Ratgeber

Analyse deckt Preisschere auf Überzogene Strompreise - jetzt handeln!

imago93952054h.jpg

Eine spürbare Entlastung der Stromverbraucher ist nicht in Sicht.

(Foto: imago images/McPHOTO)

Eine bundesweite Analyse belegt nun, dass die tatsächlichen Kosten für Stromanbieter nicht zu den enorm gestiegenen Preisen für Verbraucher passen. Wie das Geschäft mit den Strompreisen läuft und warum Kunden sich das nicht gefallen lassen müssen, lesen Sie hier.

Seit Jahren zeigt sich beim Strompreis ein sehr einheitliches Bild: Es wird immer teurer. Anbieter haben zahlreiche Begründungen parat, warum dies unausweichlich ist. Mal sind es steigende Netzentgelte, häufig die Beschaffungskosten und regelmäßig wird die Schuld für Erhöhungen auf die EEG-Umlage geschoben. Doch erklärt dies wirklich die signifikanten Preiserhöhungen, die Stromanbieter ihren Kunden in den letzten beiden Jahren zugemutet haben?

Eine erstmals bundesweit durchgeführte Analyse zeigt auf: Die massiven Preiserhöhungen für Verbraucher passen mit der Entwicklung der eigentlichen Stromkosten nicht zusammen. Während Verbraucher nun zwei Jahre in Folge massive Strompreiserhöhungen über sich ergehen lassen mussten, enthüllt die Analyse des Tarifaufpassers SwitchUp.de, dass die eigentlichen Kosten für Stromanbieter seit 2018 im Durchschnitt gerade einmal um 6 Euro gestiegen sind.

Stromversorger optimieren ihre Marge auf Kosten der Kunden

Kunden im Grundversorgertarif erhielten in den letzten zwei Jahren signifikante Preiserhöhungen. Während ein Haushalt mit 3500 kWh Verbrauch 2018 im Schnitt 1071 Euro für Strom bezahlte, kletterte der Rechnungsbetrag bei gleichem Verbrauch 2020 auf 1175 Euro - eine Differenz von 103 Euro. Und dies, obwohl sich für Stromanbieter die wesentlichen Kostenblöcke (1) Steuern, Abgaben & Umlagen, (2) Netzentgelte und (3) Beschaffungskosten im gleichen Zeitraum in Summe gerade einmal um 6 Euro verändert haben. Bleibt eine Differenz von 97 Euro, die sich anhand der tatsächlichen Kostenentwicklung nicht erklären lässt. Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, kritisiert: "Obwohl EEG-Umlage und Beschaffungskosten sinken, geben die meisten Energieversorger diese Vorteile nicht weiter, sondern gehen auf Tauchstation."

Selbst stark steigende Beschaffungspreise kein Argument

Auch für 2021 ist keine Erleichterung für den Geldbeutel der Verbraucher in Sicht. Im Gegenteil, die Mehrheit der Anbieter verkündet stolz, die Preise stabil zu halten, einige erhöhen sogar. In Homeoffice-Zeiten mit erhöhtem Stromverbrauch wahrlich keine guten Nachrichten. Anbieter berufen sich bei ihren Preisen noch immer auf die Entwicklung der Beschaffungspreise, obwohl diese im Jahresschnitt bis Ende November unterhalb von 4 Cent/kWh liegen. Wie Switchup in einer Szenariorechnung ermittelt hat, bestünde selbst im Falle eines Anstiegs der Beschaffungspreise auf 5 Cent/kWh - ein Wert, der im Jahresschnitt das letzte Mal 2011 erreicht wurde - noch immer eine Differenz zwischen Preiserhöhungen und Kostensteigerungen von 55 Euro. Mit anderen Worten: Selbst im Fall, dass sich die Beschaffungskosten auf dieses wenig wahrscheinliche Niveau bewegen, wären Preissenkungen für Verbraucher überfällig.

Überfällige Preissenkungen einfordern

Mehr zum Thema

Trotz der meist deutlich überteuerten Preise, befinden sich noch 26 Prozent der Haushalte im Grundversorgertarif. Mit dem weiterhin passiven Verhalten laden jene Haushalte Versorger ein, ihre Marge auch weiterhin auf Kosten ihrer Kunden zu erhöhen. Die Verbraucherzentrale rät daher, jetzt aktiv zu werden und den Anbieter zu wechseln. Die gute Nachricht: Im Grundversorgertarif bestehen stets nur 2 Wochen Kündigungsfrist - man kommt also schnell aus seinem Vertrag heraus. Laut Check24 liegt das Sparpotenzial bei einem Wechsel aus dem Grundversorgungstarif und einem Verbrauch von 5000 kWh bei 312 Euro.

Wer sich nicht länger am oberen Ende der Preisschere bewegen will, sollte seinem Anbieter daher jetzt den Stecker ziehen. Dies lässt sich entweder selbst über die klassischen Vergleichsportale erledigen oder vollautomatisch mit einem der verschiedenen Tarifaufpasser auf dem Markt. Letztere empfiehlt Stiftung Warentest allen Verbrauchern, die keine Lust haben, sich selbst um ihre Tarife zu kümmern, da sie nicht nur für einen einmaligen Anbieterwechsel sorgen, sondern den Tarif Jahr für Jahr automatisch optimieren. Egal ob man selbst den Tarif wechselt oder die Aufgabe an einen Tarifaufpasser übergibt: Nur wenn man von der Möglichkeit des Anbieterwechsels Gebrauch macht, werden Anbieter nicht länger damit durchkommen, ihre Marge auf Kosten ihrer treuesten Kunden zu optimieren.

Quelle: ntv.de, awi

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.