US-Wahl 2020

Wie Biden Präsident werden kann Auf diese Staaten sollten Sie achten

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Noch am Wahltag warb Joe Biden um Wählerstimmen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor vier Jahren dauerte es bis ungefähr 8.30 Uhr MEZ am Mittwochmorgen. Mehrere US-Medien meldeten zu diesem Zeitpunkt, dass Donald Trump auch Wisconsin gewonnen hatte. Die Stimmen der zehn Wahlmänner und -frauen dieses Bundesstaats schoben ihn über die magische Grenze von 270 Wahlleuten im sogenannten Electoral College. Kurz danach stand Trump auf einer Bühne in New York und verkündete seinen Sieg.

Dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen auch in diesem Jahr so früh feststeht, gilt als unwahrscheinlich. Spannend dürfte die Wahlnacht dennoch werden. Hier eine Übersicht, welche Ergebnisse wann erwartet werden - und welche Bundesstaaten besonders wichtig sind.

Also, welche Staaten sind besonders wichtig?

In Deutschland ist meist von den "Swing States" die Rede, in US-Medien eher von den "battleground states" - also jenen Staaten, die Schauplatz der härtesten Kämpfe zwischen den Präsidentschaftskandidaten sind, weil sich der Wahlkampf dort noch lohnt. So wäre beispielsweise ein Auftritt von Joe Biden oder Donald Trump in Kalifornien oder Arkansas eine Verschwendung von Zeit und Geld gewesen, denn in beiden Staaten steht die Entscheidung fest: Kalifornien hat seit 1992 den demokratischen Kandidaten mit immer deutlicheren Mehrheiten gewählt, in Arkansas ist die republikanische Linie seit zwanzig Jahren ungebrochen, ebenfalls mit einem immer größeren Abstand.

Sekunde - wie war das noch mit den Wahlmännern und Wahlfrauen?

Der Präsident der USA wird nicht direkt gewählt, sondern von den Wahlleuten. Sie sind es, die heute in den einzelnen Bundesstaaten vom Volk gewählt werden. Sieger ist, wer mindestens 270 dieser Wahlleute auf seiner Seite hat. Wie viele Wahlmänner und -frauen ein Staat zu vergeben hat, hängt von der Größe ab. In fast allen Bundesstaaten fallen alle Wahlleute an den, der die meisten Stimmen bekommen hat. Das kann dazu führen, dass ein Kandidat gewinnt, der landesweit nicht die meisten Stimmen hat. Denn die Zahl der Gesamtstimmen ist irrelevant für den Wahlsieg.

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Und welche Staaten sind "Swing States"?

Dem Wahlportal 270toWin zufolge ist das Rennen in folgenden acht Staaten besonders eng (mit ansteigender Wahrscheinlichkeit in Richtung eines Biden-Sieges): Iowa, Texas, Ohio, North Carolina, Georgia, Florida, Arizona, Pennsylvania. Wisconsin ist in dieser Liste schon gar nicht mehr dabei; 270toWin kalkuliert die Chance, dass Trump dort gewinnt, auf 52 zu 44 Prozent. Die Statistikexperten von Fivethirtyeight rechnen zusätzlich noch Nevada zu den Swing States.

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Moment: Arizona, Georgia, Texas? Sind das nicht republikanische Staaten?

Ja, richtig. Texas beispielsweise wählt zwar seit 1980 durchgehend Republikaner ins Weiße Haus. Aber der Trend geht in Richtung der Demokraten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Zusammensetzung der Wählerschaft verändert. Während vor zwanzig Jahren noch 62 Prozent der Wähler in Texas weiß waren, sind es heute nur noch 50 Prozent. Übertrieben wahrscheinlich ist es auch nicht, dass Biden die 38 Stimmen der Wahlleute aus Texas gewinnt - aber immerhin sieht 270toWin seine Chance im "Lone Star State" bei 47 Prozent. In Georgia (wo seit 1996 durchgehend republikanische Präsidentschaftskandidaten gewählt wurden) und Arizona (seit dem Jahr 2000) sogar 49 Prozent.

Was bedeuten diese Zahlen?

Das sind nur Wahrscheinlichkeiten. Genaueres wissen wir erst, wenn die Stimmen ausgezählt wurden. Aber diese Zahlen deuten an, dass es in einigen wichtigen Bundesstaaten Verschiebungen gibt, von denen die Demokraten profitieren könnten. Anders gesagt: Natürlich ist es möglich, dass Donald Trump die Wahl gewinnt. Aber sein Weg zum Wahlsieg ist steiniger als der von Joe Biden.

Wann wissen wir mehr?

In Indiana und Kentucky schließen die ersten Wahllokale bereits um 0 Uhr. Alaska macht traditionell sieben Stunden später den Sack zu. Aber diese drei Staaten werden die Wahl nicht entscheiden. Hier daher nur die Schließzeiten der Swing States:

  • Mittwoch, 1.00 Uhr morgens MEZ: Georgia und zwei Wahlbezirke in Florida
  • 1.30 Uhr: North Carolina und Ohio
  • 2.00 Uhr: der Rest von Florida, Pennsylvania, sowie zwei Wahlbezirke in Texas
  • 3.00 Uhr: Arizona und der Rest von Texas, auch Wisconsin, Michigan und Minnesota - drei Staaten, die in der Wahlschlange der Wahrscheinlichkeiten von Fivethirtyeight direkt hinter Nevada kommen
  • 4.00 Uhr: Iowa und Nevada

Aber um 4.00 Uhr ist noch nicht alles klar, oder?

Nein. Das liegt vor allem an den Briefwahlstimmen, von denen es in diesem Jahr so viele gab wie nie zuvor. Schon vor Beginn des eigentlichen Wahltages hatten so viele US-Bürger ihre Stimme abgegeben, dass bereits 70 Prozent der Wahlbeteiligung von 2016 erreicht ist.

Dazu kommt, dass das Wahlrecht in einigen Staaten untersagt, die Briefwahlstimmen vor dem 3. November auszuzählen. In Pennsylvania etwa wird es vermutlich erst Ende der Woche ein Ergebnis geben. Es ist möglich, dass ohne die Wahlleute aus diesem Staat nicht klar ist, wer die Wahl gewonnen hat. Deshalb könnte sich auch das Ergebnis insgesamt verzögern.

Wegen der vielen älteren Wähler in Florida ist man dort daran gewöhnt, mit Briefwahlstimmen umzugehen, und hat - anders als etwa in Pennsylvania - auch Regeln, die den Prozess nicht unnötig verkomplizieren. Wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale sollten hier erste Ergebnisse vorliegen. Die Faustregel des heutigen Tages besagt: Gewinnt Biden Florida, ist er damit auf der Siegerstraße und kaum noch zu stoppen. Gewinnt Trump dort, bleibt er lediglich im Spiel. Der Staat bringt also keine Vorentscheidung, kann aber doch ein wichtiges Signal sein. Vor vier Jahren kam das Ergebnis aus Florida gegen 5 Uhr morgens MEZ.

Auch Georgia sollte relativ schnell Ergebnisse liefern, und auch diesen Staat sollte Trump gewinnen, wenn er im Weißen Haus bleiben will. (Eine Übersicht, wann in welchem Staat Ergebnisse erwartet werden, finden Sie hier.)

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Konkret: Wie sähe Trumps Weg zum Sieg aus?

Wenn Trump alle Staaten gewinnt, die ihm derzeit sicher oder wenigstens relativ sicher sind, hat er 125 Wahlleute. Da fehlen noch 145 Stimmen.

Trumps wahrscheinlichstes Szenario sieht so aus: Zusätzlich zu den 125 Wahlleuten gewinnt er Florida (29 Wahlleute), Georgia (16), Texas (38), Ohio (18) und Arizona (11). Dann hätte er 237 Wahlleute - fehlen noch 33. Dazu müssten also noch Pennsylvania (20), Iowa (6) und North Carolina (15) kommen. Auf Iowa könnte er verzichten, nicht jedoch auf die anderen beiden Staaten. Am Ende dürfte es für Trump an Pennsylvania hängen.

Und bei Biden?

Biden hat es leichter: Er hat 258 Wahlleute so gut wie sicher, ihm fehlen also nur 12. Das wäre etwa Florida (29), North Carolina (15), Ohio (18), Texas (38), Pennsylvania (20) oder auch Iowa (6) plus Arizona (11).

Biden muss die Staaten der "Blauen Wand" ("blue wall") gewinnen, also die Bundesstaaten, die traditionell demokratisch (Parteifarbe Blau) wählten, bis Trump 2016 in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania knapp die Stimmenmehrheit eroberte. Zumindest in Wisconsin und Michigan ist Biden in den Umfragen der klare Favorit.

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Kann denn alles ganz anders kommen?

Selbstverständlich.

Quelle: ntv.de