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Die Sache mit dem N-Wort So schwer ist das eigentlich nicht

Der Auftritt von Joachim Herrmann ist kein Skandal. Aber ein Anlass, mal kurz über Sprache, Sensibilität und die Überforderung von Politikern nachzudenken.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat in der Talkshow "Hart aber fair" ein Wort benutzt, das eigentlich tabu ist. Am Morgen danach hat er sich im ZDF ein bisschen entschuldigt: "Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht". Einige Leute regen sich auf. Andere Leute regen sich auf, weil einige sich aufregen. Der Hashtag #Neger schafft es auf Platz eins der Twitter Trends.

Laut Duden gilt die Bezeichnung "als stark diskriminierend und wird deshalb meist vermieden". Der Duden, das sollte man wissen, ist keine moralische Instanz, sondern betreibt eine "deskriptive Linguistik", was bedeutet, dass die Redaktion nicht Kraft ihrer eigenen Autorität ein "richtiges" Deutsch vorschreibt, sondern sie folgt allgemein erkennbaren sprachlichen Trends.

Die Tatsache, dass das von Herrmann benutzte Wort meist vermieden wird, ist die Folge einer wachsenden sprachlichen Sensibilität. Wenn eine Gruppe von Menschen sich durch einen bestimmten Ausdruck beleidigt fühlt, ist es für die meisten Menschen eine völlig normale Reaktion, diesen Ausdruck zu vermeiden. Manche Leute gehen dabei so weit, grundsätzlich nur vom "N-Wort" zu sprechen.

Der Hinweis, dass ein solches Wort vor 40 oder 50 Jahren noch nicht als beleidigend empfunden wurde, ist übrigens irrelevant: Sprache und Einstellungen verändern sich nun einmal.

Und Herrmann? Eigentlich wollte er sich mit dem Satz, Roberto Blanco sei "ein wunderbarer Neger", von einem bayerischen Rassisten distanzieren, der in einem Einspielfilm zuvor gezeigt worden war. Das ist ihm ein bisschen verunglückt. Und könnte daran liegen, dass ihn die Talkshow ein bisschen überforderte. Es ist aber auch schwierig, wenn man als Innenminister normalerweise Länder wie Griechenland und Italien dafür attackiert, dass sie nicht dafür sorgen, dass Flüchtlinge Deutschland gar nicht erst erreichen. Und nun einer Willkommenskultur das Wort reden muss.

Aber macht das Wort Herrmann zum Rassisten? Nein, sein Auftritt taugt nicht einmal zum Skandal. Aber er ist ein guter Anlass, mal wieder ein bisschen über Sprache nachzudenken. So schwer ist das eigentlich nicht.

Quelle: n-tv.de

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