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Merz, Laschet oder Röttgen? Wer gewinnt, ist fast egal

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Merz, Röttgen und Laschet konkurrieren um den CDU-Vorsitz. Der Wettkampf gilt als Richtungsentscheidung, doch alle drei wollen den Charakter der CDU als Volkspartei bewahren und werden daher auch auf die jeweils anderen Flügel Rücksicht nehmen müssen.

(Foto: dpa)

Wichtiger als die Frage, wer neuer CDU-Vorsitzender wird, ist, ob der Sieger das Amt auch auszufüllen weiß. Und ob die Partei ihm die Zeit gibt, die dafür nötig ist.

Zwar ist das Interesse der Öffentlichkeit nach einem Jahr innerparteilichen Wahlkampfs ein wenig erlahmt. Aber wenn die CDU am kommenden Samstagvormittag auf einem Online-Parteitag einen neuen Vorsitzenden wählt, geht es um viel. Der neue Chef wird die künftige Ausrichtung der Partei maßgeblich prägen, er hat den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur und dürfte davon auch nur mit Mühe abzubringen sein.

Die Fixierung auf den Chef führt allerdings auch ein wenig in die Irre, wie ein Blick auf die Amtszeit der scheidenden CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zeigt, die vor allem am unzeitgemäßen Alphamännchengehabe ihrer Parteifreunde gescheitert ist. Nicht nur die Anhänger des unterlegenen Bewerbers haben gegen sie gestichelt und so ihre Autorität untergraben. Wenn das nach der Wahl des neuen Vorsitzenden so weitergeht, kann die CDU gleich in München anrufen und Markus Söder bitten, die Kanzlerkandidatur zu übernehmen.

Dass Kramp-Karrenbauers Autorität allerdings überhaupt untergraben werden konnte, lag an ihrer unklaren Rolle im Schatten einer beliebten Kanzlerin und daran, wie sie mit der Situation umging: Sie habe gemerkt: "Ich will es nicht zu 110 Prozent", sagte sie kürzlich der "Süddeutschen Zeitung".

Und schließlich ist Kramp-Karrenbauer daran gescheitert, dass Politikerinnen und Politikern heute kaum noch die Zeit gegeben wird, sich zu entfalten. Ihr Nachfolger braucht nicht nur diese Zeit, sondern auch die Unterstützung seiner Partei - auch dann, wenn er eine Vision davon entwickelt, wie diese Gesellschaft mit den Herausforderungen der Zukunft umgehen soll, mit dem Wiederaufbau nach der Corona-Pandemie, der Erderwärmung und dem deshalb notwendigen Umbau der Wirtschaft. Bei diesem Thema sind gerade Merz und Laschet nicht über Signalwörter hinausgekommen. Sie scheinen Angst zu haben, ihrer Partei etwas zuzumuten.

Genau solche Zumutungen jedoch sind notwendig. Welche Rolle die CDU in den kommenden Jahren spielen wird, wird davon abhängen, ob der neue Vorsitzende mutig genug ist, mehr zu machen als Krisen zu verwalten und Machtoptionen durchzudeklinieren - aber auch davon, ob die Partei diesen Weg unterstützt. Sind die drei Kandidaten dafür die richtigen? Schwierig. Merz könnte vielleicht den zögernden Teil seiner Partei auf dem Weg in die Zukunft mitnehmen. Aber will er da überhaupt hin? Röttgen scheint ein klares Bild von einer progressiven Politik für die CDU zu haben. Aber würde er die Union damit nicht überfordern? Und Laschet - steht er für einen mutigen Aufbruch? Möglich wär's, sicher ist es nicht. Sicher ist derzeit nur eines: Spannend ist weniger die Wahl am kommenden Wochenende, sondern eher die Zeit danach.

Quelle: ntv.de

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