Politik

RTL/ntv Trendbarometer Vertrauen in Politik wächst in Corona-Krise

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Die Deutschen schenken Angela Merkel seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Vertrauen.

(Foto: imago images/Metodi Popow)

Das Vertrauen in die politischen Institutionen ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie stark gestiegen. Vor allem Bundeskanzlerin Merkel profitiert von der Krise. Ostdeutsche und AfD-Wähler bringen der Politik deutlich weniger Vertrauen entgegen.

Das Vertrauen der Deutschen in politische Institutionen ist seit der Corona-Pandemie stark gewachsen. Das ergab ein aktuelles Trendbarometer von ntv und RTL, das von Forsa erhoben wurde. Zum Jahreswechsel 2020/21 hat demnach die Mehrheit der Deutschen Bürger (76 Prozent) großes Vertrauen in den Bundespräsidenten. Fast ebenso viele Befragte haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie Vertrauen in die Bundeskanzlerin.

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Anfang 2020 war das Ansehen der politischen Institutionen - mit Ausnahme des Bundespräsidenten - deutlich niedriger. Besonders gering war das Vertrauen mit 34 Prozent zur Bundesregierung. Die schwierige und langwierige Regierungsbildung nach der letzten Bundestagswahl 2017, der heftige Streit zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU und die andauernden Konflikte innerhalb der Großen Koalition aus Union und SPD hatten das Vertrauen in die Regierung untergraben.

Auch das Vertrauen zur Bundesregierung im Vergleich zum Jahreswechsel 2019/20 ist um 29 Prozentpunkte angestiegen, zur Bundeskanzlerin um 25 Punkte. Das Vertrauen zum Bundestag und zu den Landesregierungen ist Anfang 2021 mit jeweils 13 Prozentpunkten größer als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. In den Institutionen auf lokaler Ebene ist seit Anfang 2020 das Vertrauen zwischen 8 und 9 Prozentpunkte größer geworden.

Während der Corona-Pandemie hat sich das Vertrauen in die politischen Institutionen kaum verändert: Etwas größer geworden ist im Vergleich zwischen einer Befragung im Mai 2020 und zur Jahreswende 2020/2021 das Vertrauen zur Kanzlerin und zur Bundesregierung (plus 3 Prozentpunkte), sowie zur Landesregierung (plus 2) und zur Europäischen Union (plus 1). Die Vertrauenswerte für den Bundespräsidenten, die Bürgermeister, die Gemeinde- bzw. Stadtvertretungen, den Bundestag und die politischen Parteien sind seit Mai 2020 dagegen unverändert geblieben.

Das Anfang 2020 schon nicht allzu große Vertrauen zur Europäischen Union ist im Gegensatz zu den Vertrauenswerten für alle anderen politischen Institutionen in der Corona-Krise sogar noch etwas geringer geworden (minus 2 Prozentpunkte).

Osten hat geringeres Vertrauen als Westen

Unterschiedlich ausgeprägt ist zur Jahreswende 2020/21 das Vertrauen zu den politischen Institutionen in den alten und neuen Bundesländern. Zu allen politischen Institutionen auf Bundes-, Landes-, kommunaler und europäischer Ebene haben die Ostdeutschen geringeres Vertrauen als die Westdeutschen.

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Besonders groß ist der Unterschied beim Vertrauen zur Bundesregierung und zum Bundestag. Während im Westen zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) Vertrauen zur Bundesregierung haben, sind es in Ostdeutschland nur 51 Prozent. 57 Prozent der Westdeutschen, aber nur 38 Prozent der Ostdeutschen haben zudem Vertrauen zum Bundestag. Geringer sind die Unterschiede beim Vertrauen zur jeweiligen Landesregierung sowie zu den politischen Institutionen vor Ort.

Unterschiede im Grad des Vertrauens gibt es auch zwischen den jungen, 18- bis 29-jährigen und den alten, über 60-jährigen Bürgerinnen und Bürgern. So haben die 18- bis 29-Jährigen zum Bundespräsidenten und zur Bundeskanzlerin ein etwas geringeres Vertrauen als die über 60-Jährigen.

Das Vertrauen zur Bundesregierung unterscheidet sich zwischen beiden Altersgruppen nicht voneinander. Zu allen übrigen politischen Institutionen haben die "Jungen" größeres Vertrauen als die "Alten". Die oft zu hörende Unterstellung, die Jugend verliere das Vertrauen zur Politik, kann somit pauschal nicht bestätigt werden. Zur Europäischen Union haben die 18- bis 29-Jährigen mit 61 Prozent deutlich mehr Vertrauen als die über 60-Jährigen (32 Prozent).

Die meisten AfD-Anhänger misstrauen den Institutionen

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Extreme Unterschiede im Grad des Vertrauens gibt es zwischen den Anhängern der AfD und den Anhängern aller anderen Parteien. Im Unterschied zum Rest der Gesellschaft haben lediglich 12 Prozent der AfD-Anhänger Vertrauen zum Bundespräsidenten, 8 Prozent zur Bundeskanzlerin, 6 Prozent zur Bundesregierung und 7 Prozent zum Bundestag.

Damit bestätigt sich ein weiteres Mal, dass es keine Spaltung der Gesellschaft generell gibt, wohl aber eine tiefe Kluft zwischen der Minderheit der AfD-Anhänger und der großen Mehrheit aller anderen Bürgerinnen und Bürger. Die AfD repräsentiert demnach nicht - wie sie vorgibt - die Meinung des "Volkes", sondern nur die einer Minderheit.

Quelle: ntv.de, vmi