Politik

Republikaner in der Falle Und am Ende reden wieder alle über Trump

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Donald Trump könnte zum Fluch für die Republikaner werden.

(Foto: AP)

Die Republikaner haben die Wahl aus über einem Dutzend Anwärter für das Präsidentenamt. Doch egal wie sie sich entscheiden, es wird auf Donald Trump ankommen. Dafür sorgt der Milliardär mit einem taktischen Coup im TV-Duell.

Es stehen zehn republikanische Aspiranten auf die US-Präsidentschaftskandidatur im Fox-Studio in Cleveland. Doch am Ende reden wieder alle nur über einen: Donald Trump. Der Milliardär bestimmt die Debatte der Kandidaten mit deftigen Sprüchen. Von mexikanischen Einwanderern, über die politische Klasse bis hin zu Kritikern, die ihm Frauenfeindlichkeit vorhalten - The Donald serviert sie alle ab.

Die Reaktionen in den US-Medien sind daher einhellig: Auf seine eigene skurrile Art ist Donald Trump der Sieger dieses TV-Duells. "Der Milliardär lieferte einen unvergesslich-explosiven Auftritt", kommentiert der Fox-Konkurrent CNN in einer ersten Bewertung. Die neun übrigen Kandidaten hätten zwischen Staunen und Amüsement über die aufbrausenden Reden des derzeitigen Umfragelieblings der republikanischen Wähler geschwankt.

Vor allem ein taktischer Schritt könnte sich für Trump noch bezahlt machen: Vor laufenden Kameras verabschiedete er sich von der Parteiräson. Sollte er bei den Vorwahlen nicht als Sieger hervorgehen, könnte er nicht ausschließen, als parteiloser Kandidat anzutreten. Das wiederum könnte die Republikaner bei der Präsidentschaftswahl den Sieg kosten. Trump würde dem Kandidaten seiner Partei unweigerlich Stimmen abnehmen - und somit unfreiwillig zum Steigbügelhalter von Hillary Clinton werden.

Hässlich und unpräsidentiell

So titelt denn auch die "Washington Post": "Trump trübt die Republikaner-Debatte". Die Ankündigung einer unabhängigen Kandidatur sei "eine Handgranate". Und die "New York Times" schreibt, die Rückeroberung der Macht nach den Republikanern verhassten acht Jahren Obama werde durch diese internen Differenzen zu einer schier unmöglichen Mission.

Mehr noch: Manche glauben, der von Trump geprägte Stil der TV-Debatte könnte allen Bewerbern schaden: "Gerade die erste Stunde der Debatte war überraschend hässlich und schrecklich unpräsidentiell", sagt Lara Brown von der George-Washington-Universität Fox News. "Die Kandidaten trafen einander und versuchten, beim Publikum zu punkten. Doch sie ließen außer Acht, dass das im Fernsehen gezeigt wurde." Vor TV-Kameras hätte ihnen jedoch mehr "Coolness" gut gestanden, ergänzt sie.

Und tatsächlich trat der Immobilientycoon nicht auf die Bremse: Mexikanische Einwanderer will er - ein schon häufig geäußerter Vorschlag - mit einer Mauer an der Südgrenze der USA abwehren. "Von mir aus kann diese Mauer eine große schöne Tür haben, durch die die Menschen legal kommen können", sagt Trump. "Aber wir müssen eine Mauer bauen, wir müssen die Illegalen draußen halten", bekräftigt er, der heftigen Kritik der vergangenen Tage zum Trotz.

Clinton kümmert sich um ihre Geldgeber

Auch in einer anderen Affäre sieht er keinen Grund, sich zu entschuldigen: Immer wieder ist ihm vorgeworfen worden, er äußere sich abfällig über Frauen. Trump gibt sich nicht einmal die Mühe, darauf einzugehen. "Ich glaube, das große Problem, das dieses Land hat, ist die politische Korrektheit". Bei ihm sei das aber anders. Und zwar ganz einfach: "Ich sage, was ich sage."

Wenn Trump spricht, dann hören sie auch bei den Demokraten ganz genau hin. Eine Spitze in Richtung seiner Konkurrentin Hillary Clinton kann er sich nicht verkneifen: Auf die Frage, was ihm Clinton dafür geboten habe, dass er ihr früher Geld gegeben hat, erzählt er: "Ich sagte ihr: 'Komm zu meiner Hochzeit.' Und sie kam zu meiner Hochzeit. Wissen Sie warum? Sie hatte keine Wahl, weil ich ihr Geld gab." Nicht bei allen dürften diese Sprüche gut ankommen.

Und Hillary Clinton? Die bemühte sich, den Eindruck zu erwecken, die TV-Debatte interessiere sie nicht. Bei einer Spendengala warb sie zur selben Zeit um Geld für ihre politischen Ziele. "Ich sehe mir das nicht an, und ich muss das auch nicht", gab sie zum Besten. Und achtete darauf, dass Sternchen Kim Kardashian und Kanye West auch ihr heiß ersehntes Selfie bekommen, das Kardashian gleich über die sozialen Kanäle verbreitete. Das It-Girl hat über 34 Millionen Follower bei Twitter, hinzu kommen fast 42 Millionen bei Instagram. Von solchen Zuschauerzahlen können Fox News und die Republikaner bei der TV-Debatte nur träumen.

 

Quelle: ntv.de, mit dpa/AFP

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