Ratgeber

So manche sind entbehrlich Diese Versicherungen sind ihr Geld wert

imago0051284333h.jpg

Viele Policen, viel Papier: Braucht man das alles?

Versicherungen gibt es für fast alles, aber welche schützt im Ernstfall wirklich? Und welche Policen kosten nur viel Geld, lohnen sich unterm Strich aber kaum? Eine Übersicht.

Angst macht Menschen besonders kreativ. Und weil das so ist, bewahrheitet sich gerade bei Versicherungen der Satz: Es gibt wohl nichts, was es nicht gibt. Wirklich sinnvoll ist es aber nicht, sich gegen alle möglichen Dinge abzusichern, denn jede Police kostet Monat für Monat Geld - und manche ist dabei teurer als der eigentliche Schaden im Ernstfall.

Die große Auswahl macht es deshalb so schwierig, bei der Versicherung alles richtig zu machen. Aber welche Verträge sind wirklich notwendig - und welche völlig überflüssig? Ein Überblick:

Renten- und kapitalbildende Lebensversicherung - zu teuer, kaum Ertrag

Versicherungen

Das Leben ist voller Risiken, gerade deshalb ist es so wichtig, sich richtig abzusichern. Capital+ erklärt in einem fünfteiligen Versicherungsdossier, worauf es beim Abschluss einer Versicherung ankommt und welche Policen Sie für den Ernstfall brauchen.

Vereinfacht gesagt sind das ultra-langfristige Sparverträge, die momentan wegen der Nullzins-Ära so gut wie keine Renditen mehr abwerfen, dafür aber hohe Kosten haben. Zudem sind sie unglaublich unflexibel, da man Einzahlungen über die Jahre kaum - oder nur mit hohen Kosten - anpassen kann, falls man in eine schwierige Finanzlage kommt. Deshalb sind diese starren Policen gerade für junge Leute ungeeignet.

Vor allem sollten Sie sich davor hüten, eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung mit einer Berufsunfähigkeitspolice zu koppeln. Denn dieser Doppelschutz kostet wieder mehr Geld in Form von zusätzlichen Risikoabschlägen. Und wenn Sie später die hohen Einzahlungen in die Rentenversicherung stoppen wollen, dann ist der Berufsunfähigkeitsschutz gleich mit dahin - und auch schwer wieder zu beschaffen. Wer also eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte das unbedingt separat tun.

Unfallversicherung - klingt gut, nützt selten

Eine Unfallversicherung klingt natürlich für die meisten Menschen sinnvoll. Die Angst vor einem schweren Unfall ist entsprechend groß, zumal jeder durch Zufälle zum Unfallopfer werden kann. Aber: Eine Unfallversicherung zahlt meist nur, wenn man bleibende Schäden davonträgt, also als schwerbehindert gilt. Allerdings sind nur zwei Prozent aller Schwerbehinderungen auch Unfallschäden. Zudem sind die Versicherungssummen von Unfallpolicen meist so gering, dass sie den tatsächlichen Schaden nicht wirklich abdecken.

Krankenhaustagegeldversicherung - verspricht viel, hält wenig

Eine Krankenhaustagegeldversicherung braucht im Grunde niemand: Bei einem Krankenhausaufenthalt deckt die Krankenkasse den Verdienst¬ausfall über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab, zumindest für die Dauer von sechs Wochen. Zudem zahlt die Versicherung nur für medizinisch notwendige Krankenhausaufenthalte und auch nicht für die Zeit, die man ambulant zu Hause weiterbehandelt wird. Die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer kann sie nicht garantieren, gleiches gilt für die Chefarztbehandlung. Auch den oft versprochenen täglichen Extra-Obstkorb, können Sie sich selbst billiger besorgen.

Denn die Krankenhaustagegeldversicherung kostet pro Monat rund ein Fünftel dessen, was sie pro Krankenhaustag an Zahlung verspricht. Sie müssten also alle fünf Monate einen Tag in einer Klinik verbringen oder alle fünf Jahre länger als zwölf Tage, damit sich so eine Police rechnet. Erheblich sinnvoller ist die Krankentagegeldversicherung. Sie deckt im Notfall die Einkommenslücke zwischen Krankengeld und üblichem Einkommen ab.

Sterbegeldversicherung - lieber gleich per Konto zurücklegen

Die Angst, nach ihrem Tod müssten ihre Angehörigen eine teure Beerdigung bezahlen, ist bei manchen Menschen groß. Wer das verhindern will, sollte ihnen aber lieber ein Bankkonto hinterlassen, als eine Sterbegeldversicherung abzuschließen. Denn die meisten dieser Policen sind schlicht zu teuer - gerade für Ältere. Wer beispielsweise 65 Jahre alt ist und im Todesfall eine Summe von 5000 Euro ausgezahlt wissen will, der zahlt dafür schnell über 30 Euro im Monat. Das sind bei 20 Jahren Beitragsdauer stolze 7200 Euro. Also mehr, als die Angehörigen ausgezahlt bekommen.

Außerdem unnötig: Handy-, Gepäck-, Glasbruch- sowie Insassenunfallversicherung

Die Reisegepäckversicherung ist zwar bei Urlaubern beliebt, doch sie ist auch teuer. Man kann locker 120 Euro im Jahr dafür ausgeben, bekommt aber am Ende oft trotzdem weder seinen Koffer noch das Geld für dessen Inhalt zurück. Denn die Klauseln vieler Verträge beinhalten viele Einschränkungen und die Gesellschaften erstatten den Schaden nur selten.

Auch Versicherungen gegen Bruch aller Art gibt es zuhauf. Aber viele Missgeschicke sind eher klein. Deshalb kann man es in diesem Fall getrost darauf ankommen lassen. Zumal viele Gesellschaften ohnehin nur den Zeitwert solcher teils schon abgenutzter Gebrauchsgegenstände erstatten. Übrigens: Die Insassenunfallversicherung zahlt ohnehin die KFZ-Versicherung.

Hausratversicherung - darüber kann man streiten

Viele Menschen haben eine Hausratversicherung, weil sie Angst haben, dass ihre Einrichtung durch einen Brand oder Wasserrohrbuch zerstört werden könnte und der Ersatz teuer wird. Verbraucherschützer halten das in den meisten Fällen für überflüssig: Eine Hausratversicherung lohnt nur bei extrem teurem Mobiliar - aber dann wird auch die Police teuer.

Auch Besitzer teurer Fahrräder schließen oft Hausratversicherungen ab, um ihre Räder zu schützen. Sie sollten aber genau hinsehen, wie hoch der Aufpreis ist, welcher Fahrradwert notfalls ersetzt wird und vor allem in welchen Situationen die Räder überhaupt mitversichert sind. Oft gelten nämlich komplizierte Ausschlussklauseln.

Haftpflichtversicherung - ein Muss für Missgeschicke

Sie ist tatsächlich die wichtigste Versicherung von allen: die private Haftpflichtversicherung. Denn schnell kann schon eine kleine Unachtsamkeit dazu führen, dass jemand zu Schaden kommt. Besonders wenn Personen oder Gebäude schwer beschädigt werden, kann der geforderte Schadenersatz enorm hohe Summen annehmen - und sogar existenzbedrohend sein. Deshalb sollte jeder Erwachsene eine private Haftpflichtpolice besitzen. Sie zahlt übrigens auch, wenn wir Schäden fahrlässig verursachen. Und selbst gute Verträge kosten nicht mehr als rund 50 Euro im Jahr.

Berufsunfähigkeitsversicherung - Rettungsschirm bei schwerer Krankheit

Die eigene Arbeitsfähigkeit sollte man dringend absichern. Und zwar möglichst früh, denn umso günstiger ist die Police. Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein monatliches Einkommen gesichert, falls Sie durch eine dauerhafte Erkrankung nicht mehr in der Lage sein sollten, den eigenen Beruf auszuüben.

Bei Arbeitsunfähigkeit zahlt zwar die gesetzliche Rentenkasse eine Erwerbsminderungsrente. Doch deren monatliche Höhe bei durchschnittlich 700 Euro reicht meist nicht aus, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Außerdem greift sie erst, wenn der Betroffene tatsächlich so gut wie gar keiner Arbeit mehr nachgehen kann.

Häufig schüren Versicherer Angst, indem sie warnen, jeder Vierte werde statistisch gesehen im Laufe seines Lebens berufsunfähig. Über die tatsächlichen Fallzahlen sagt das wenig aus, es kommt stark auf den eigenen Beruf an. Außerdem dauert die Berufsunfähigkeit oft nicht bis zur Rente an. Daher muss jeder für sich selber prüfen, welchen Beruf er absichern will. Eine günstigere Alternative kann auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sein.

Risikolebensversicherung - eventuell eine Option

Mehr zum Thema

Bei der Risiko-Lebensversicherung bekommen die Angehörigen eine große Geldsumme ausgezahlt, falls Sie selbst vorzeitig sterben sollten. Mit solchen Policen können Sie als Hauptverdiener die übrigen Familienmitglieder absichern. Zudem ist sie sinnvoll, wenn Paare gerade gemeinsam ein Eigenheim gekauft haben, das der Partner alleine nicht abzahlen könnte. In solchen Fällen ist eine Risiko-Lebensversicherung durchaus sinnvoll.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de