Ratgeber

Beitrags-Tsunami 2023? 19 Krankenkassen sind jetzt teurer

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Wer von einer teuren, bundesweit geöffneten Kasse zu einer günstigeren wechselt, kann mehrere Hundert Euro Beitrag pro Jahr sparen.

(Foto: imago/Eibner)

Ab heute beträgt der durchschnittliche Zusatzbeitrag für Krankenkassen 1,3 Prozent. Er kann aber auch über oder unter diesem Wert liegen. 19 von 97 Kassen erhöhen nun ihren Zusatzbeitrag. Branchenvertreter befürchten flächendeckend deutliche Beitragserhöhungen im kommenden Jahr.

Mehr als ein Viertel der gesetzlich Krankenversicherten muss einem Bericht zufolge im neuen Jahr höhere Beiträge zahlen. 19 von 97 Kassen hätten zum 1. Januar den Zusatzbeitrag erhöht, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine Auswertung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Dazu gehörten neun der elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Bei diesen neun seien allein knapp 21 Millionen Menschen versichert.

Den Beitrag gesenkt hätten zum Jahreswechsel lediglich neun sehr viel kleinere Betriebskrankenkassen (BKK), schrieb die Zeitung weiter. Die teuerste aller gesetzlichen Krankenkassen sei nun die bundesweite BKK24 mit einem Satz von 17,1 Prozent, die günstigste die BMW BKK mit 14,9 Prozent. Allerdings ist letztere nur betriebsbezogen geöffnet.

Branchenvertreter befürchten, dass im kommenden Jahr flächendeckend deutliche Beitragserhöhungen nötig werden könnten. "Wenn die Politik nicht aktiv gegensteuert, wird es 2023 einen Beitrags-Tsunami geben", sagte der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, der Zeitung.

Drohende Milliardenlöcher durch Rückgriffe gestopft

Die finanzielle Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung habe sich "zuletzt verdüstert", sagte auch die neue Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann. Drohende Milliardenlöcher in den Jahren 2021 und 2022 hätten nur durch staatliche Sonderzuschüsse und den Rückgriff auf Kassenreserven gestopft werden können.

Grundsätzlich setzt sich der Krankenkassenbeitrag aus dem für alle Kassen gleichen allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent und dem individuell zu bestimmenden Zusatzbeitrag zusammen. Sowohl der allgemeine Beitragssatz als auch der Zusatzbeitrag werden zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und -gebern beziehungsweise von Rentnern und der Rentenversicherung getragen. Aktuell beträgt der durchschnittliche Zusatzbeitrag 1,3 Prozent. Doch beim Zusatzbeitrag können die Kassen auch darüber oder darunter liegen, denn jede entscheidet individuell über die Beitragshöhe.

Das bietet für Versicherte bei einem Wechsel der Krankenkasse viel Einsparpotenzial. Oft lassen sich auf diese Weise sogar einige Hundert Euro im Jahr sparen. Finanztest rechnet vor, dass, wer beispielsweise 3000 Euro brutto im Monat verdient und von einer Krankenkasse mit Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent zu einer günstigeren mit nur 0,84 Prozent Zusatzbeitrag wechselt, monatlich 9,90 Euro spart. Im Jahr müssten dann insgesamt 119 Euro weniger gezahlt werden. Bei noch höheren Einkommen steigt das Einsparpotenzial, wobei Krankenkassenbeiträge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze fällig werden. Diese beträgt im neuen Jahr 4837,50 Euro monatlich. Wechseln solche Gutverdiener die Kasse, lassen sich bei den genannten Werten sogar fast 200 Euro jährlich sparen.

Wechsel der Krankenkasse seit 2021 deutlich vereinfacht

Gut auch, dass alle Kassen frei wählbar sind. Und zwar auch dann, wenn der Versicherte bereits älter oder gerade in Behandlung ist. Vorausgesetzt, die Kasse ist im Bundesland des Versicherten auch verfügbar. Gleichzeitig wurde der Wechsel der Krankenkasse bereits ab 2021 deutlich vereinfacht: Theoretisch können Versicherte seitdem, ähnlich wie bei der Kfz-Versicherung, jedes Jahr zu einer günstigeren Krankenkasse wechseln. Wer zum Beispiel zu Ende Januar kündigt, ist am 1. April in einer neuen Kasse.

Erhöht die Kasse den Zusatzbeitrag, besteht nach wie vor ein Sonderkündigungsrecht zum Ende des Monats, in dem erstmals der höhere Beitrag verlangt wird. Wird regulär gekündigt, ist diese zum Ablauf des übernächsten Monats wirksam. Seit Januar 2021 ist man auch in allen anderen Fällen nicht mehr wie bisher 18 Monate, sondern nur noch 12 Monate an seine Versicherung gebunden, kann also theoretisch jedes Jahr wechseln. Zudem wird der Wechsel künftig deutlich einfacher: Man meldet sich einfach online bei der neuen Kasse an und gibt dem Arbeitgeber Bescheid, dass man die Kasse wechseln möchte.

Den Vertrag bei der alten Krankenkasse muss man dafür grundsätzlich nicht kündigen: Das übernimmt die neue Kasse im elektronischen Verfahren. Eine Versicherungslücke ist beim Wechsel übrigens ausgeschlossen.

Unter anderem nachfolgende Krankenkassen liegen unter 1,3 Prozent Zusatzbeitrag:

  • Audi BKK, 1,10 Prozent
  • Bahn BKK 1,20 Prozent
  • Bertelsmann BKK 1,00 Prozent
  • BKK Dürkopp-Adler 1,20 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • BKK Exklusiv 1,29 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • BKK Faber-Castell 0,65 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • BKK Firmus 0,84 Prozent
  • BKK Pfaff 0,4 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • BKK SBH 0,98 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • BKK Scheufelen 1,1 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • BKK Textilgruppe Hof 0,9 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • IKK Gesund Plus 1,10 Prozent
  • HKK 0,69 Prozent
  • Mobil Krankenkasse 1,29
  • MHplus BKK 1,28 Prozent (nicht bundesweit wählbar)
  • Techniker Krankenkasse 1,2 Prozent

Die derzeit günstigste bundesweit geöffnete Krankenkasse ist voraussichtlich die HKK mit einem Gesamtbeitrag von 15,29 Prozent.

Bei einem Wechsel zu einer günstigen Krankenkasse ist zu beachten, dass dann etwas mehr Einkommen zu versteuern ist. Ein Teil der Ersparnis fällt so dann auch der Steuer zum Opfer. Zudem sollten Wechselwillige prüfen, ob die neue, günstigere Krankenkasse auch alle gewünschten Extraleistungen wie beispielsweise Zahnreinigung, Osteo- oder Homöopathie anbietet.

Quelle: ntv.de, awi/AFP

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