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Braune-Brause-Report Foodwatch wirft Coca-Cola Manipulation vor

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Der Coca-Cola-Report kritisiert , unter anderem, dass Zuckergetränke nur "leere Kalorien" liefern.

(Foto: imago/Gottfried Czepluch)

Fettleibigkeit sei das neue Rauchen, warnen Wissenschaftler. Und genau wie die Tabakindustrie versuche Coca-Cola mit gekauften Wissenschaftlern und cleveren Werbemaßnahmen Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken zu säen, so ein Vorwurf.

Die Deutschen verzehren im Schnitt rund 90 Gramm Haushaltszucker pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält hingegen nur gut die Hälfte, rund 50 Gramm zugesetzten Zucker, für tolerierbar. Dieser Wert ist bereits mit einer 0,5-Liter-Flasche klassischer Coca-Cola erreicht. Und auch wenn Zucker dem Körper Energie zur Verfügung stellt, macht ein Zuviel davon dick und auch krank. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und natürlich Karies werden eindeutig mit einem hohen Zuckerkonsum in Verbindung gebracht.

Aus diesem Grund kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch die Marketing- und Lobbymaßnahmen des Unternehmens Coca-Cola als unverantwortlich. In seinem heute veröffentlichten 108-seitigen "Coca-Cola-Report" wirft die Verbraucherorganisation dem Weltmarktführer für sogenannte Zuckergetränke vor, mit millionenschweren Marketingkampagnen via Youtube- und Instagram-Stars ("Influencer") im Internet und Werbung im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier zu nehmen. Obwohl der Konzern durch eine eine Selbstverpflichtung den Eindruck erweckt, keine Werbung an Kinder unter 12 Jahren zu richten.

Lobby-Strategien der Tabak-Industrie

Gleichzeitig versuche der Konzern durch gezielte Lobbyarbeit wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern zu torpedieren und habe nachweislich versucht, mit gekauften Wissenschaftlern Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken zu säen, so Foodwatch. Dieses Vorgehen erinnre an die Lobby-Strategien der Tabak-Industrie, bemängelt der Report. So habe 2015 die "New York Times" aufgedeckt, dass Coca-Cola mit 1,5 Millionen US-Dollar eine vermeintlich unabhängige Forschungseinrichtung finanzierte. Diese vertrat ganz im Sinne des Unternehmens öffentlich die Position, nicht ungesunde Ernährung, sondern Bewegungsmangel sei das zentrale Problem für Übergewicht.

Laut Foodwatch haben in der Vergangenheit viele Studien untersucht, ob Zuckergetränke und Übergewicht zusammenhängen. Dabei finden 80 Prozent der von der Lebensmittelindustrie finanzierten Studien heraus, es gebe keinen solchen Zusammenhang, während 80 Prozent der unabhängig finanzierten Studien zu dem gegenteiligen Ergebnis kommen.

Der Report kritisiert zudem, dass Zuckergetränke nur "leere Kalorien" lieferten, ohne wichtige Nährstoffe und ohne eine entsprechende Sättigung zu verursachen, was zu einer überhöhten Kalorienaufnahme führe. Anders als beispielsweise Süßwaren, bei denen "eine Handvoll" als unproblematisch gilt, sind Coca-Cola & Co schon in vergleichsweise geringen Mengen gesundheitsgefährdend. Demnach erhöht bereits eine Dose am Tag das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit oder Typ-2-Diabetes. Vor allem Kinder und Jugendliche trinken deutlich mehr Zuckergetränke als empfohlen. Laut aktueller Daten des Robert-Koch-Instituts trinken männliche Jugendliche knapp einen halben Liter täglich.

Auf Anfrage von n-tv.de äußerte sich Coca-Cola wie folgt zu den Vorwürfen:

"Übergewicht ist ein komplexes Phänomen. Einfache Antworten sind verlockend, aber sie lösen das Problem nicht. Es braucht vielmehr den Willen zu gemeinschaftlichen Lösungen.
Wir sind offen für einen konstruktiven, lösungsorientierten Dialog darüber, welchen Beitrag unser Unternehmen dabei leisten kann. Dabei gilt: Man kann Übergewicht nicht wegbesteuern", sagt Patrick Kammerer, Mitglied der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland.

Fakt ist:

·  Schon seit vielen Jahren bietet Coca-Cola sämtliche klassischen Limonaden auch in zuckerfreien Varianten an. Das Unternehmen ist seit fast 90 Jahren in Deutschland verwurzelt und hat und rund 80 verschiedene Getränke im Sortiment – darunter auch Mineralwasser, Saft, Schorle und Kaffee.

· Rund ein Drittel des Getränkeangebots ist ohne Zucker bzw. zuckerreduziert.

· Bis 2020 wird Coca-Cola den Zucker in seinen Erfrischungsgetränken um 10 Prozent reduzieren.

· Bis 2025 will der Getränkehersteller die Hälfte seines Absatzes mit zuckerfreien und zuckerreduzierten Varianten erzielen.

· Coca-Cola investiert überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker: Im vergangenen Jahr war das in Deutschland pro Liter Getränk fast das Doppelte gegenüber den Ausgaben für klassische Limonaden (+90 %).

· Coca-Cola wirbt nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Diese Selbstverpflichtung wird regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft. 2017 wurden dabei in Deutschland 2.000 Werbeschaltungen in TV, Hörfunk und Internet untersucht. Coca-Cola hat die Richtlinie in jedem einzelnen Fall eingehalten.

· Coca-Cola veröffentlicht regelmäßig jedes Jahr alle Partnerschaften und Forschungsprojekte zum Thema Gesundheit und Wohlbefinden - rückwirkend seit 2010. In Deutschland engagieren wir uns beispielsweise vor allem für die Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport (Special Olympics), die Integration von Geflüchteten und Migranten in unsere Gesellschaft sowie für die Erneuerung von Spielplätzen.

· Coca-Cola setzt sich für eine transparente Information für die Verbraucher ein und ist offen dafür, freiwillig auch in Deutschland eine farbliche Kennzeichnung von Inhaltsstoffen einzuführen.

Quelle: n-tv.de, awi

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