Politik

Berlusconi und die Geldwäsche War der Verkauf des AC Mailand nur fingiert?

82697972.jpg

Auch nach seinem angeblichen Aus mischte beim AC Mailand mischte Berlusconi sich immer wieder in die Belange des Vereins ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im vergangenen Jahr verkauft der frühere italienische Ministerpräsident Berlusconi den Fußballklub AC Mailand für 740 Millionen Euro an einen chinesischen Investor. Zumindest auf dem Papier - denn es gibt Indizien, dass der aufgeblasene Deal nur ein Scheingeschäft war.

War der Verkauf des AC Mailand an den chinesischen Investor Yonghong Li nur ein Scheingeschäft? Das jedenfalls behauptet die Turiner Tageszeitung "La Stampa", die damit schwerwiegende Vorwürfe gegen den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi erhebt. Der hatte den Serie-A-Klub, bis dato im Besitz der nahezu 100-prozentigen Tochtergesellschaft von Berlusconis Holding Fininvest, im Jahr 2017 für 740 Millionen Euro an das Konsortium aus China verkauft.

Verdacht an der Rechtmäßigkeit des Geschäfts erweckte schon damals der Kaufpreis, der deutlich überhöht erschien. Insbesondere für einen Verein, der zwar eine glorreiche Geschichte hat, aber seit sechs Jahren in der italienischen Liga leer ausgeht und seit zehn Jahren keinen europäischen Wettbewerb mehr gewonnen hat. Das Rechercheteam von "La Stampa" schreibt, es bestehe der dringende Verdacht, dass es sich um eine "gigantische Schein-Operation handelt, mithilfe derer eine Riesensumme aus dem Ausland wieder nach Italien zurücktransferieren soll". Die Rede ist davon, dass der Kaufpreis um 300 Millionen Euro aufgeblasen wurde.

Staatsanwaltschaft dementiert

Im Kern geht es dabei um die Wäsche des Geldes, das Berlusconi in den vergangenen Jahrzehnten auf schwarzen Konten im Ausland geparkt haben soll - davon soll die Staatsanwaltschaft von Mailand laut Bericht überzeugt sein. Allerdings dementierte Staatsanwaltschaft Francesco Greco den Bericht umgehend: "Stand jetzt sind keine Ermittlungen bezüglich des Verkaufs des AC Mailand aufgenommen worden." La Stampa blieb indes bei der Darstellung, mit dem Verweis, dass zwei verschiedene Quellen die Untersuchung bestätigt hätten.

Laut Bericht war es das Geldwäschebüro der Banca d´Italia (UIF, Unita di informazioni finanziarie), welches die Staatsanwaltschaft auf den verdächtigen Mittelfluss nach Mailand aufmerksam gemacht hat. Die Kaufsumme für den Verein kam demzufolge vom Konto einer Firma aus Luxemburg, der "Rossoneri Sport Investment Luxembourg", die wiederum im Eigentum einer anderen Briefkastenfirma aus Luxemburg steht, der "Rossoneri Champion Investment Luxembourg", wie es ein Abgeordneter der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) in einer parlamentarischen Anfrage schrieb.

Das Geflecht der Geldflüsse beim Verkauf des AC Mailand liest sich anschließend wie ein Musterbeispiel der Verschleierung. Die Luxemburger Firmen bekamen das Geld über eine Reihe weiterer Briefkastenfirmen, immer in Finanzparadiesen angesiedelt: über die British Virgin Islands und Liechtenstein. Am Anfang der Geld-Kaskade scheint eine 2016 gegründete Firma in Hongkong zu stehen. Wer die Eigentümer dieser Firmen sind, ist derzeit vollkommen unbekannt.

Wer gibt so viel Geld aus?

Doch mit dem dubiosen Eigentümerwechsel und den damit zusammenhängenden Geldflüssen ist die Sache noch nicht getan. Seit dem Kauf des AC Mailand im April 2017 haben die geheimnisvollen Eigentümer des Clubs weitere 274 Millionen Dollar für insgesamt elf neue Spieler ausgegeben, darunter beispielsweise der Star von Juventus Turin, Leonardo Bonucci, für den Mailand eine Ablösesumme von 42 Millionen Euro bezahlt haben soll.

acdc4f7e5e85b818a67aa9e008f69bcb.jpg

Bonucci kam für 42 Millionen Euro nach Mailand.

(Foto: imago/Insidefoto)

Wer verfügt über die Mittel, in einen mittelklassigen Verein der italienischen Serie A insgesamt gut eine Milliarde Euro zu investieren? Das sind höchstens Liebhaberpreise. Dass Berlusconi etwas mit den neuen Eigentümern zu tun haben könnte, war von Beginn an der Verdacht vieler Fußball-Fans in Italien: Zu sehr mischte sich Berlusconi auch nach dem Verkauf in die Angelegenheiten seines angeblichen Ex-Vereins ein. Er verjagte den Trainer und monierte die Formation auf dem Platz - ganz wie in alten Zeiten.

Woher also kam das Geld? Ein Rechercheteam der "New York Times" machte sich in China auf die Suche nach dem angeblichen Eigentümer, dem chinesischen Investor Yonghong Li. Die Journalisten veröffentlichten das Ergebnis ihrer Recherche im November unter dem Titel "A Storied Team Under Murky Ownership", ein Team mit einer großen Geschichte in den Händen von Eigentümern im Dunkeln. Beim Lesen kam man aus dem Staunen nicht heraus. So ist der angebliche Milliardär in seinem Heimatland so gut wie unbekannt. Die vermeintlichen Firmensitze des Yanghong Li entpuppten sich als Briefkastenfirmen, als geschlossene oder leergeräumte Büros. In Mailand hatte man der Presse bei der Vorstellung des angeblich schwerreichen Investors erzählt, dass er ein Bergbau-Magnat sei, der die Guizhou Fuquan Group kontrolliere.

Investor ist ein Unbekannter

Die chinesischen Unternehmensregister aber zeichnen ein anderes Bild. Ihnen zufolge gehören die Bergwerke der Guangdong Lion Asset Management - und nicht Yanghong Li. Einer der in China offiziell registrierten Eigentümer der Bergwerke, ein gewisser Li Shangbing, soll am Telefon nur kurz zu den Reportern gesagt haben: Einen Mann namens Yonghong Li kenne er nicht.

Aktenkundig ist der Käufer des AC Mailand in China in zwei Gerichtsverfahren geworden, wie die US-Kollegen recherchiert haben. 2013 soll er zu 90.250 Dollar Strafe verurteilt worden sein, weil er den Verkauf einer Immobilie im Werte von 51,1 Millionen Dollar nicht steuerlich angegeben haben soll. Außerdem sollen Vater und Bruder von Yanghong Li im Jahre 2004 zu einer Haftstrafe verurteilt worden sein, weil sie 5000 Investoren um 68,3 Millionen Dollar betrogen haben sollen. Mit der Fassade eines schwerreichen Investors hat das wenig zu tun.

Als es um die Finanzierung ging, sollen laut "La Stampa" die amerikanischen Großbanken Bank of America / Merrill Lynch und Goldman Sachs nach eingehender Prüfung abgelehnt haben, den Deal zwischen Yonghong Li und Silvio Berlusconi abzuwickeln: "for reputational reasons". Mit anderen Worten: Der Deal stank zum Himmel und man wollte sich trotz einer fetten Provision nicht in eine undurchsichtige Operation verwickeln lassen. Am Ende machte es dann das Bankhaus Rothschild.

Holt der Skandal Berlusconi ein?

Silvio Berlusconis Anwalt Niccolo'Ghedini muss die Probleme schon geahnt haben. Kurz nach der Unterzeichnung übergab er den Steuerbehörden in Mailand Dokumente, mit denen die korrekte Abwicklung trotz der Mittelflüsse über Briefkastenfirmen in Finanzparadiese nachgewiesen werden sollte. Den Verdacht von "La Stampa" nannte Berlusconi "lächerlich und haltlos". Er vermutete, es sei Teil einer Wahlkampagne gegen ihn.

Tatsächlich kommt der Verdacht, den AC Mailand nur zum Schein an den Chinesen Yonghong Li verkauft zu haben, für Silvio Berlusconi zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sein Mitte-Rechts-Bündnis hat zwar bisher gute Chancen, die Parlamentswahlen am 4. März zu gewinnen. Der von "La Stampa" erhobene Vorwurf, eine Riesengeldwäsche über den fingierten Verkauf seines Vereins organisiert zu haben, könnte das so sicher geglaubte politische Comeback des 81-Jährigen auf den letzten Metern aber doch noch ruinieren.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.