Rath around the world Dieses Luxushotel am Vierwaldstättersee hat sogar einen eigenen Duft
Von Carsten K. Rath 
Nach einer aufwendigen Renovierung erstrahlt das Hotel Mandarin Oriental Palace seit September 2022 in neuem Glanz. Unseren Autor fasziniert in Luzern das Zusammenspiel architektonischer Epochen: Während die Altstadt mittelalterlich geprägt ist, glänzt die Promenade in prachtvoller Belle Époque.
Dieser Historismus spiegelt sich in den Grandhotels wider - vom neo-barocken "Grand Hotel National" bis zum "Mandarin Oriental Palace", das für mich das Paradebeispiel der Belle Époque-Ära ist. Das Hotel liegt direkt am Ufer des Vierwaldstättersees, nur einen Steinwurf von der historischen Altstadt entfernt und bietet einen spektakulären Blick auf die Schweizer Alpen.
Eine Hommage an alte Zeiten und fernöstliche Wurzeln
Das "Mandarin Oriental" ist auch eine Verbeugung vor dem Schweizer Unternehmer Franz Josef Bucher, der mit dem Bau 1906 seinen Traum von einem mediterranen Rückzugsort mitten in der Zentralschweiz verwirklichte. Überall im Haus begegnen mir dezente asiatische Einflüsse wie Schmetterlingsintarsien in den Schreibtischen oder Schrankgriffe aus Leder. Sie erinnern an die asiatische Handwerkskunst und an die Wurzeln der "Mandarin Oriental Gruppe". Die Hotelmarke betreibt heute 45 Häuser weltweit und hat ihre Ursprünge in den legendären Flaggschiffen in Hongkong und Bangkok.
Das Herzstück: Wo Architektur auf Natur trifft
In der Lobby fällt mir ein angenehmer Duft auf - dezent, blumig und frisch. Ein Duft, der eigens für das Hotel entwickelt wurde, erzählt mir der sympathische Hoteldirektor Matthias Kindl. Er erinnert an Edelweiß, an die Schweizer Natur, an das, was für den Standort des Hauses typisch ist.
Die Lobby strahlt mit ihren geschwungenen Sofas und den edlen Holzelementen eine zeitlose Eleganz aus. Ein architektonisches Statement ist der monochrome Marmorboden aus Carrara und Nero Marquina. Er zieht sich durch das Erdgeschoss und bildet einen wunderbaren Kontrast zu den weichen Naturmotiven an den Wänden. Besonders charmant finde ich die subtilen Details: Motive von Palmen und Lilien schmücken Wandbeläge und Polster und bringen die Flora der Umgebung in die prachtvollen Räume.
Als ich die Vorhänge meines Zimmers öffne, liegt der Vierwaldstätter See ruhig vor mir. Ein paar Schiffe ziehen vorbei, die Berge im Hintergrund wirken wie gemalt. Die Architekten und Designer vereinten beim Umbau die ursprüngliche Grandezza des Hotels mit der typischen Schweizer Qualität. Historische Details kontrastieren mit modernen Molteni-Möbeln. Geriffelte Wandlampen spenden sanftes Licht. Eichenparkett und cremefarbene, handgewebte Wollteppiche aus der Schweiz strahlen Wärme, Komfort und Exklusivität aus.
Die kuratierte Kunstsammlung
Ich habe schon einige "Mandarin-Oriental"-Häuser auf der ganzen Welt besucht und immer ist mir die Kunst als prägendes Element der Markenidentität der Mandarin-Gruppe aufgefallen. Das geht weit über bloße Dekoration hinaus - die Hotels vereinen Kunst, lokales Handwerk und Design und schlagen so eine Brücke zwischen den asiatischen Wurzeln der Marke und dem kulturellen Erbe des jeweiligen Standorts. In Luzern widmet sich die Kunst im Haus der Wiederentdeckung der Schweizer Alpenlandschaft. Detaillierte Gebirgsgemälde des 19. Jahrhunderts, moderne Glasbilder und abstrakte Naturfotografie bringen den alpinen Entdeckergeist vergangener Tage zurück in die Gegenwart. Ich sehe es wie eine Einladung, die Kraft und Anmut der Natur mit neuen Augen zu sehen.
Kulinarische Sternstunden: Colonnade und Minamo
Gastronomische Exzellenz, auch das habe ich immer wieder erlebt, ist Teil des "Mandarin Oriental"-Erlebnisses. Mittlerweile haben die Restaurants weltweit 29 Michelin-Sterne erkocht. Zwei davon hält Executive Chef Gilad Peled im "Colonnade".
Der gebürtige Israeli arbeitete nach seiner Kochausbildung im renommierten Londoner Institut Le Cordon Bleu unter anderem mit und für Stars wie Clare Smyth und Gordon Ramsay. Beim Dinner spricht er über seine konsequente Philosophie, nur die besten Erzeugnisse der Schweiz zu verarbeiten. Dass seine akribische Auswahl Früchte trägt, beweist mein Alpstein Poulet, dem er mit einer feinen Schicht Bärlauch und Peterli unter der krossen Haut den Extrakick verleiht. Mein Appenzeller Lamm ist perfekt gebraten, mediterran serviert, mit violetten Artischocken, Nocellara-Oliven und einem tiefen Jus.
Entgehen lassen sollten Sie sich keinesfalls den legendären Käsewagen mit einer Selektion des Schweizer Affineurs Rolf Beeler - mit Alpsbrinz, altem Gruyère, Jersey Blue und Stanser Fladen.
Das "Minamo" bietet einen faszinierenden Kontrast zu Peleds französischer Haute Cuisine. In einem schlichten Holzkubus bereitet Meister Yutaka Kobayashi ein exklusives Omakase für nur acht Gäste. In der zweistündigen Reise durch acht Gänge gebe ich mich ganz den Künsten Kobayashis hin. Vor meinen Augen formt er präzise temperierten Reis und veredelt es mit hauchdünnem Fisch aus Japan oder der Schweiz - ein faszinierendes und exquisites Erlebnis.
Diskrete Entdeckungen abseits der Promenade
Ich lasse meine Reise mit einer besonderen Empfehlung des Concierge-Teams ausklingen. Das Restaurant "Old Swiss House" ist ein faszinierendes Gesamtkunstwerk, das den historischen Geist Luzerns auf einzigartige Weise bewahrt. Inmitten von prachtvollen Salons fühle ich mich wie in eine andere Zeit versetzt. Prunkstück des Restaurants ist ein fast 400 Jahre alter Porzellan-Kachelofen mit detailreichen Bemalungen auf den Fayence-Kacheln. Passend zu dieser historischen Substanz wird hier die klassische Gastronomie zelebriert: An meinem Tisch bereitet der Service ein Wiener Schnitzel mit reichlich Butter in einer glänzenden Kupferpfanne zu - eines der besten, das ich je gegessen habe.
Seine internationale Strahlkraft verdankt das Old Swiss House seiner fast 100-jährigen Ära als Familienbetrieb. Staatsmänner wie Michail Gorbatschow oder Weltstars wie Frank Sinatra oder Keanu Reeves haben das besondere Flair am Luzerner Löwenplatz genossen.
Spitzenplätze im Ranking
Das Mandarin Oriental Palace hat es geschafft, den Geist der Belle Époque in die Gegenwart zu retten, ohne dabei museal zu wirken. Im aktuellen Schweizer Ranking "Die 101 Besten Hotels Schweiz 2026" belegt das Haus Platz 4 in der Kategorie "101 Luxury Palace". Im DACH-Ranking erreicht es Platz 5 derselben Kategorie. Verdiente Spitzenplätze, wie ich finde.
Raths Reise-Rating:
1. Ganz großes Kino
2. Wenn's nur immer so wäre
3. Hohes Niveau, mit ein paar wenigen Schwächen
4. So lala, nicht oh, là, là
5. Besser als im Hostel
6. Ausdrückliche Reisewarnung
Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel-Rankings im deutschsprachigen Raum die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor der Bücher "Die 101 besten Hotels Deutschlands". Mit seinem Ranking kam er im Jahr 2024 erstmals in die Schweiz. Bestellen Sie das Buch gerne per E-Mail an board@i-sle.ch oder online unter:
https://die-101-besten.de/interesse-am-buchband-die-101-besten-hotels-deutschlands-2026/
Jetzt neu: PODCAST – "Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101" von Carsten K. Rath, der bei den besten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. Zu hören unter anderem bei Apple und Spotify.