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Präsident Donald Trump Jetzt ist es Zeit, sich Sorgen zu machen

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(Foto: imago/Xinhua)

Amerikanische Neonazis nennen Donald Trump einen "glorreichen Führer". Mag sein, dass er dafür nichts kann. Aber die Liebe von Rechtsradikalen sollte ein Grund sein, sich vor US-Präsident Trump zu fürchten.

Der Mann, dem sich die Republikanische Partei gerade unterworfen hat, hat das Potenzial zur Katastrophe. Er ist ganz offensichtlich in kaum vorstellbarem Maße selbstverliebt und damit höchstwahrscheinlich auch beratungsresistent. Er ist, in den Worten seines einstigen Rivalen Ted Cruz, nicht nur ein pathologischer Lügner, sondern kann Wahrheit und Lüge gar nicht unterscheiden. Und schließlich scheint er vollständig ohne politische Ideen, Leitplanken oder Grundwerte auszukommen.

Seinen Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten begann er mit einer hetzerischen Rede, in der er mexikanische Einwanderer Vergewaltiger nannte. Er forderte einen Einreisestopp für Muslime. Er benutzt auf seinem Twitter-Account Bilder von rassistischen Webseiten und Zitate von Mussolini. Vor einigen Jahren stellte er sich an die Spitze der "Birther"-Bewegung, die sich gegen jede Plausibilität und gegen jeden Beweis weigert, zu glauben, dass US-Präsident Barack Obama in den USA zur Welt gekommen ist. Noch 2015 sagte Trump, er wisse nicht, wo Obama geboren sei, und er wisse auch nicht, warum der Präsident seine Geburtsurkunde nicht zeige. Dazu muss man wissen: Diese Urkunde hatte Obama vier Jahre zuvor veröffentlicht.

Wer mag, kann das alles als Indizien ansehen, dass Trump ein Rassist ist, oder gar ein Faschist, wie es der neokonservative Robert Kagan tut. Aber das ist am Ende nur Spekulation. Sicher ist, dass Trump keine Skrupel hat, maßlos gegen Minderheiten und Mitbewerber zu hetzen. Sicher ist auch, dass er nicht nur bei Wählern gut ankommt, die – aus guten Gründen – wütend über das vielfältige Versagen der etablierten Politik sind, sondern auch bei weißen "Suprematisten", Rassisten und Rechtsradikalen. Auf der Neonazi-Webseite "The Daily Stormer" wird Trump "Glorious Leader", glorreicher Führer, genannt. Klar, das ist ironisch gemeint. Allerdings macht ein Artikel auf der Seite deutlich, wie US-Nazis zu Trump stehen: "Wir lieben Donald Trump. Aber es ist eine Tatsache, dass er nicht hart genug ist."

Nette Distanzierung

Angesichts solcher Bekundungen wäscht Trump seine Hände in Unschuld. Er distanziert sich von Figuren wie dem ehemaligen Ku-Klux-Klan-Hexengroßmeister und Holocaust-Leugner David Duke, er distanziert sich von "weißen Nationalisten", aber er macht es so, dass es wie ein Lippenbekenntnis wirkt. Zumindest ist das die Wirkung auf jene, von denen er Abstand nimmt. Jared Taylor, Herausgeber des rassistische Online-Magazins "American Renaissance", sagte über Trump, "wenn er sich von uns distanziert hat, dann hat er es auf die nettestmögliche Art und Weise gemacht".

Natürlich ist es möglich, dass ein Präsident Trump am Ende doch keine Katastrophen auslöst. Dass er Syrien nicht mit einem Bombenteppich überzieht, dass er die Nato nicht auflöst, den Rassenhass in den USA nicht weiter anfacht und sich wirklich um faire Handelsverträge und Jobs kümmert. Ronald Reagan, der in Deutschland vor allem als Kalter Krieger erinnert wird, hat in seinen zwei Amtszeiten ja auch nur einen einzigen offenen Krieg geführt (die Invasion auf Grenada 1983).

Aber Reagan, egal, wie man zum ihm steht, hatte Prinzipien (Reagans Biograf Paul Kengor nennt Trump den "Anti-Reagan"). Auch nach einem Jahr Wahlkampf in den USA ist noch immer unklar, wofür Trump steht. Sein Programm besteht aus der Mauer an der mexikanischen Grenze, dem Einreiseverbot für Muslime und dem Versprechen von Jobs. Mit ihm haben sich die Republikaner auf ein Experiment eingelassen: Propaganda statt Politik, Person statt Programm. "Trump führt die Republikaner in eine neue Richtung – hin zu einem Populismus, der inhaltlich vage ist und stark auf Donald Trump als Persönlichkeit basiert", sagt der CNN-Journalist Jonathan Mann. "Trump-Anhänger wählen nicht eine bestimmte Politik, sie wählen Trump." Der einzige gemeinsame Nenner dieser Partei ist die Ablehnung von Hillary Clinton. "Lock her up!", skandieren die Delegierten auf dem Nominierungsparteitag, "sperrt sie ein!"

Das ist die Stimmung, die Trump geschürt hat. Wenn Sie je darüber nachgedacht haben, sich Sorgen zu machen, weil Donald Trump der nächste US-Präsident werden könnte: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen.

Quelle: ntv.de