Ratgeber

Bye bye Bargeld? Bezahlen mit dem Handy

Frauen verstauen alles in der Handtasche, Männer in der Hosentasche. Wie schön wäre es, wenn man die dicken Geldmünzen aus dem Portemonnaie verbannen könnte. "Mobile Payment" heißt das Verfahren, das uns von der Last befreien soll - und in einigen Bereichen klappt das schon ganz gut.

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Ein Anruf genügt, schon ist der Parkschein gelöst.

(Foto: Peter Kirchhoff, pixelio.de)

Nur Bares ist Wahres. Dass diese Lebensweisheit nicht mehr stimmt, wollen uns die Anbieter von mobilen Zahlsystemen glaubhaft machen. Schon mal haben das die Banken und Sparkassen mit der Einführung der Geldkarte versucht. Ein Chip auf der EC-Karte kann man mit einem Guthaben aufladen, das dann quasi wie Bargeld im Portemonnaie ist und an allen Akzeptanzstellen wieder heruntergebucht werden kann. Das System gibt es bis heute, doch richtig durchgesetzt hat es sich nicht. Die Brötchen beim Bäcker zahlen die meisten immer noch mit Münzen und Scheinen.

Immer dabei ist bei fast jedem auch das Handy – und das wird nicht selten gegen ein Smartphone ausgetauscht. Mit Handys und/oder Smartphones ergeben sich ganz neue Möglichkeiten des Bezahlens.

Porto mit Wucherpreisen

Das dachte sich auch die Post und hat das Handyporto eingeführt. Der Dienst ist denkbar einfach. Statt die Briefmarke für den Brief oder die Postkarte am Automaten zu ziehen oder in der Filiale zu kaufen, schickt man eine SMS mit dem Betreff "Brief" oder "Karte" an die Kurzwahl 22122. Als Antwort-SMS erhält man eine zwölfstellige Nummer, die man auf den Brief oder die Karte schreibt. Fertig. Der Haken an der Sache: Der Standardbrief kostet so 95 statt 55 Cent, was einem Preisaufschlag von über 70 Prozent entspricht. Die Postkarte schlägt mit 85 statt 45 Cent zu Buche. Hier macht das Handyporto die Beförderung der Karte um fast 90 Prozent teurer. Das Handyporto ist also nur etwas für den Notfall.

Eine weitere Möglichkeit bietet der Handyparkschein. Auf diesem Gebiet ist neben anderen Mobile City unterwegs. In Großstädten wie Köln, Hamburg und Berlin aber auch in Städten wie St. Peter-Ording, Bayreuth oder Wiesbaden kann der Parkschein statt am Automaten auch mit dem Handy gelöst werden.

Mit und ohne Registrierung Parkschein kaufen

In der Regel stehen zwei Varianten zur Verfügung. Bei der Komfortableren ist zuvor eine Registrierung notwendig. Fällige Parkgebühren werden dann per Lastschrift vom Konto eingezogen oder dem Prepaid-Konto belastet. Mit einem Anruf und der Übermittlung der Parkzonennummer leitet man den Parkbeginn ein. Verlässt man den Parkplatz wieder, teilt man dies ebenfalls über einen Anruf mit.

Wer sich nicht registrieren möchte, kann den Service auch in einigen Städten per SMS nutzen. Hierzu muss die am Parkscheinautomat stehende Parkzonennummer, das Kfz-Kennzeichen und die gewünschte Parkdauer an die Kurzwahl 44077 geschickt werden. Die Abrechnung erfolgt über die Handyrechnung oder bei Prepaid-Karten über das Guthaben. Wer im Netz von o2 unterwegs ist, kann den Service allerdings nicht nutzen. In beiden Fällen wird zusätzlich zu den Parkgebühren eine Servicegebühr von zwölf Cent erhoben. MobydoM ist ein weiterer Handypark-Anbieter, der allerdings eine registrierungsfreie Variante nicht anbietet. MobydoM erhebt pro Parkvorgang 15 Cent Servicegebühr.

Damit die Ordnungshüter direkt sehen können, ob das Fahrzeug am Handyparken teilnimmt, gibt es in vielen Städten eine Vignettenpflicht. Die Vignette muss hinter der Windschutzscheibe angebracht werden. Zudem kann die Verkehrsüberwachung mithilfe eines mobilen Geräts überprüfen, ob tatsächlich der Handyparkschein gelöst wurde.

Fahrscheinkauf im Nah- und Fernverkehr

Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Handy-Ticket. Dies gibt es im öffentlichen Nahverkehr und auch bei der Deutschen Bahn. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen bietet das Ticket in einigen Regionen an. Dazu gehören beispielsweise Hamburg, Nürnberg, Ulm, Dresden, Chemnitz, und die Kreise Rhein-Ruhr sowie Rhein-Sieg. Eine vorherige Registrierung ist erforderlich. Bezahlt wird per Lastschrift, Kreditkarte oder von einem Prepaid-Konto. Außerdem ist in vielen Einsatzgebieten die Installation des HandyTicket-Programms notwendig, teilweise erfolgt der Versand aber auch einfach per SMS. Beim Datentransfer können Kosten entstehen, die der HandyTicket-Kunde zu tragen hat.

Ähnlich funktioniert das Ticket auch bei der Deutschen Bahn. Zunächst muss man sich – wie generell für einen Online-Fahrkartenkauf – registrieren. Das Ticket kann über das Mobilportal der Bahn gebucht werden und wird dann per MMS-Nachricht auf das Handy geschickt. Der in der MMS enthaltene Barcode dient als Fahrkarte. Zusätzliche Gebühren über die für Daten- und MMS-Dienste anfallenden Telefongebühren entstehen nicht.

Das Handy-Ticket der Bahn ist bis zu zehn Minuten vor der Abfahrt des Zuges für eine einfache Fahrt mit mindestens 51 Kilometern Entfernung buchbar – allerdings nicht innerhalb der Verkehrsverbünde. Gelöst werden können Fahrkarten zum Normalpreis, Sparpreis und für ausgewählte Aktionspreise mit oder ohne BahnCard für bis zu fünf Personen. Eine Sitzplatzreservierung kann nur in Verbindung mit einer Fahrkarte erworben werden. Blöd ist allerdings, wenn das Handy bei der Fahrkartenkontrolle nicht betriebsbereit ist, weil der Akku mittlerweile leer ist oder der Barcode nicht eingescannt werden kann. Dann wird eine "Fahrpreisnacherhebung" fällig. Diese kann später zusammen mit der Bestätigungsmail für die Buchung des Handytickets eingeschickt werden. Die Fahrpreisnacherhebung wird zwar vollständig erstattet, es fällt aber eine Gebühr in Höhe von 7,50 Euro an.

Quelle: n-tv.de

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