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Ja-Wort mit Bindestrich Der Doppelnamen-Effekt

Am Platz der Bundesvorsitzende der CDU Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) ist ein Schild aufgestellt. Foto: Stefan Sauer

Wem es gelingt, seinen Namen als Marke zu positionieren, hat es geschafft. Das Kürzel AKK der CDU-Chefin muss nicht mehr übersetzt werden.

(Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa)

Nach der Hochzeit automatisch den Namen des Mannes tragen? Das war einmal. 27 Prozent der Brautpaare entscheiden sich heute anders. Bei jedem zwölften Paar folgt aufs Ja-Wort ein Doppelname. Doch wie wirkt der Bindestrich im Leben?

Immer wieder schaut der Handwerker auf die Auftragsbestätigung. Seine Augen hypnotisieren das Adressfeld. Um die Kundin anzusprechen, hat er schon zweimal den Namen vom Zettel abgelesen. Dann reicht es ihm: "Geht auch, wenn ich nur Kautz sage?" Als Janine Kautz-Hofmeister schmunzelnd nickt, fällt ihm ein Stein vom Herzen. Der Doppelname steht nicht mehr zwischen ihnen.

Die Berlinerin nimmt es gelassen. Sie kennt das schon von Postboten oder Lieferdiensten. Ihr voller Name scheint einfach viel zu viel Zeit zu kosten. Während im Job die Kollegen penibel darauf achten, wird sie in Schule und Kita ihrer Kinder gar nicht erst gefragt. Von den Pädagogen wird der Teil hinterm Bindestrich gleich liquidiert.

Gemeinsamer Familienname keine Pflicht

Dabei ist es doch gerade das "Hofmeister", von dem sich die 35-Jährige vor zehn Jahren nicht trennen wollte. Vor dem Ja-Wort konnte sie sich mit ihrem Mann auf keinen gemeinsamen Namen einigen: "Wir wollten beide unseren Geburtsnamen behalten", erklärt die Controllerin. Das deutsche Namensrecht erlaubt zwar seit 25 Jahren, dass ein gemeinsamer Familienname nicht mehr Pflicht ist. Aber spätestens, wenn Kinder ins Spiel kommen, muss man sich doch auf einen festlegen.

"Da hätten wir die Entscheidung nur vertagt", so die Analyse von Janine Kautz-Hofmeister. 2008 stimmte sie nach Endlosdiskussionen schließlich dem Kompromiss zu. Er lautete: "Der gemeinsame Familienname wird Kautz und ich hänge meinen Namen künftig hinten dran." So heißen die beiden Kinder, die später folgten, wenigstens nicht komplett anders als Mama. Denn Janine Kautz-Hofmeister hat das bei einer Freundin erlebt: "Ob Kita oder Schule - sie wurde immer gefragt, ob sie auch wirklich die Mutter ist. Und nicht etwa die Tante."

Dabei ist es nicht immer die Kompromisslösung, weshalb der Doppelname den Zuschlag erhält. "Mehrnamigkeit und damit auch Namenketten werden traditionell als sozial höhergestellt wahrgenommen - da schaut das Umfeld plötzlich durch die bürgerliche Brille", erklärt Dietlind Kremer. Die Sprachwissenschaftlerin vom Namenkundlichen Zentrum an der Universität Leipzig untersucht seit Jahren, wie Namen in der Gesellschaft wirken.

Zeichen für Gleichberechtigung?

Speziell Doppelnamen würden unterschiedliche Assoziationen auslösen. Eine davon: "Aaah, ich habe es mit jemand Wichtigem zu tun", so Kremer. In anderen Fällen ist klar: "Da wollte jemand seine Identität behalten oder ein Zeichen für die Gleichberechtigung setzen." Bei allzu befremdlichen Kombinationen wie etwa "Lange-Poppen" oder "Töpfer-Kratz" dürften sich die Namensträger nicht wundern, schon mal belächelt zu werden. Eine Kombi mit Tausender-Namen wie Müller, Meyer, Schulze signalisiere ganz klar: "Hier suchte der Namensträger neben mehr Individualisierungskraft des Familiennamens eventuell eine soziale Aufwertung." Und für viele sei bei der Bindestrich-Version sofort klar: Da kommt jemand aus der akademischen, politischen oder theologischen Ecke.

Die Forscherin hat auch beobachtet, wie es wirkt, wenn man den zweiten Namensteil wieder ablegt. "Das wird von der Umwelt als Makel gesehen, die Leute fragen sich: 'Was ist denn da passiert?'", so Kremer. Sie hat dafür allerdings Verständnis: "Mit einem Namen verbindet man etwas. War beispielsweise eine Ehe zum Schluss hässlich, findet man auch den Namen nur noch hässlich und legt ihn gerne ab."

Weil Kinder keinen Doppelnamen führen dürfen, werden Eltern zunehmend erfinderisch. "Sie versuchen das über Umwege zu erreichen", sagt Dietlind Kremer. Wenn sich der Geburtsname eines Elternteils anbiete, würde etwa aus Emil Müller schon mal Emil-Arend Müller. "Daran sieht man, wie sehr der Wunsch besteht, dass sich beide Elternteile in dem Namen eines Kindes wiederfinden."

Ein Zeichen von Entscheidungsschwäche - das sei ein gängiges Vorurteil gegenüber Doppelnamen, sagt Jürgen Udolph, Namensforscher aus Schwanewede bei Bremen. Der Professor widerspricht dem allerdings vehement: "Ganz im Gegenteil! Die Entscheidung spricht für Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit." Doppelnamen-Trägerinnen den Stempel "Emanzen-Kram" aufzudrücken, sei die überholte Denke vor allem der Generation älterer Herrschaften. "Ich sehe darin vielmehr, dass sich die Gleichberechtigung in der Ehe auch auf den Namen überträgt. Das färbt übrigens zunehmend auf Männer ab", interpretiert Udolph.

Angeberisch und überkorrekt?

Als eine Generationen-Frage sieht auch Sprachforscher Winfried Breidbach aus Westerkappeln die Wirkung von Doppelnamen: "Bei heute 70-Jährigen greifen alte Klischees noch. Menschen um die 35 sind damit aufgewachsen. Für die ist das völlig normal." In der Tat: Sagten vor 40 Jahren noch 98 Prozent der Frauen bei der Heirat Adieu zu ihrem Mädchennamen, entscheidet sich heute rund jedes vierte Paar gegen die Tradition. Laut Studie der Gesellschaft für Deutsche Sprache behalten 13,5 Prozent einfach ihren Namen, 6 Prozent der Bräute bringen ihren Namen an den Mann und 8 Prozent wählen die Bindestrich-Variante.

"Ich kenne persönlich sogar mehr Männer mit Doppelnamen als Frauen", fällt Medienpsychologe Jo Groebel auf. Der Grund ist für ihn klar: "Sie wollen wichtiger erscheinen und sich mit dem Namen der Frau profilieren." Für ihn ist die Namenskombi positiv besetzt. Sie signalisiere Gleichberechtigung und das Image: "Hey, hier sind zwei wichtige Familien unterwegs!" Gleichzeitig gebe es immer Leute, die den Bindestrich-Namen angeberisch oder überkorrekt finden.

Und wenn der Doppelname zum Kürzel mutiert und plötzlich wie "CK one" oder "CR7" klingt? "Wem es gelingt, seinen Namen als Marke zu positionieren, hat es ganz klar geschafft", findet Groebel. Für den Psychologen ist das eine Form der Anerkennung, die nur funktioniere, wenn der Name positiv besetzt ist, und er einen Rahmen in einer bestimmten Branche oder einem Unternehmen hat. So genügte einst in der Sportszene ein kurzes MV und jeder wusste, es ist von DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder die Rede. Und wer heute über Politik spricht, nennt die CDU-Chefin nur AKK. Muss man nicht mehr übersetzen, oder?

Quelle: n-tv.de, Claudia Wittke-Gaida, dpa

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