Politik

Varoufakis-Nachfolger Tsakalotos soll die Gläubiger beschwichtigen

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Der neue Mann für die griechischen Finanzen heißt Euklidis Tsakalotos. Er wurde nach dem antiken griechischen Mathematiker Euklid benannt.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der neue Chef im griechischen Finanzministerium steht fest. Anders als sein Vorgänger hat Euklidis Tsakalotos mit Starallüren wenig im Sinn. Doch der alte und der neue Finanzminister haben auch einiges gemeinsam.

Euklidis Tsakalotos unterscheidet sich von seinem Vorgänger, dem schillernden Finanzminister Yanis Varoufakis, nicht nur durch seine weniger auftrumpfende, eher ruhige Art. Im Gegensatz zum parteilosen Varoufakis ist er auch Mitglied der regierenden Syriza-Partei und gehört sogar ihrem Zentralkomitee an. Ob der 55-Jährige auch finanzpolitisch andere Akzente als sein Vorgänger setzen wird, bleibt abzuwarten: Manche halten Tsakalotos für radikaler, andere für gemäßigter als Varoufakis.

Der alte und der neue Finanzminister haben einiges gemeinsam. Beide haben reiche Elternhäuser, besuchten international renommierte Universitäten und wurden Wirtschaftsprofessoren. Varoufakis ist Jahrgang 1961, sein Nachfolger wurde 1960 geboren. Beider volkswirtschaftlicher Standpunkt wird bisweilen als "John Maynard Keynes mit einer Prise Karl Marx" beschrieben.

Tsakalotos hat sich den Kampf gegen Steuerbetrug und Bestechung sowie für bessere Verwaltungsstrukturen auf die Fahnen geschrieben. Er erstellte unter anderem Studien gemeinsam mit Yannis Stournaras. Dieser war Finanzminister in der Vorgängerregierung des konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras und leitet heute die griechische Zentralbank. Außerdem holte Stournaras im Jahr 2000 Varoufakis an die Athener Universität Athen.

Tsakalotos war im Varoufakis-Team

Der in Rotterdam geborene Tsakalotos studierte Wirtschaft, Politik und Philosophie an den Universitäten Oxford und Sussex. Von 1990 bis 1993 lehrte er Ökonomie an der britischen Universität Kent, danach bis 2010 an der Athener Wirtschaftsuniversität. Im Mai 2012 wurde Tsakalotos für den Wahlkreis Athen 2 ins Parlament gewählt, ebenso bei den folgenden Parlamentswahlen im Juni 2012 und Januar 2015.

Mit dem Syriza-Wahlsieg am 25. Januar wurde Tsakalotos, der nach dem antiken griechischen Mathematiker Euklid benannt wurde, stellvertretender griechischer Außenminister - zuständig für internationale Wirtschaftsbeziehungen. Ende April bildete Regierungschef Alexis Tsipras dann sein von Varoufakis geleitetes Team für die Verhandlungen mit den Gläubigern um. Er beließ Varoufakis im Amt, ernannte Tsakalotos aber zum "Koordinator" der schwierigen Gespräche. Internationale Medien sprachen daraufhin von einer Zurückstufung oder gar Entmachtung von Varoufakis.

Diese Interpretation wurde von Varoufakis entschieden zurückgewiesen. Der bei den Gläubigern zunehmend unbeliebte Finanzminister sah darin einen weiteren "Beweis für niedrige journalistische Standards". Varoufakis fügte hinzu, er werde zwar von verschiedenen Regierungsmitgliedern wie Tsakalotos unterstützt, gebe aber weiterhin den Ton an.

Varoufakis wollte Tsakalatos

Am Montag nun gab Varoufakis überraschend seinen Rücktritt bekannt - wenige Stunden nach dem Volksentscheid, bei dem gut 61 Prozent der Griechen entsprechend dem Wunsch der Regierung gegen die Forderungen der internationalen Gläubiger votierten. Beim Verlassen seines Ministeriums rief Varoufakis den wartenden Journalisten zu, er hoffe dass Tsakalotos sein Nachfolger werde. Wenige Stunden später wurde die Berufung von Tsakalatos dann offiziell verkündet. Damit möchte Regierungschef Tsipras den internationalen Gläubigern möglicherweise signalisieren, dass sie es künftig mit einem umgänglicheren Finanzminister zu tun bekommen.

Auch Tsakalotos wirft den Gläubigerinstitutionen allerdings vor, mitverantwortlich für anhaltende Steuerhinterziehungen zu sein. Denn diese hätten niemals erklärt, dass Athen kein Geld mehr bekomme, wenn es die Reichen nicht besteuere. Stattdessen hätten die Gläubiger die Position vertreten, Voraussetzung für die Auszahlung der ausstehenden Kredittranche sei, dass die griechische Regierung die Renten kürze.

Während Varoufakis - auch in Kleidungsfragen - einen lässig-provokanten Stil pflegt, hat Tsakalotos mit Starallüren nichts im Sinn. Doch auf Varoufakis' Motorrad waren die beiden verschiedentlich gemeinsam unterwegs. Und die Vorliebe seines Vorgängers für farbenfrohe Rucksäcke teilt der neue Ressortchef auch.

Quelle: n-tv.de, John Hadoulis, AFP

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