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Kurz "kann als Kellner anfangen" Österreich lacht über ORF-Panne

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Eine Katze, die gleichzeitig tot und lebendig ist - mit diesem Gedankenexperiment hat sich der Wiener Physiker Erwin Schrödinger unsterblich gemacht. Das quantenmechanische Paradoxon löst sich erst auf, wenn man nachschaut, wie es Schrödingers Katze in ihrer Kiste eigentlich so geht.

Der Wiener Machttechniker Sebastian Kurz hat nun so etwas wie Schrödingers Koalition gebastelt: Sie ist gleichzeitig rechts und links. Je nachdem, welche Seite des Regierungsprogramms man aufschlägt, erfährt man Genaueres.

Alles Wichtige zur neuen Regierung in Österreich erfahren Sie in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: Wie der ORF die dröge Vereidigung unfreiwillig in Comedy-Gold verwandelte.

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Angelobung: Vereidigung

Geschichte, wohin man nur blickt: Im ehemaligen Schlafzimmer von Kaiserin Maria Theresia ernannte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Dienstag in der Wiener Hofburg das neue Kabinett des jetzt-wieder-jüngsten Regierungschefs der Welt (Sorry, Sanna Marin) Sebastian Kurz. Zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs gehören die Grünen einer Bundesregierung an und zum ersten Mal stehen mehr Frauen als Männer den Ministerien vor.

Eine Zeitenwende, ganz sicher. Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte Kurz ja an selber Stelle noch seine umstrittene Koalition mit den Haider-Erben der FPÖ angetreten. Aber auch wenn der Kanzler bei der Partnersuche von außen rechts nach links gedriftet ist - sich selbst will er nicht ändern. Die harte Linie bei Migration, Asyl und Sicherheit (Kurz: "Das Herzstück meiner Politik") bleibt unverändert, die Steuer- und Wirtschaftsagenden tragen klar konservative Handschrift.

Die Grünen haben sich in eine Koalition gefügt, die keine Kompromisse vorsieht. Türkis-Grün, das ist ein gemeinsamer Garten - mit streng getrennten Beeten. Und dem Juniorpartner gehört der Umweltbereich. Wieso die Grünen trotzdem hadern, habe ich hier beschrieben. Grob gesagt müssen sie gleich eine Handvoll bitterer Pillen schlucken (vor allem im Bereich Migration), während selbst die grünen Passagen im Regierungsprogramm für Kurz' ÖVP leicht bekömmlich sein dürften.

Kein Wunder, dass deutsche Konservative in diesen Tagen schwärmerisch gen Wien blicken. "Schaut auf Österreich", schmachtete der Kurz-Fanklub bei der "Bild"-Zeitung. Aber da verhält es sich ein bisschen wie mit Chemtrail-Gläubigen: Selbst wenn man noch so genau beobachtet, heißt das nicht automatisch, dass man auch die richtigen Schlüsse zieht. Warum man abwarten sollte, bis man Türkis-Grün zum Modell für Deutschland ausruft, habe ich für ntv.de ein wenig ausführlicher erläutert.

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Außer einer Überdosis K.-u.-k.-Historie (übrigens schreiben einige Medien von der K.-u.-k.-Koalition, wegen Kanzler Kurz und Vizekanzler Kogler) gab es eigentlich wenig zu sehen bei der Angelobung von Türkis-Grün. Weil selbst der notorische Schussel Alexander Van der Bellen das Protokoll einhielt, war es zwischendrin sogar regelrecht fad - außer für jene, die der Zeremonie im ORF-Livestream folgten und die Untertitel eingeschaltet hatten.

*Datenschutz

Da blickte der Bundespräsident ernst in die Runde und sagte: "Hier wäre gestern fast meine Schwester ertrunken." Dann erblickte er Sebastian Kurz, seine Miene hellte sich auf: "Na? Na, du Küken?". Als die beiden am Barocktisch Platz nahmen für die Unterschrift unter die Ernennungsurkunde, seufzte Van der Bellen plötzlich: "Der schon wieder." Und bot dem Kanzler lieber einen ganz anderen Job an: "Du kannst hier anfangen. Als Kellner." Wenige Minuten später verabschiedete sich der ORF-Reporter mit einem "Bon appetito" aus der Hofburg und Moderator Tobias Pötzelsberger ahnte schon, was auf den Sender zukommt: "Verdammte Scheiße. Was soll ich bloß Alisa sagen?"

Alisa, das zur Aufklärung, ist die Heldin der Telenovela "Alisa - Folge deinem Herzen", die normalerweise am Vormittag im ORF läuft. Die Untertitel wurden "aufgrund eines Abwicklungsfehlers" während der Angelobung vertauscht und mittlerweile wieder aus der Mediathek gelöscht. Zum Glück vergisst das Internet nichts - der Twitter-User "Flo P. Schmidt" hat die besten Szenen in Screenshots zusammengestellt. Viel Spaß und Bon Appetito.

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++ Zwei deutsche Skifahrer wurden am Donnerstag in Vorarlberg von einer Pistenraupe erfasst. Während ein 40-Jähriger aus Essen mit leichten Verletzungen davonkam, musste ein 36-jähriger Frankfurter schwer verletzt ins Krankenhaus geflogen werden. ++ Personalrochade bei der FPÖ: Die Generalsekretäre Harald Vilimsky und Christian Hafenecker ziehen sich zurück, angeblich freiwillig. Der 35-jährige Nachfolger Michael Schnedlitz soll die Partei "moderner" machen. ++ No Hirscher, No Party: Saison eins nach dem Rücktritt von Dominator Marcel Hirscher beginnt enttäuschend für Österreichs Ski-Herren. Im Slalom hat noch kein Österreicher einen Podestplatz errungen, in der Nationenwertung liegt der ÖSV nur auf Rang zwei, ausgerechnet hinter dem Erzrivalen aus der Schweiz. ++ Auftakt in die Heim-EM: Österreichs Handballer starten heute (18.15 Uhr) in Wien gegen Tschechien in die Europameisterschaft. Landen die Gastgeber in ihrer Gruppe B auf Platz 1 oder 2, könnten Sie in der Hauptrunde in Wien auch auf das deutsche Team treffen. ++

Mit sportlichen Grüßen verabschiede ich mich ins Wochenende. Wenn Sie Lob, Kritik, Wünsche oder Anregungen loswerden möchten, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de