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Kein Ohr für Entwicklungsländer Weltklimakonferenz "auf der Kippe"?

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(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Ergebnis lässt auf sich warten. Bislang verlaufen die Verhandlungen im Rahmen der Weltklimakonferenz schleppend. Bundesumweltministerin Schulze wagt einen Vorstoß, doch für den fehlt es noch an eindeutiger Unterstützung aus Berlin.

Die Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz ziehen sich weiter in die Länge. Während die deutschen Unterhändler sich noch zuversichtlich äußerten, sahen vier große Umweltverbände die Verhandlungen von fast 200 Staaten "auf der Kippe" - und forderten Kanzlerin Angela Merkel zum Handeln auf.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller drängte auf Hilfe für weniger entwickelte und vom Klimawandel bedrohte Staaten. "Denn am Ende geht es nicht um Paragrafen, sondern um Menschenleben", sagte der CSU-Politiker.

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Bundesumweltministerin Schulze findet, die bisherigen Verhandlungsergebnisse seien eine "gute Grundlage".

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Eigentlich war ein Ende der Verhandlungen für Freitag geplant gewesen, sie sollen nun ab dem frühen Samstagmorgen fortgeführt werden. Allerdings wurden Klimaverhandlungen auch in der Vergangenheit oft verlängert. Bei dem zweiwöchigen Treffen geht es um die Regeln für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und damit die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad.

Arme und besonders vom Klimawandel betroffene Staaten beklagen fehlenden Ehrgeiz auf der Konferenz. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD hatte noch mit einem Bündnis aus Industrie- und Entwicklungsländern Nachbesserungen gefordert, sah in den vorliegenden Entwürfen aber eine "gute Grundlage". Bundesentwicklungsminister Müller stellte sich auf die Seite derer, die dringend mehr Hilfen und Klimaschutz fordern: "Wenn die Inselstaaten und am wenigsten entwickelten Länder dramatische Appelle an uns richten, weil sie ums Überleben von Millionen Menschen kämpfen, dann müssen wir handeln", sagte er.

Anliegen von Entwicklungsländern

Nach zehn Tagen fehlten in Kattowitz noch greifbare Ergebnisse. "Ich hoffe, dass in den letzten Verhandlungsstunden der Durchbruch gelingt", so Müller. "Es kann nicht sein, dass die Anliegen von Entwicklungsländern bei der Bewältigung klimabedingter Schäden nur eine Fußnote in der Abschlusserklärung wert sind."

Die Umweltorganisationen Greenpeace, WWF, BUND und Germanwatch wandten sich in einem offenen Brief gemeinsam an Kanzlerin Merkel und forderten sie auf, sich hinter Umweltministerin Schulze zu stellen. Diese hatte während der Konferenz mit der sogenannten High Ambition Coalition (Koalition für großen Ehrgeiz) aus Industrie- und Entwicklungsländern eine Erklärung veröffentlicht, in der neue Klimaschutz-Zusagen bis zum Jahr 2020 gefordert werden. Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU hatte darauf in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" zurückhaltend reagiert und darauf verwiesen, dass die Bundesregierung als Ganzes entscheide.

Ohne eine klare Positionierung Deutschlands drohe hier der Vorstoß der High Ambition Coalition, ein "einigermaßen ambitioniertes Ergebnis" in Kattowitz zu erreichen, zu scheitern, schrieben die Umweltschützer. "Wir bitten Sie deshalb dringend, als Kanzlerin klarzustellen, dass die deutsche Bundesregierung hinter diesen ambitionierten Zielen und Ankündigungen steht. Wir halten dies für notwendig, um diese Konferenz zu einem Erfolg zu führen."

Quelle: n-tv.de, ame/dpa

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