Politik

Weiß, männlich, christlich Trump gewinnt das alte Amerika

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Der designierte US-Präsident Donald Trump will Amerika wieder groß machen. Doch von wem erhielt der die Stimmen?

(Foto: imago/ZUMA Press)

Donald Trump hat einen Wahlkampf gegen Minderheiten und das liberale Amerika geführt - und damit alles auf eine Karte gesetzt. Dass er nun tatsächlich ins Weiße Haus einziehen wird, verdankt er vor allem den älteren weißen Wählern.

"Make America Great Again" - diesen Wahlslogan, der eigentlich aus dem Wahlkampf von Ronald Reagan von 1980 stammt, ließ sich Donald Trump vor vier Jahren markenrechtlich schützen. Der Republikaner hat mit seiner Strategie, die abgehängte weiße Unterschicht an die Wahlurnen zu holen, ganz offensichtlich vieles richtig gemacht. Zwar büßte Trump vor allem bei der schwarzen Bevölkerung eine Menge Stimmen ein - nur acht Prozent der afro-amerikanischen Wähler machten ihr Kreuz bei Trump. 88 Prozent wählten Clinton. Dennoch verschafften ihm vor allem die Stimmen der Weißen, der Männer und der älteren Wähler den entscheidenden Vorteil.

Den ersten Nachwahlbefragungen des US-Senders CNN zufolge stimmte jeder zweite Wähler zwischen 50 und 65 Jahren für Trump - Clinton schwankte in dieser Altersgruppe nur zwischen 45 und 46 Prozent. Dass sie bei den jungen Wählern deutlich besser als ihr Rivale abschnitt, half ihr kaum. Immerhin 55 Prozent der 18- bis 24-jährigen Wähler entschieden sich in der Wahlkabine für Clinton. Trump erreichte in dieser Altersgruppe nur 32 Prozent der Wähler. Aber gerade in den sogenannten "Rust Belt"-Industriestaaten - etwa in Indiana, Ohio und Pennsylvania - traf Trump mit seinem Wahlslogan ins Schwarze. Viele Wähler glaubten ihm, als er versprach, die Jobs der Fabrikarbeiter zurückzuholen.

Im US-Wahlkampf hatte Trump vor allem den internationalen Freihandel für die schlechte wirtschaftliche Lage in der nördlichen Industrieregion verantwortlich gemacht. Damit konnte er bei vielen enttäuschten Arbeitern landen. Und Clinton fehlten in der Folge wichtige Schlüsselstaaten für den eigenen Sieg. Laut CNN glaubt immerhin die Hälfte der Wähler in Michigan, dass der internationale Handel viele Amerikaner ihre Jobs kostet. In Ohio sind es 47 Prozent der Wähler. In der Wahlkabine entschied vor allem dieser Punkt darüber, bei welchem Kandidaten sie ihr Kreuz setzten. Die Mehrheit wählte Donald Trump und seine Abschottungspolitik.

Frauen und Latinos wählten Clinton

Dass Trump einen Großteil seiner Stimmen aus der Arbeiterschicht schöpfte, spiegelt auch der Bildungsstand der Wähler wider. Knapp über die Hälfte der Trump-Wähler besitzt den CNN-Umfragen zufolge einen Highschool- oder geringeren Abschluss. Dagegen wählten 58 Prozent der Akademiker die demokratische Kandidatin. Dass Clinton auch bei den Frauen besser abschneiden würde als ihr Rivale, hatte sich derweil schon in den Prognosen abgezeichnet.

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Trumps chauvinistische Äußerungen in einem elf Jahre alten Videoclip dürften daran ihren Anteil gehabt haben. Mit 54 Prozent lag Clinton bei den Frauen deutlich vor Trump (40 Prozent). Dass aber die Differenz zwischen den beiden angesichts der wiederholten sexistischen Entgleisungen des Milliardärs (auch während des laufenden Wahlkampfs) nicht noch deutlicher ausfiel, dürfte zu einem großen Teil mit Clintons Unbeliebtheit zu tun haben. Anders sind auch die Werte unter den ethnischen Minderheiten kaum zu erklären.

Obwohl Trump die Mexikaner in einer Wahlkampfrede als Vergewaltiger bezeichnet hatte, die "Drogen und Kriminalität" ins Land bringen, stimmten 29 Prozent der US-Latinos für den umstrittenen Republikaner. Auch seine Ankündigung, illegale Einwanderer umgehend in ihre Heimatländer abzuschieben, hinderte viele von ihnen nicht daran, Trump zu unterstützen. Trotz der populistischen Wutreden des Unternehmers gegen Schwarze, Latinos und Muslime holte der 70-Jährige sogar mehr Stimmen als sein Vorgänger, Mitt Romney, vor vier Jahren (27 Prozent). Bei seiner Zielgruppe, den weißen Amerikanern, fiel das Ergebnis besonders eindeutig aus. Nur 37 Prozent von ihnen stimmten für Clinton - Trump holte 21 Pozent mehr. Seine Hassreden haben ihm vielleicht bei den Einwanderern geschadet. Aber sie haben ihm auch geholfen.

Gering Gebildete wählten Trump

Trump steht aber nicht nur für das weiße Amerika, er steht auch für die Christen. Ganz gleich ob Protestanten, Katholiken oder Mormonen - bei den christlichen Gruppen lag Trump mit bis zu 60 Prozent der Stimmen deutlich vor Clinton. Dagegen entschieden sich über zwei Drittel der Wähler ohne Konfession für die Demokratin. Auch bei den jüdischen und muslimischen Wählern schnitt Clinton deutlich besser ab. Doch auch diese Gruppen sind nicht so groß, dass sie eine Wahl hätten entscheiden könnten. Nur drei Prozent der Wahlberechtigten in den USA sind Juden. Muslime machen kaum ein Prozent des Wahlvolkes aus.

Besonders paradox: Obwohl der schmutzigste Wahlkampf der US-Geschichte beendet und ein neuer "Führer der freien Welt" gefunden ist - von Erleichterung kann bei vielen Wählern nicht die Rede sein. Über die Hälfte von ihnen sagen, sie seien besorgt (21 Prozent) oder hätten gar Angst davor (37 Prozent), wenn Donald Trump Präsident wird. Bei Hillary Clinton sieht das kaum anders aus. Nicht einmal jeder zweite befragte US-Amerikaner blickt optimistisch auf die kommenden vier Jahre. Die allgemeine Tendenz: Wir hatten keine wirkliche Wahl.

Quelle: n-tv.de

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