Politik

Proteste wegen Jerusalem-Frage Viele Verletzte bei palästinensischen Unruhen

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In Nablus im Westjordanland liefern sich Palästinenser Zusammenstöße mit Israels Armee.

(Foto: AP)

Die gewaltsamen Proteste in Israel und den Palästinensergebieten ebben nicht ab. Erneut kommt es zu Zusammenstößen. Dutzende Menschen werden verletzt, insgesamt sterben bisher vier Menschen. Es gibt aber auch diplomatische Aktionen.

Nach israelischen Luftangriffen im Gazastreifen und Protesten im Heiligen Land ist die Zahl der getöteten Palästinenser auf vier gestiegen. Dies teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen kam es erneut zu Unruhen und Protesten gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA.

Bei Zusammenstößen zwischen jugendlichen palästinensischen Steinewerfern und israelischen Soldaten setzte die Armee Tränengas, Gummigeschosse und teilweise auch echte Munition ein. Mindestens 92 Menschen wurden nach Angaben des palästinensischen Rettungsdienstes Roter Halbmond verletzt, unter anderem in Bethlehem. Die israelische Polizei meldete vier verletzte Polizisten. 13 Palästinenser wurden festgenommen. Bereits am Freitag waren bei Unruhen nach palästinensischen Angaben zwei Menschen getötet worden.

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen wurden nun in der Nacht zwei weitere Menschen getötet und 15 verletzt. Unter den Verletzten befinde sich auch ein sechs Monate altes Baby, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Die beiden Toten waren Mitglieder der radikal-islamischen Hamas, wie die Organisation mitteilte. Israels Luftwaffe reagierte mit dem Beschuss auf Raketenangriffe aus der Küstenenklave.

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In Gaza-Stadt verbrennen Demonstranten eine Fahne Israels.

(Foto: dpa)

Die Hamas rief die Palästinenser wegen der US-Entscheidung erneut zu einem Aufstand (Intifada) gegen Israel auf. Die für Sonntag angekündigte Übergabe der Kontrolle des Gazastreifens an die gemäßigte Palästinenserbehörde Fatah von Präsident Mahmud Abbas könnte sich weiter verzögern. Zunächst gab es von der Autonomiebehörde keine Informationen über einen möglichen Zeitplan. Die noch im Gazastreifen herrschende Hamas nannte erneut Sonntag als geplanten Tag der Übergabe, gab aber keine weiteren Details bekannt.

Treffen mit Pence abgesagt

Trump rief angesichts der Unruhen zu "Ruhe und Mäßigung" auf. Das sagte sein Sprecher Raj Shah zu Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, die Trump zu einer Veranstaltung nach Florida brachte. Shah betonte, dass Trump weiterhin eine "dauerhafte Friedensvereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern" anstrebe.

Die Arabische Liga befasst sich am Abend in einer Dringlichkeitssitzung mit der umstrittenen Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Es wird erwartet, dass die Staatengemeinschaft bei ihrem Treffen in Kairo scharfe Kritik an der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels üben wird. Die Palästinenser fordern von der Liga eine deutliche Reaktion. Seine Delegation werde "die Araber und Muslime bitten, dringende Schritte gegen die Entscheidung Trumps einzuleiten", sagte der palästinensische Außenminister Riad Malki in Kairo vor dem Treffen der Staatengemeinschaft.

Trump hatte am Mittwoch entgegen internationaler Gepflogenheiten Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt, was international nicht anerkannt wird. Die Palästinenser wollen in dem von Israel annektierten Ost-Jerusalem die Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates ausrufen. Als Reaktion auf Trumps Erklärung kommt es seit Donnerstag zu Unruhen.

Aus Protest gegen die USA sagte Palästinenserpräsident Abbas zudem ein Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence ab. Die USA hätten mit ihrem einseitigen Schritt "alle roten Linien überschritten", sagte Abbas' diplomatischer Berater Madschdi al Chalidi in Ramallah. Ein führender Vertreter von Abbas' Fatah-Partei sagte, der US-Vizepräsident sei "in Palästina nicht willkommen". Auch das Oberhaupt der Kopten in Ägypten, Papst Tawadros II., wird Pence nicht mehr empfangen. Er sagte ein geplantes Treffen in Kairo ab. Mit seinem einseitigen Schritt habe Trump die "Gefühle von Millionen Arabern" ignoriert, erklärte die koptisch-orthodoxe Kirche.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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