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Wirtschaftskrise in Griechenland "Viele Kinder gehen hungrig ins Bett"

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(Foto: REUTERS)

In Griechenland litten viele Schulkinder an Hunger, sagt Athina Linou, deren NGO landesweit kostenlose Mahlzeiten verteilt. Dass die Banken geschlossen sind, verschlimmere die Situation.

"Hier werden Kinder in der Schule ohnmächtig. Vor Hunger", sagt Athina Linou. Die Medizin-Professorin leitet die NGO Prolepis, die in ganz Griechenland Schüler im Alter zwischen sechs und 14 Jahren mit einer kostenlosen Mahlzeit am Tag versorgt – im vergangenen Schuljahr rund 23.000. "Für das nächste Schuljahr, das im September beginnt, haben wir Anträge für 150.000 Schüler", sagt sie. "Bisher haben wir allerdings nur das Geld für 8000. Es ist eine fürchterliche Situation. Was sollen wir bloß machen?", sagt Linou.

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Athina Linou sorgt sich um die Ernährung von Schulkindern.

Von 1991 bis 2012 hat die NGO im Gazastreifen und im Libanon humanitäre Hilfe geleistet – seitdem ist sie wegen der Wirtschaftskrise nur noch in ihrem Heimatland aktiv. Es sind Schulen in den ärmeren Gegenden und Stadteilen Griechenlands, die an dem Programm der NGO teilnehmen können. In rund einem Fünftel der Familien, deren Kinder auf die ausgewählten Schulen gehen, werde gehungert, sagt die Medizinerin mit Blick auf von der NGO ausgewertete Fragebögen.

Offiziell geht es der NGO nicht um die Bekämpfung von Hunger, sondern um gesunde Ernährung. Deshalb bekommen an den teilnehmenden Schulen  alle Kinder die kostenlose gesunde Mahlzeit - zusammen mit Informationen über die richtige Art der Ernährung. Eine soziale Stigmatisierung von bedürftigen Familien findet so nicht statt.

Spendenbereitschaft dürfte gering sein

In der ersten Pause wird das Essen verteilt – das kann ein Sandwich sein oder etwa Joghurt mit Honig. "Damit sind etwa 40 Prozent des täglichen Bedarfs an Kalorien und 100 Prozent an Vitaminen gedeckt", sagt Linou.

Viele Lehrer seien verzweifelt, so die Medizinerin. "Bevor ihre Schulen an dem Programm teilnahmen, haben einige Geld zusammengelegt, um Brot und Obst zu kaufen. Das haben sie dann an einen Ort abgelegt, damit hungrige Kinder sich davon nehmen können."

Dass die Banken landesweit geschlossen sind, macht Linou große Sorgen. "In so einer Situation spendet man nicht", sagt sie. "Jeder denkt doch: Habe ich morgen überhaupt genug für meine eigene Familie?" Außerdem seien gerade Schulferien. "Ich frage mich, wie viele Kinder heute hungrig ins Bett gehen."

Quelle: n-tv.de

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