen.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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