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Bei Verstößen gegen das Persönlichkeitsrecht oder gegen Datenschutzregelungen drohen dem Arbeitgeber Bußgelder.
Bei Verstößen gegen das Persönlichkeitsrecht oder gegen Datenschutzregelungen drohen dem Arbeitgeber Bußgelder.(Foto: imago stock&people)
Montag, 03. September 2018

Bußgeld droht: Darf der Chef auf alle E-Mails zugreifen?

Manchmal fallen Arbeitnehmer für längere Zeit aus. Einige Chefs wollen dann auf deren E-Mail-Postfach zugreifen. Ob sie das dürfen, hängt von der Regelung im Betrieb ab.

Nimmt ein Arbeitnehmer länger Urlaub oder Elternzeit, gibt es meist eine klare Vertretungsregelung. Kunden oder Geschäftspartner, die sich per E-Mail bei ihm melden, erhalten dann oft eine Abwesenheitsnotiz mit dem Verweis auf Ansprechpartner.

Doch was gilt, wenn ein Arbeitnehmer überraschend länger abwesend ist - etwa aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls - darf dann der Chef einfach auf sein Postfach zugreifen? "Auf E-Mails mit dienstlichem Bezug darf der Chef grundsätzlich zugreifen", sagt Barbara Reinhard, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Das bedeutet: Wenn sich nur berufliche Nachrichten im Postfach befinden, der Arbeitgeber also grundsätzlich private E-Mails im Büro verboten hat, darf er die E-Mails abrufen und bearbeiten. "Dann muss er den Arbeitnehmer in dem genannten Notfall auch gar nicht vorher informieren", erklärt Reinhard.

Schadenersatzforderungen des Arbeitnehmers möglich

Etwas anderes gilt, wenn der Chef private E-Mails in der Firma erlaubt hat - also private und berufliche Nachrichten ins Postfach einlaufen. "Dann dürfen der Arbeitgeber und Kollegen in der Regel nicht einfach auf das Postfach zugreifen", sagt Reinhard.

Bei Verstößen gegen das Persönlichkeitsrecht oder gegen Datenschutzregelungen drohen dem Arbeitgeber Bußgelder. "Auch Schadenersatzforderungen des Arbeitnehmers sind bei Verstößen unter Umständen möglich", sagt Reinhard.

Idealerweise sollte im Unternehmen vorab eindeutig geregelt sein, was bei längerer Abwesenheit erlaubt ist - etwa über die Betriebsvereinbarung. Dann können Arbeitnehmer für den Vertretungsfall beispielsweise bei der IT-Abteilung ein Passwort für ihr Postfach hinterlegen.

Um möglichen Ärger zu vermeiden, sollten sich Arbeitnehmer sicherheitshalber an die Inhalte  ihrer Arbeitsverträge oder Betriebsvereinbarungen halten. Auch das Ausweichen auf die private E-Mail Adresse vom Dienstrechner aus ist keine Lösung. Darf sich der Arbeitgeber doch bei einem Verbot privater Online-Aktivitäten im Verdachtsfall den Browserverlauf genauer ansehen, wie das Landesarbeitsgericht Berlin entscheiden hat (Az.: 5 Sa 657/15). Für die privaten E-Mails sollte bei entsprechendem Verbot in der Pause das Smartphone genutzt werden. Während der Arbeitszeit verwendet, birgt allerdings auch dies so seine Tücken.

Quelle: n-tv.de