Pressestimmen

Presseschau zu Macrons US-Reise "Er kommt am besten mit Trump zurecht"

Drei Tage lang hofiert US-Präsident Trump seinen französischen Amtskollegen. Mit seiner kämpferischen Rede vor dem US-Kongress setzt Macron ein Zeichen gegen den fotogenen Austausch von Herzlichkeiten, schreiben die Kommentatoren.

"Er traut sich beides, Zuneigung und klare Worte", schreibt der "Tagesspiegel" aus Berlin. An den ersten beiden Besuchstagen in den USA habe der französische Präsident Emmanuel Macron gezeigt, wie gut er sich mit US-Präsident Donald Trump verstehe: "Begrüßung mit Wangenküssen, Händchen halten auf dem Weg ins Oval Office." Vor dem US-Kongress habe Macron allerdings dann demonstriert, dass ihn solche Gesten nicht von harter Kritik abhalten. Seine Rede könne als Breitseite gegen Trump verstanden werden.

Zum dreitägigen Staatsbesuch von Macron in den USA schreibt die niederländische Zeitung "De Telegraaf", Macron habe als erster an der Seite von Trump gestanden, als es um eine militärische Vergeltungsaktion gegen Syrien ging. "Er scheint der Staatschef zu sein, der am besten mit Trump zurechtkommt." Als Belohnung hofiere der amerikanische Präsident seinen Gast bei einem pompösen Staatsbesuch. Doch während es vor den Kulissen sehr freundlich zugehe, folge Macron mit ausgeklügelter Lobbyarbeit exakt seiner eigenen Agenda, "um die USA zu veranlassen, zum Atomdeal mit dem Iran zu stehen, länger in Syrien engagiert zu bleiben und das Thema Strafzölle für Stahlimporte aus der EU fallen zu lassen."

Die spanische Zeitung "El Mundo" deutet den Vorschlag Macrons zum iranischen Atomabkommen dahingehend, dass sich "eine so komplexe Persönlichkeit wie Macron" niemals mit einer Statistenrolle begnüge. Während der Franzose Trump dazu ermuntere, ein neues multilaterales Abkommen mit dem Iran zu erzielen, um eine Eskalation der Spannungen zu verhindern, versichere er auch, dass Frankreich nicht aus dem Pakt austreten werde. Er kritisiere indirekt die Isolationspolitik von Trump. "Macron tut genau das Richtige, wenn er anstelle der Sprache der Waffen auf Diplomatie setzt", schlussfolgert das Blatt.

Die Vorgehensweise Macrons wird von der katholischen Tageszeitung "La Croix" aus Paris weniger euphorisch kommentiert. Vielmehr habe der französische Präsident bislang mit seinem Vorschlag zum Iran-Deal nicht punkten können. Während der iranische Präsident Hassan Ruhani ihm rasch eine Abfuhr erteilt habe, folgte auch Trump nicht auf Anhieb dem französischen Vorschlag. Er habe ihn allerdings auch nicht verworfen. Der US-Präsident müsse am 12. Mai ankündigen, ob die USA im Atomabkommen aus dem Jahr 2015 verbleiben oder nicht. "Falls er sich für einen Verbleib entscheiden sollte, wäre das Manöver von Macron nützlich gewesen."

Der französische Präsident habe ziemlich viel in die Beziehung zu dem großen Unberechenbaren im Weißen Haus investiert, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Er hat kein Interesse an einer Zerrüttung des transatlantischen Verhältnisses - so wie auch Merkel & Co. daran kein Interesse haben - und bietet sich Amerika als verlässlicher Sicherheitspartner an." Ob er Erfolg damit habe und wie sehr sich seine Investition rentieren werde, das stehe noch in den Sternen.

"Es scheint, dass Frankreich Deutschland in der Rolle des Schlüsselpartners der USA in der Europäischen Union ablöst", heißt es in der konservativen Zeitung "Lidove noviny" aus Tschechien. Trump vertraue einzelnen Staaten mehr als Gemeinschaften vom Typ der EU. "Und gerade unter seiner Regierung verliert Deutschland zunehmend die Rolle des führenden Partners." Trump sehe in Deutschland eher einen Handelskonkurrenten und einen Feind als einen Verbündeten. "Vielleicht beginnt nun ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den USA und Europa."

Die "Märkische Oderzeitung" aus Frankfurt (Oder) resümiert den Staatsbesuch nüchterner. Das Verhältnis der beiden Chefs dürfe nicht überschätzt werden. Im Gegenteil: "So wie man aus einem warmen Wintertag nicht auf den Klimawandel schließen darf, kann man aus einer unterkühlten Begegnung keine staatliche Eiszeit ableiten." Wenn also Trump Merkel deutlich weniger umarme, herze und hofieren werde, bedeute das erst einmal nichts. "Die Amerikaner sind den Deutschen auf so tiefe Art und Weise verbunden, dass auch jemand wie Donald Trump das nicht ändern kann."

Zusammengestellt von Friederike Zörner

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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