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Erst Brexit, dann Weltmacht? Williamson skizziert "GlobalBritain"-Strategie

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(Foto: AP)

Ehrgeizige Militärpläne aus London: Der britische Verteidigungsminister Williamson will in neuartige Schwarm-Drohnen investieren und den brandneuen Flugzeugträger "Queen Elizabeth" gleich zum ersten Einsatz nach Asien schicken. Premier May rudert eilig zurück.

Großbritanniens Verteidigungsminister Gavin Williamson hat in einer viel beachteten Grundsatzrede Eckpunkte zur Neuausrichtung der britischen Streitkräfte Pläne vorgestellt. Der Austritt aus der Europäischen Union sei für Großbritannien die Gelegenheit zur Stärkung seiner "globalen Präsenz", erklärte der Minister in seiner Ansprache im Royal United Services Institute (RUSI).

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Das ist der Mann, der die "Queen Elizabeth" Richtung China schicken will: Gavin Williamson.

(Foto: dpa)

Unter dem Schlagwort "Global Britain" kündigte Williamson unter anderem auch die Entsendung des neuen Flugzeugträgers "HMS Queen Elizabeth" in den Pazifik an. Als militärisches Machtsymbol soll das rund 65.000 Tonnen verdrängende Flaggschiff dabei auch in umstrittenen Gewässern kreuzen. "Großbritannien ist eine Weltmacht mit durch und durch globalem Anspruch", betonte Williamson. "Wir müssen darauf vorbereitet sein, unsere Interessen durchzusetzen und für unsere Werte auch fern von zuhause einzutreten.

Die "Queen Elizabeth" ist Teil eines milliardenschweren Trägerbauprogramms. Wichtigstes Waffensystem an Bord des bislang größten und teuersten Kriegsschiffs in der Geschichte der britischen Marine ist der Tarnkappenflieger F-35 aus den Werkstätten des US-Rüstungsriesen Lockheed Martin. An Deck und im Hangar des Schiffes ist Platz für zwei Staffeln der Hightech-Kampfjets, von denen nur eine tatsächlich auch von britischen Piloten geflogen wird. Die zweite Staffel an F-35 wird als Zeichen der engen britisch-amerikanischen Zusammenarbeit von US-Marinefliegern gestellt.

Die erste Einsatzfahrt der "Queen Elizabeth" soll den nagelnauen Träger durch das Mittelmeer, die Gewässer des Nahen und Mittleren Ostens durch den Indischen Ozean bis in die Inselwelt des Pazifik führen, erklärte Williamson. Er ließ dabei keinen Zweifel, an wen sich die Machtdemonstration in seinen Augen in erster Linie richten soll. "China entwickelt moderne militärische Fähigkeiten und wirtschaftliche Macht", betonte er.

"Kein Reflex auf den EU-Austritt"

Wann genau der Flugzeugträger mit seiner kombinierten britisch-amerikanischen Fliegertruppe zur großen Asienreise aufbrechen soll, erwähnte Williamson nicht. Früheren Angaben zufolge rechnet die Royal Navy bislang nicht damit, dass ihr neuer Träger vor 2020 voll einsatzbereit sein dürfte. "Ein globales Engagement ist für uns kein Reflexreaktion auf den EU-Austritt", sagte Williamson. "Uns geht es um dauerhaften Einfluss."

Neben der Entsendung des Flugzeugträgergeschwaders nannte der Minister in seiner Rede weitere Eckpunkte der künftigen britischen Verteidigungspolitik. Williamson erwähnte unter anderem "Schwarmgeschwader" vernetzter Drohnen, welche die gegnerische Luftabwehr verwirren und überwältigen sollen.

In diesem Zusammenhang kündigte er zusätzliche Investitionen in Höhe von sieben Millionen Pfund (rund acht Millionen Euro) für die Drohnen an. Diese sollen nach seinen Worten bis zum Ende des Jahres einsatzbereit sein. Großbritannien werde außerdem 65 Millionen Pfund zur Stärkung der offensiven Cyber-Fähigkeiten investieren.

"Reinster Unsinn"

Darüber hinaus sei geplant, der Marine zwei neue Mehrzweckschiffe zur Verfügung zu stellen. Die Williamsons angekündigten Rüstungsprojekte bewegen sich insgesamt in überschaubaren Bereichen. Zum Vergleich: Allein Anschaffung der "Queen Elizabeth" dürfte umgerechnet mit 3,4 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Und damit sind nur die Beschaffungskosten gedeckt.

Bei der Opposition stießen Williamsons Ausführungen umgehend auf Kritik. Der Labour-Abgeordnete und entschiedene EU-Unterstützer Chris Leslie erklärte: "Die Idee, dass unsere Mitgliedschaft in der Europäischen Union uns einschränkt, ist reinster Unsinn." In Wirklichkeit seien es die durch den Brexit drohenden wirtschaftlichen Schäden, die zur Schwächung der Armee beitragen würden.

Selbst Premierministerin Theresa May scheint mit Williamsons Militärplänen nicht ganz einverstanden zu sein. Unmittelbar nach der Rede ließ sie über einen Sprecher mitteilen, dass die "Queen Elizabeth" sicher nicht vor 2021 zu ihrer ersten Einsatzfahrt aufbrechen könnte. Ob das Flaggschiff der britischen Marine dann tatsächlich im Pazifik aufkreuzt, ließ der Sprecher ausdrücklich offen. Die Rede war lediglich von verschiedenen globalen Stationen, über die letztlich die Regierungschefin entscheide. "China ist ein Land, mit dem wir starke und konstruktive Beziehungen unterhalten."

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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