Politik

Klatsche für Meinungsforscher Warum sprengte Trump alle Prognosen?

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Die US-Wähler haben alle Prognosen widerlegt.

(Foto: imago/UPI Photo)

Dass Hillary Clinton US-Präsidentin werden würde, bezweifelten kurz vor der Wahl nur noch die allerwenigsten. Und das lag auch an den zahlreichen Umfragen, die einen Sieg der Demokratin voraussagten. Dass sie alle falsch lagen, hat viele Gründe.

Der Schock sitzt tief nach dem völlig unerwarteten Wahlsieg von US-Republikaner Donald Trump. Sehr tief. Wie konnte es so weit kommen? Warum lagen sämtliche Prognosen derart daneben? "Fox News"-Moderatorin Megyn Kelly machte ihrem Ärger noch in der Wahlnacht vor laufender Kamera Luft. "Diese Voraussagen sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen", schimpfte sie. "Die Meinungsforscher können einpacken!" Tatsächlich gab es in den letzten Umfragen am Morgen vor der Wahl unter 17 Instituten nur ein einziges, das einen Sieg von Trump prognostizierte - mit zwei Prozentprunkten Vorsprung vor Hillary Clinton. Doch solche Prognosen sind stets mit Vorsicht zu genießen. Gerade dann, wenn zwei Kandidaten in der Wählergunst nah beieinander liegen.

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Moderatorin Megyn Kelly schäumte nach dem unerwarteten Wahlsieg.

(Foto: AP)

Um eine möglichst umfassende Einschätzung des Meinungsbildes vom Wahlvolk geben zu können, wird in den USA der Durchschnitt aller verfügbaren Umfragen errechnet. Doch das birgt auch die Gefahr einer Verzerrung. Umfragen, die Antworten von weniger als 1000 Befragten als Grundlage für ein Stimmungsbild nutzen, werden zwar berücksichtigt. Repräsentativ sind sie aber nicht. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Stichprobe bei einer Befragung ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit von ungenauen Ergebnissen. Hinzu kommt, dass keine Stichprobe völlig zufällig ist. Bei Telefonumfragen erreichen die Institute beispielsweise in der Regel den "Meinungsmacher" des Haushaltes - und der muss nicht unbedingt diejenige Partei wählen, für die auch der Rest der Familie stimmt.

Auch das Prognosen-Desaster bei der US-Wahl 1936 basierte auf solch einem verzerrten Meinungsbild. Die Zeitschrift "Literary Digest" hatte sich für seine Prognose zwar auf Aussagen von mehreren Millionen Amerikanern gestützt - und einen klaren Sieg für den republikanischen Kandidaten Alf Landon vorausgesagt, doch für die Stichprobe waren lediglich diejenigen US-Bürger ausgewählt worden, die über ihre Telefonanschlüsse und Kfz-Anmeldungen auch erreicht werden konnten. Amtsinhaber Franklin D. Roosevelt gewann damals die Wahl. Das Institut hatte schlechthin nicht beachtet, dass viele Anhänger des Demokraten kein Telefon oder Auto besaßen.

Wenn Wähler lügen

Auch die Neigung von einigen Instituten, sich bei einem zu erwartenden knappen Ergebnis auf die Meinungsumfragen der vergangenen Monate zu stützen, birgt die Gefahr einer Fehlprognose. Noch kurz vor dem Brexit-Referendum am 23. Juni hatte zum Beispiel das auf Online-Umfragen spezialisierte Institut YouGov einen Sieg des Bremain-Lagers vorhergesagt - und lag mit stolzen vier Prozentpunkten daneben. In einer Stellungnahme bedauerte der Ex-YouGov-Präsident Peter Kellner später, dass "wir die Resultate für Großbritannien schlecht vorhergesagt haben". Das sei schlecht für die Meinungsforscher und "peinlich für mich", so Kellner. Geht es darum, kurz vor einer Wahl - wenn das Interesse von Medien, Wählern und Politikern am größten ist - noch einmal Zahlen zu liefern, siegt nicht selten der Leichtsinn.

Fakt  ist aber auch: Eine Meinungsumfrage kann technisch einwandfrei durchgeführt worden sein - und dennoch eine falsche Prognose liefern, wenn die Befragten nicht die Wahrheit sagen. Gerade nach dem zurückliegenden, wohl schmutzigsten Wahlkampf der US-Geschichte waren die Gräben zwischen Demokraten und Republikanern derart tief, dass einige Wähler womöglich Hemmungen hatten, ihre Wahl gegenüber einem Interviewer zu äußern. Zudem zeigt die Vergangenheit, dass gerade unentschlossene Wähler dazu neigen, kurz vor der Wahl noch einmal ihre Meinung zu ändern. Dass die neuerlichen FBI-Ermittlungen gegen Clinton nur eine Woche vor der Wahl Einfluss auf das Endergebnis der Wahl hatten, ist deshalb nicht auszuschließen.  

Quelle: ntv.de