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"Nutzlos, tragisch, vermeidbar" USA beklagen Tod eines Häftlings in Ägypten

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Die Menschenrechtslage der in Ägypten inhaftierten US-Bürger bereitet Washington Sorgen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weil er an regierungskritischen Protesten in Kairo teilgenommen haben soll, wird ein ägyptisch-stämmiger US-Amerikaner zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Sechs Jahre später stirbt der schwer kranke Mann in einem Gefängnis. Die Regierung in Washington ist entsetzt.

Nach sechs Jahren in Haft ist ein US-Amerikaner in einem ägyptischen Gefängnis gestorben. Der für den Nahen Osten zuständige Staatssekretär im US-Außenministerium, David Schenker, äußerte "ernsthafte Bedenken" über die Menschenrechtslage in Ägypten. Der Tod von Mustafa Kassem sei "nutzlos, tragisch und vermeidbar" gewesen.

Der ägyptisch-stämmige Kassem war 2013 nach der Machtübernahme durch das Militär in Kairo bei einer Razzia gegen regierungskritische Demonstranten verhaftet worden. Der Taxifahrer aus New York bestritt stets, an den Protesten gegen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi teilgenommen zu haben. Im September 2018 war er dennoch zusammen mit mehr als 700 weiteren Personen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

In einem Artikel für die "New York Times" beschrieb sein Schwager die Haftbedingungen als "unmenschlich" und nannte den Gerichtsprozess eine "Farce". Der 64-jährige Kassem befand sich seit Ende 2018 im Hungerstreik, zuletzt nahm er auch keine Flüssigkeiten mehr zu sich. Das ägyptische Innenministerium erklärte, Kassem sei zur Diabetes-Behandlung in die Krankenstation des Gefängnisses verlegt worden. "Sein Zustand hat sich verschlechtert und er ist am 13. Januar gestorben", hieß es weiter.

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US-Staatssekretär David Schenker

Der Tod von Mustafa Kassem war nutzlos, tragisch und vermeidbar.

(Foto: AP)

Die Menschenrechtsorganisationen Pretrial Rights International und Freedom Initiative erklärten, gegen Kassem habe nie ein "individualisierter Beweis" vorgelegen. Demnach starb der Diabetiker außerdem möglicherweise an Herzversagen.

"Ägypten ist heute eine Militärdiktatur"

US-Diplomat Schenker sprach der Familie des Verstorbenen sein Beileid aus. Das US-Außenministerium werde weiterhin bei jeder Gelegenheit seine "großen Sorgen angesichts der Menschenrechtslage" in Ägypten und der dort inhaftierten US-Bürger deutlich machen, betonte der Diplomat. Zu konkreten Konsequenzen äußerte sich Schenker indes nicht. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ist im Kampf gegen Islamisten in Nordafrika eng mit dem autoritär regierenden al-Sisi verbündet.

US-Vizepräsident Mike Pence hatte allerdings die Lage mehrerer inhaftierter US-Bürger in Ägypten bei Treffen in dem nordafrikanischen Land in der Vergangenheit angesprochen. Nach Angaben des US-Kongress befinden sich mindestens 15 US-Bürger in ägyptischer Haft. Der demokratische Senator Patrick Leahy äußerte sich schockiert nach Bekanntwerden des Todes: "Das ist eine monumentale, nicht zu verzeihende Farce, für die Präsident Sisi persönlich verantwortlich ist", erklärte der US-Senator. "Ägypten ist heute eine Militärdiktatur."

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP