Politik

Anschlag in Jerusalem Vermummte stechen betende Israelis nieder

In Jerusalem stürmen zwei Angreifer eine Synagoge und attackieren betende Menschen mit Messern und Äxten. Mindestens sechs Menschen sterben bei dem Anschlag, den die Hamas als "heroische Tat" lobt. Israels Ministerpräsident Netanjahu kündigt Konsequenzen an.

Bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem sind mindestens sechs Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Israelische Medien berichteten, zwei mutmaßlich arabische Angreifer hätten in dem Stadtteil Har Nof die betenden Leute mit Messern und Äxten angegriffen. Sie hätten auch mit einem Revolver geschossen. Herbeigerufene Polizisten hätten die beiden nach einem kurzen Feuergefecht getötet. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. "Wir betrachten dies als terroristischen Angriff", sagte ein Polizeisprecher. Bei den Toten handele es sich um vier jüdische Betende und zwei Attentäter, erklärte er weiter. Wie am Nachmittag bekannt wurde, handelte es sich bei den Opfern um drei US-Bürger und einen Briten.

Die zwei Täter stammen offenbar aus dem arabischen Ostteil der Stadt. Palästinensische Medien berichteten, es handele sich um Udai Abu Dschamal (22) und Ghassan Abu Dschamal (27). Die Cousins kämen aus dem Viertel Dschabal al-Mukaber in Ost-Jerusalem.

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Die beiden Attentäter wurden von der Polizei erschossen.

(Foto: REUTERS)

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas hat den tödlichen Anschlag als "heroische Tat" begrüßt. Hamas-Sprecher Muschir al-Masri sprach in Gaza von einer "natürlichen Reaktion". Es sei die Rache für den Tod eines arabischen Busfahrers, sagte Al-Masri. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "Hinrichtung" des Fahrers. Nach Angaben der israelischen Polizei beging der am Sonntagabend erhängt in einem Bus aufgefundene Palästinenser Selbstmord. Seine Familie beschuldigt jedoch jüdische Extremisten, hinter der Tat zu stehen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat den tödlichen Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem verurteilt. "Die palästinensische Präsidentschaft hat die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten zu jeder Zeit verurteilt. Heute verurteilen wir die Tötung von Betenden in einer Synagoge in Westjerusalem", erklärte Abbas.

Netanjahu will "mit harter Hand reagieren"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hingegen vorgeworfen, für den blutigen Anschlag in Jerusalem mitverantwortlich zu sein. Der Angriff sei "das direkte Ergebnis der Hetze von Hamas und Abu Masen (Abbas), die von der internationalen Gemeinschaft auf unverantwortliche Weise ignoriert wird", teilte Netanjahu mit. "Wir werden mit harter Hand auf den grausamen Mord an Juden reagieren, die beten wollten und die von heimtückischen Mördern getötet wurden", sagte er. Netanjahu berief für den Mittag eine Sicherheitsberatung ein.

In den vergangenen Wochen war es in Israel immer wieder zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Es gab auch eine Serie von Anschlägen auf Israelis. Ein Auslöser der Spannungen war der Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Juden und Muslimen heilig ist.

Steinmeier verurteilt Anschlag

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Gewalttat als "schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage" verurteilt. Am Rande seines Besuchs in Kiew sagte der Minister: "Ich bin zutiefst erschüttert über die Nachrichten aus Jerusalem."

Bei seinem Besuch am Wochenende in Jerusalem habe er spüren können, wie aufgeladen die Atmosphäre dort sei, sagte der Minister. Die Spannungen könnten sich schnell in Gewalt entladen, warnte er. "Ich hoffe, dass das nun auch ein lauter Weckruf ist." Steinmeier hatte am Sonntag mit der israelischen Regierung über Möglichkeiten zur Abbau von Spannungen gesprochen.

Quelle: ntv.de, fma/dpa/rts/AFP

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