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Einreiseverbot, Flug gestrichen Bleiben Reisende auf den Kosten sitzen?

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Gestrichene Flüge sind derzeit eher die Regel als die Ausnahme.

(Foto: picture alliance/dpa)

Viele Länder schließen wegen Corona ihre Grenzen für Ausländer und Fluggesellschaften streichen massenhaft Flüge. Was gilt jetzt für gebuchte Reisen?

Wenn Länder wegen Corona ihre Grenzen schließen, platzen die Reisepläne vieler deutscher Urlauber. Doch bei einem behördlichen Einreiseverbot bleiben diese in den meisten Fällen zumindest nicht auf ihren Kosten sitzen.

Pauschalreisende sind ohnehin gut abgesichert, es gilt das deutsche Pauschalreiserecht. "Wenn ich nicht einreisen kann, bekomme ich vom Veranstalter mein Geld zurück", erklärt die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Kanzlei Karimi in Berlin. "Ein zusätzlicher Schadenersatz steht mir aber nicht zu, weil es sich um außergewöhnliche Umstände handelt."

Bei einem Flugausfall bleiben zunächst alle Rechte aufgrund eines Flugausfalls bestehen. Das heißt, die Fluggesellschaft ist verpflichtet, den Ticketpreis zu erstatten oder eine Umbuchung anzubieten, die aber nicht zwingend angenommen werden muss. Ob auch ein Anspruch auf Entschädigung nach EU-Fluggastrechte-Verordnung besteht, ist eher unwahrschelnich. Klar ist, ausgefallene Flüge in Hochrisikogebiete wie China oder Italien sind nicht entschädigungsberechtigt.

Jetzt nicht stornieren

Auch bei individuellen Buchungen von Hotels oder Ferienhäusern gilt nach Einschätzung von Fischer-Volk: "Kann ich das Ziel überhaupt nicht erreichen, bekomme ich das Geld zurück." In aller Regel streichen Fluggesellschaften ihre Flüge, sobald ein Land eine Einreisesperre verhängt. "Sobald die Fluggesellschaft den Flug einstellt, erstattet sie den Ticketpreis", sagt die Juristin. Eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung gebe es nicht, da außergewöhnliche Umstände vorlägen.

Und wie sieht es mit Urlaub in einigen Wochen aus? "Wenn eine Buchung für einen Zeitraum nach der Einreisesperre besteht, rate ich: Bitte jetzt nicht stornieren!", rät Fischer-Volk. "Sonst riskiere ich Stornogebühren." Am besten warten Urlauber schlicht ab. "Dann wird es rechtlich leichter."

Pauschalreisen ins Ausland - derzeit stornierbar

Ergänzung: Durch die weltweite Reisewarnung des Auswärtige Amtes ist ein kostenfreier Rücktritt (Stornierung) der gesamten Reise bei kurz bevorstehenden Pauschalreisen ins Ausland ist mit der Reisewarnung nun möglich. Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnung gerade vor der Hintergrund erlassen, dass die Rechtsprechung eine Reisewarnung als starkes Indiz für ein unvermeidbares, außergewöhnliches Ereignis (früher: "höhere Gewalt") ansieht, das nach dem Pauschalreiserecht eine kostenfreie Stornierung ermöglicht, wie die Verbraucherzentrale Bundesverband informiert.

Aber Vorsicht: Eine kostenlose Stornierung von Reisen, die erst in einigen Wochen oder Monaten stattfinden sollen, ist damit nicht in jedem Fall gerechtfertigt. Für die Beurteilung kommt es entscheidend darauf an, ob zum Zeitpunkt der Reise die unabwendbaren, außergewöhnlichen Umstände vorliegen und mit welcher Wahrscheinlichkeit davon zum Zeitpunkt der Stornierung ausgegangen werden kann.

Quelle: ntv.de, awi/dpa