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Regelsatz nicht hoch genug Hartz IV reicht nicht für die Stromkosten

Ohne Strom

Hartz-IV-Empfänger müssen an allen Ecken und Enden sparen - auch beim Strom.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Zum neuen Jahr erhalten Hartz-IV-Bezieher ein paar Euro mehr. Dennoch dürfte das Geld kaum für die Stromrechnung reichen. Denn wer auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, muss mit einer Pauschale auskommen. Und die fällt trotz der geplanten Erhöhung zu gering aus, zeigt eine Untersuchung.

Auch im kommenden Jahr werden die Strompreise für private Haushalte deutlich steigen. Haushalte, die auf Hartz IV angewiesen sind, trifft das besonders. Denn auch ohne die Preiserhöhungen sind die staatlichen Leistungen für das kommende Jahr zu gering berechnet.

Zwar erhalten Bezieher von Hartz-IV-Leistungen ab 2021 ein paar Euro mehr. Alleinstehende kommen so auf insgesamt 446 Euro. Davon sind rein rechnerisch 38,32 Euro zur Begleichung der Stromrechnung vorgesehen. Die tatsächlichen Stromkosten eines Singlehaushalts mit einem Verbrauch von 1500 Kilowattstunden belaufen sich im Bundesdurchschnitt jedoch auf monatlich 47,50 Euro Euro. Für Hartz-IV-Empfänger, die Strom in der Grundversorgung beziehen, fällt die Differenz noch größer aus, wie eine Untersuchung des Verbraucherportals Check24 zeigt. Mehr als ein Drittel der betroffenen Haushaltskunden hatte im vergangenen Jahr noch einen solchen Vertrag.

Sozialverbände und Verbraucherschützer kritisieren immer wieder, dass in den Hartz-IV-Regelsätzen der Pauschalbetrag für Strom nicht ausreiche. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bemängelt ihrerseits in einer Untersuchung, dass Betroffenen häufig nicht in der Lage sind, die hohen Stromkosten durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen.

Anbieter- oder Tarifwechsel oft nicht möglich

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Mit einem Anbieter- oder Tarifwechsel könnten Hartz-IV-Empfänger ihre Kosten senken. Doch ein eigenständiger Wechsel in günstigere Tarife übersteigt in manchen Fällen die Planungskompetenzen der Betroffenen oder ist etwa mit nachteiligen Schufa-Einträgen nicht immer ohne Weiteres möglich. Denn viele Stromanbieter prüfen vor Vertragsabschluss die Bonität der Kunden und behalten sich vor, die Belieferung abzulehnen. Damit bliebe den ärmsten Verbrauchern ein zentraler Weg zu sinkenden Stromkosten versperrt. Sie müssten in der Grundversorgung verharren und zahlten dort die höchsten Strompreise.

Aber auch, wenn der Wechsel zu einem günstigen Versorger möglich ist, hat dies seine Tücken. So hat das Bundessozialgericht jüngst entschieden, dass Jobcenter die Wechselprämie eines Stromanbieters beim Arbeitslosengeld anrechnen dürfen. In dem verhandelten Fall hatte ein Paar einen Sofortbonus in Höhe von 242 Euro erhalten. Das Jobcenter kürzte daraufhin jedoch die Leistungen um 91 Euro. Denn mit dem Sofortbonus, der gleich zu Beginn der Vertragslaufzeit gezahlt wurde, ist ein Einkommen erzielt worden, welches zu berücksichtigen sei, wie das Gericht entschied.

Quelle: ntv.de, awi