Ratgeber

Schleichende Bepflanzung Darf ein Baum auf den Balkon?

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Baum auf einer Dachterrasse in Kanada.

(Foto: imago/Westend61)

Der Balkon gehört zur Wohnung. Und Mieter dürfen ihn in diesem Sinne auch gestalten. Ob Blumentöpfe, Sonnenschirme oder Tische und Stühle - all das geht in Ordnung. Wie es sich allerdings mit einem Baum dort verhält, musste ein Gericht entscheiden.

Vermieter sind nicht immer damit einverstanden, wie Mieter ihren Balkon nutzen. Mitunter fühlen sich auch andere Mieter durch die Gestaltung "Balkoniens" gestört. Grundsätzlich gilt: die Freiheit des einen endet bei den Grenzen der anderen. Tische, Stühle, Bänke, Blumenkästen und -töpfe sowie Sonnenschirme sind aber erlaubt. Entsprechende Klauseln im Mietvertrag, die das grundsätzlich verbieten, sind denn auch unzulässig.

Doch die Jahre vergehen und aus der einzigen Topfpflanze wird so ein ganzer Baum. Darüber, ob dieser auch immer noch auf dem Balkon gehört, hatte das Amtsgericht München zu entscheiden (Az.: 461 C 26728/15).

In dem verhandelten Fall bewohnte ein Mieter seit 1990 eine Wohnung in München. In der zur Wohnung gehörenden Loggia hielt er zunächst einen kleinen Bergahorn als Topfpflanze. Über die Jahre hinweg wuchs der zum Baum heran und bildete seit mindestens 15 Jahren nach außen und deutlich sichtbar eine Krone aus. Der ursprüngliche Holzkasten verrottete und das Erdreich und die Wurzeln befanden sich nun direkt auf dem Betonboden.  

Daran störte sich die Vermieterin und forderte ab 2015 den Mieter mehrfach auf, den Baum zu entfernen. Sie ist der Meinung, dass der Ahornbaum unkontrolliert aus dem Balkon herauswuchere und eine derartige Nutzung des Balkons nicht vertragsgerecht sei. Der Mieter argumentierte hingegen, dass die Bepflanzung des Balkons nach eigenen Wünschen zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung gehöre und der Beseitigungsanspruch verjährt sei. Denn die Vermieterin habe durch regelmäßige Begehungen der Anlage volle Kenntnis von dem Baum gehabt.

Der Streit landete vor Gericht, welches der Vermieterin recht gab und den Mieter dazu verurteilte, den Ahornbaum samt Erdreich und Wurzelwerk fachgerecht dauerhaft zu beseitigen. Demnach gehört die Pflanzung eines Baumes nicht zum vertragsgemäßen Gebrauchs von Loggien und Balkonen. Zudem gehe von Ahornbäumen die Gefahr aus, dass sie umstürzen, da sie auf Loggien in Wohnhäusern keine genügende Verwurzelung ausbilden können.

Außerdem befand das Gericht, dass der Anspruch auch nicht verjährt sei, denn "das Pflanzen eines Baumes ist eine Dauerhandlung. Der Verjährungsbeginn kann nicht einfach auf den Akt der Pflanzung abgestellt werden. Es kommt dabei auf die jeweiligen einzelnen konkreten Störungen an, mit der der Beseitigungsanspruch jeweils neu entsteht".

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Quelle: n-tv.de, awi

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