Pressestimmen

"Philae"-Landung geglückt "Menschen brauchen Visionen"

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Historischer Moment im All: Erstmals landet ein Mini-Labor auf einem Kometen. Zuvor ist "Philae" zehn Jahre lang huckepack mit der Sonde "Rosetta" durch das All gereist. Jetzt nimmt "Philae" die Arbeit auf: Das Labor soll den Brocken "Tschuri" unter die Lupe nehmen. Es geht um "das Rätsel des Seins" - und irgendwie auch um das "als kleingeistig und bürokratisch gescholtene Europa".

Mit der Landung von "Philae" auf dem Kometen "Tschuri" sei den europäischen Weltraumforschern etwas gelungen, worum sie selbst die Kollegen von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa beneiden, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Rosetta-Mission - wie auch der sechsmonatige Aufenthalt von Astronaut Alexander Gerst auf der ISS - bewirke vor allem eins: "Das Interesse und die Begeisterung der Öffentlichkeit für die Raumfahrt ist hierzulande wieder gestiegen. Fast fühlt man sich an die Ära der Apollo-Missionen erinnert. Mit dem Erfolg der Rosetta-Mission dürfte es der europäischen Raumfahrtagentur Esa nun auch deutlich leichter fallen, bei den politischen Entscheidungsträgern Geldmittel für ihre künftigen Projekte locker zu machen."

Auch dem Reutlinger General-Anzeiger drängen sich Vergleiche mit der ersten Mondlandung auf. Die Raumfahrt habe Geschichte geschrieben: "Erstmals setzte ein von Menschen geschaffenes Objekt auf solch einem Himmelskörper auf - ein sagenhafter Erfolg für Europas 'Kometenjäger'. Die Raumfahrt und mit ihr die Menschen brauchen Visionen. Ohne Neugier kein Fortschritt. In Zeiten sich verschärfender Krisen und Konflikte ist das Projekt Rosetta ein strahlender Lichtpunkt für Fortschritt und friedliche Kooperation."

"Die Mission der Raumsonde 'Rosetta' könnte sich als Meilenstein in der Geschichte der Menschheit erweisen", meint die Neue Presse, denn "es geht um nicht weniger als um das Rätsel unseres Seins. Milliardenalte Kometen könnten darüber Aufschluss geben, wie die Erde überhaupt entstanden ist. Und ob es da draußen noch mehr gibt, auf das wir in ein paar hundert Jahren flüchten können." Aber die Weltraum-Mission werfe auch einen Blick auf "unser gegenwärtiges oft als kleingeistig und bürokratisch gescholtenes Europa", findet das Blatt aus Hannover. "Da wurde europäisches Wissen, europäische Technik, europäische Ideenkraft zu einer Vision gebündelt - und diese Vision wurde umgesetzt. Es wäre wunderbar, wenn sich die europäische Politik an der europäischen Wissenschaft ein Beispiel nehmen würde."

Die Laboreinheit "Philae" soll auf dem Kometen Antworten darauf finden, wie das Sonnensystem vor 4,6 Millionen Jahren entstand. Aber auch wenn nicht alle Fragen hinreichend geklärt werden, so steht für die Frankfurter Neue Presse "die außergewöhnliche, ja epochale Leistung der europäischen Raumfahrtbehörde" nicht zur Debatte: "Europa hat gezeigt, dass es weitaus mehr kann, als sich über krumme Gurken, Mindestmaße für Kondome oder die elektrische Leitfähigkeit von Honig zu streiten."

Quelle: ntv.de