Pressestimmen

Regierungswechsel in Griechenland "Der Sieg von Syriza ist eine Chance"

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Die Zeitungen beschäftigen sich an diesem Montag naturgemäß mit der Wahl in Griechenland. Die Meinungen sind geteilt: Die einen sagen, Wahlsieger Alexis Tsipras und sein Linksbündnis Syriza seien zum Scheitern verurteilt. Die anderen glauben, dass sein Erfolg zumindest eine Chance ist.

Der Münchner Merkur schreibt: "Wer nichts mehr zu verlieren hat, den schrecken auch keine Drohungen mehr. ... Europa steht heute vor den Scherben seiner Rettungspolitik. Hellas ist nicht zu retten - jedenfalls nicht, solange es im Euro gefangen bleibt. Den Mut, diese Wahrheit auszusprechen, hat aber keiner: nicht Merkel, nicht Brüssel, und auch nicht der großmäulige Sieger dieser Schicksalswahl in Athen."

Die Süddeutsche Zeitung sieht das etwas anders: "Viele seiner Landsleute waren schon vor der Wahl sicher, dass der Linkspolitiker, einmal an der Macht, ziemlich rasch das machen wird, was die Griechen eine 'Kolotumba' nennen: einen Purzelbaum. Mit der Turnübung hat Tsipras sogar bereits begonnen. Schon eine Weile war nichts mehr zu hören von dem großspurigen Versprechen, Syriza werde die Memoranda, die Milliardenkreditverträge mit der EU, zerreißen wie Altpapier. Stattdessen versicherte die erste Garde der Linkspartei zuletzt, einseitige Maßnahmen Athens seien auch unter ihrer Ägide nicht geplant, die Bürger müssten sich auch um ihre Bankkonten keine Sorgen machen."

Die Berliner taz kommentiert den Wahlausgang ähnlich: "Die griechischen Linken werden ihr Land zugrunde richten - und die Eurozone noch dazu, warnen Konservative. Manche Linke glauben dagegen an eine Europa umspannende Trendwende, die den Menschen mehr Gerechtigkeit und den Banken weniger Steuergelder schenken wird. Zunächst einmal ist der Sieg von Syriza eine Chance dafür, dass sich Griechenland von jahrzehntelanger Korruption und Vetternwirtschaft befreit, mit denen sowohl die konservative Nea Demokratia als auch die sozialdemokratische Pasok untrennbar verbunden waren."

Als Chance sehen auch die Nürnberger Nachrichten den Syriza-Erfolg. "Die nächsten Wochen werden die Weichen für Griechenlands Zukunft stellen; die Chance besteht durchaus, dass das Land wenigstens einen Teil seiner gravierenden politischen Defizite bereinigt. Es gibt keine Garantie, dass es gelingt - aber die Chance dafür ist doch sehr viel höher als dass Tsipras nun den gesamten Euro-Raum mit in den Abgrund reißt."

Der Berliner Tagesspiegel wagt eine Prognose - und warnt vor einem Ende der Reformen: "Im Detail werden die Euro-Partner der neuen Regierung in Athen also Zugeständnisse machen müssen, etwa in der Form eines verdeckten Schuldenschnitts mit noch längeren Laufzeiten für die Milliardenkredite. Aber eine Abkehr vom Reformkurs, wie ihn die Syriza propagiert, darf für die übrigen Europäer nicht zur Debatte stehen. Die Reformen, mit denen sich auch große Länder wie Frankreich und Italien abmühen, sind kein Selbstzweck. Sie sichern vielmehr, François Hollande und Matteo Renzi haben das inzwischen erkannt, die weitere Mitgliedschaft ihrer Länder in der Euro-Zone. Auch Alexis Tsipras wird diese Lektion noch lernen müssen - auch wenn ihm die Rolle des Himmelsstürmers gegenwärtig in Athen mehr Beifall einbringt."

Die Stuttgarter Nachrichten schließlich weisen darauf hin, dass Griechenland in jedem Fall weiter auf Hilfe angewiesen ist. "Nicht einmal der Rauswurf aus der Euro-Zone, scheint die Hellenen zu schrecken. Jetzt muss sich Tsipras am Verhandlungstisch bewähren. Egal, wer in Athen regiert - die Griechen werden die finanzielle Hilfe der ach so ungeliebten Nordeuropäer benötigen, allen voran die Deutschlands."

Quelle: ntv.de