Ratgeber

Motorrad zu schnell Fußgänger haftet bei Unfall

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Auch während des Überquerens der Straße müssen Fußgänger den Verkehr in beide Richtungen überwachen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer über die Straße gehen will, muss vorher nach links und rechts sehen - das lernt man schon als Kind. Doch für eine Schadenersatzklage nach einer Kollision reicht das allein vor Gericht nicht aus.

Wer als Fußgänger die Straße überquert, muss nicht nur vorher, sondern spätestens in der Mitte der Fahrbahn noch einmal nach rechts schauen. Wer das nicht macht, kann bei einem Unfall überwiegend haften müssen - auch dann, wenn das beteiligte Fahrzeug zu schnell unterwegs war.

Im konkreten Fall war eine Frau mit ihrem Hund an der Leine über die Straße gegangen. Ein Motorrad, das sich mit etwas zu hohem Tempo von rechts näherte, bemerkte sie dabei nicht. Kurz bevor sie an der anderen Seite ankam, erfasste das Motorrad dann die Frau. Diese wurde dabei erheblich verletzt und musste eine Woche im Krankenhaus behandelt werden. Und klagte später auf Schadenersatz.

Doch das Oberlandesgericht (OLG) Hamm sah den überwiegenden Teil der Haftung mit zwei Dritteln bei der Fußgängerin (Az.: 6 U 2/16). Sie habe den Verkehr nicht sorgfältig beachtet. Nicht nur, bevor sie auf die Straße treten, sondern auch während des Überquerens müssten Fußgänger den Verkehr in beide Richtungen überwachen und spätestens an der Straßenmitte noch mal nach rechts schauen.

Die Motorradfahrerin haftete zu einem Drittel. Sie war um fünf km/h zu schnell unterwegs gewesen. Wie ein Sachverständiger ermittelte, wäre der Unfall nicht passiert, wenn sie sich an das Tempolimit gehalten hätte.

Grundsätzlich müssen Autofahrer und Motorradfahrer auf Fußgänger Rücksicht nehmen und langsamer fahren. Auch und gerade dann, wenn diese offenkundig nicht auf den Verkehr achten. Sie dürfen außerdem nicht darauf vertrauen, dass Fußgänger in der Fahrbahnmitte warteten, um Fahrzeuge vorbeifahren zu lassen. Schon gar nicht, wenn sie wie wie im verhandelten Fall die Straße schnell überqueren und dabei zu keinem Zeitpunkt auf den Verkehr schauen.

Über das Urteil berichtet die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Quelle: ntv.de, awi/dpa