Österreich-Newsletter

Mann spaziert aus Quarantäne Österreich bekämpft das Virus - ein bisserl

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Die Corona-Panik liefert bei aller Unruhe auch einen tröstlichen Beweis: Wir Menschen sind halt doch alle gleich. Und zwar alle gleich deppert. Auch und gerade in Deutschland und Österreich.

Da werden Schutzmasken getragen, die nicht schützen. Desinfektionsmittel gekauft in Mengen, die für ganze Krankenhausabteilungen reichen. Und Konserven gehortet, obwohl die meisten eh nicht wissen, wo der verdammte Dosenöffner liegt.

Österreich, das zur Einordnung, verzeichnete bis Freitagmittag fünf bestätigte Infektionen. Noch bekommt jeder Fall seine eigene Breaking News, alles unter Kontrolle also. Warum es manchmal aber nicht danach aussieht, erklären wir in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder passiert". Außerdem erheben wir das Glas auf einen historischen Politischen Aschermittwoch.

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schlecht beinand sein: kränkeln

So schaut also Quarantäne auf Österreichisch aus: Am Dienstag hatte das Corona-Virus das Land erreicht, die italienische Rezeptionistin eines Innsbrucker Hotels und ihr Freund waren positiv getestet worden. Das Hotel wurde sofort abgeriegelt, wie ein ORF-Reporter live vor Ort berichtete: "Derzeit darf niemand hinein oder heraus, soweit wir das beobachten können."

Was er nicht beobachten konnte: In seinem Rücken öffnete sich die Hoteltür für einen Mann, der seelenruhig seinen E-Roller vor sich her schob. Innenminister Karl Nehammer erklärte im Parlament, der Mann sei vorher untersucht worden - und weil Abgeordnete den Fall einfach zu lustig fanden, mahnte er gleich mehr Ernsthaftigkeit an. Wie zur Erinnerung standen für die Parlamentarier Desinfektionssprays bereit. Standesgemäß auf Silbertabletts. Stil muss sein, auch in einer Epidemie.

Die Regierungskoalition aus ÖVP und Grünen vereint ja laut Kanzler Sebastian Kurz "das Beste aus beiden Welten", so ähnlich könnte man auch das Corona-Krisenmanagement überschreiben, das die extremsten Elemente des Staatswesens kombiniert: den Hang zum autoritären Obrigkeitsstaat und die berühmte österreichische Wurschtigkeit.

Einerseits stoppten die Behörden einen Zug am Brenner, obwohl die beiden Verdachtsfälle schon in Verona ausgestiegen waren. Sie riegelten eine Wiener Schule stundenlang ab, weil eine Lehrerin sich am Morgen krankgemeldet hatte mit dem Hinweis, sie werde sich auf das Virus testen lassen. Und die Bilder aus dem Krisenstab der Regierung erinnern wohl nicht zufällig an den "Situation Room" im Weißen Haus. Die Botschaft: Die Lage ist ernst, aber wir haben sie im Griff.

Daran kommen aber nicht nur wegen der Live-Bilder von der verblüffend laxen Quarantäne im Innsbrucker Hotel Zweifel auf. Der erste bestätigte Corona-Fall in Wien etwa betrifft einen 72-Jährigen, der schon zehn Tage lang im Krankenhaus lag, bevor bei einem vorsorglichen Test die Infektion festgestellt wurde. Nun werden fieberhaft alle Kontaktpersonen getestet.

Nicht so gründlich verliefen offenbar die Tests einer Delegation des Außenministeriums, die vergangenes Wochenende in den Iran gereist war, wo das Virus stark grassiert: Während der Außenminister sofort untersucht wurde, wurde ein begleitender Journalist sich selbst überlassen. Erst als er sich selbst wegen Grippesymptomen ins Krankenhaus begab, wurde er getestet - negativ. Glück gehabt.

Bundesweite Regeln für den Umgang mit den Corona-Infizierten werden erst jetzt ausgearbeitet, generelle Verbote von Großveranstaltungen wie in der Schweiz wird es aber erst einmal nicht geben, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober: "Es wird von Fall zu Fall entscheiden."

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"Wer, wenn nicht ich, kann ein ernst zu nehmender Gegner sein?" - Heinz-Christian Strache zu seinem Comeback als Bürgermeister-Kandidat in Wien

Von wegen am Aschermittwoch ist alles vorbei: Bei Bier, Heringssalat und Kasnockerl (alles in allem für 20 Euro) wurden rund 200 Menschen in der Wiener Prateralm Zeuge eines historischen Moments - der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat nach langem Zögern seine Kandidatur bei der Wahl in Österreichs Hauptstadt erklärt.

2015 hatte er das Duell um Wien als Spitzenkandidat der FPÖ verloren, die Rechten aber immerhin auf 30,8 Prozent der Stimmen geführt. Nun geht er als alleinige Führungsfigur der FPÖ-Splitterpartei Allianz für Österreich ins Rennen - und das eher chancenlos, auch wenn Strache beim Politischen Aschermittwoch der DAÖ natürlich Optimismus in großen Schlucken verteilte.

Sein wahrer Gegner wird wohl nicht SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig und das "rot-grüne Polit-Establishment", sondern seine Ex, der ohne ihn "Master und Mind" fehle. "Ich bin das Original", tönte Strache, der wegen eines Skiunfalls an Krücken geht und seine Rede im Sitzen absolvierte.

Apropos Original: Erfunden haben den Politischen Aschermittwoch natürlich die Bayern, als erster Österreicher kopiert hat ihn Jörg Haider Anfang der 90er Jahre. Seitdem trifft sich die FPÖ traditionell in Ried unweit der deutschen Grenze, um mit biergelockerter Zunge gegen alles und jeden zu wettern. Ein Format, das sich Parteien wie die ÖVP und die Grünen anders als in Deutschland übrigens komplett sparen.

Strache fehlte bei der 29. Auflage am Mittwoch zum ersten Mal seit 2004. Stattdessen trat der neue Chef Norbert Hofer an, das "freundliche Gesicht der Partei", dem das Bierzelt-Ambiente ungefähr so gut steht wie Strache sein T-Shirt auf Ibiza. Hofers heftigster Angriff auf die Regierung? "Was ist der Unterschied zwischen einem Theater und der türkis-grünen Bundesregierung? In einem Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt." Nun ja. In der Abteilung Attacke ist Strache tatsächlich das Original.

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++ Der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer steht im Fokus der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Als Verkehrsminister hat er einen Mann als Aufsichtsrat der Autobahn-Gesellschaft Asfinag berufen, der hohe Summen an einen FPÖ-nahen Verein überwiesen hat. Hofer selbst sagt, er habe von den Spenden nichts gewusst. ++ Der weltgrößte Ziegelhersteller Wienerberger hat 2019 das beste Jahr seiner 200-jährigen Unternehmensgeschichte hingelegt. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 3,5 Milliarden, der Gewinn auf 249 Millionen Euro. ++ Digital ist besser: Die Polizei hat in Hallein im Bundesland Salzburg einen Drogendealer hochgenommen. Der 17-Jährige hatte am Schwarzen Brett des Einkaufszentrums 100 Gramm Marihuana zum Kauf angeboten. Die Polizei fand verwertbare Spuren auf dem Zettel und machte den Dealer ausfindig. ++ Kein Fußball, kein Problem: Wegen einer Sturmwarnung hat die Uefa das Europapokal-Rückspiel von Red Bull Salzburg gegen Eintracht Frankfurt vom Donnerstagabend auf Freitag 18 Uhr verlegt. 1000 Frankfurter sattelten einfach auf Eishockey um und trieben die 2. Mannschaft des EC Klagenfurt zum Auswärtssieg in Salzburg. ++

Ein Glückwunsch geht an dieser Stelle nach Wien: Rainhard Fendrich hat am Donnerstag seinen 65. Geburtstag gefeiert. In Deutschland kennt man den Entertainer ja hauptsächlich als Moderator von "Herzblatt" - aber hören Sie doch auch mal in seine Musik rein, vielleicht in "Weu'sd a Herz hast wie a Bergwerk".

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de